Ich habe bisher ein Buch von Oates gelesen, daß mir eher als befremdlich in Errinnerung ist -obwohl ich der Autorin schon damals zugestehen muß, daß mir einige sehr gut erzählte Szenen und komplexe Emotionsbilder im Gedächtnis geblieben sind. Als ich "Zomie" in der Bücherei fand, gab ich ihr jetzt-jahre später-nochmal eine Chance. Vielleicht war ich für die Stimmung Ihrer Bücher jetzt mehr bereit.
In dem Buch beschreibt Q.P. wie er sich selbst in der dritten Person oft nennt, seinen Alltag, seine Probleme mit dem vom Sohn enttäuschten Professorenvater, den Gefälligkeiten für die vom Enkel begeisterte Großmutter, seinen Hausmeisterjob in einem Studentenwohnheim, die rührende Arglosigkeit der ausschließlich ausländischen Studenten- die für ihn aber für seine Experimente tabu sein müssen-zu nah dran.
Er will sich einen Zombie schaffen, der "nur sagen kann, was wahr ist, weil er nichts im Kopf hat", der ihm sexuell untergeben ist, aber auch mit ihm dem Abendgeläut der Glocken zuhört, nebeneinander im Bett liegend und im selben Moment wie er, O.P.,einschläft.
Er beschreibt diese blutigen Experimente so schlicht und selbstredend wie er seine alltäglichen gängigen Markenbiere, Fastfoodmenüs ect. erwähnt.
Diese Parallelwelt-Perspektive macht die Beschreibungen so unheimlich. Durch die im Buch enthaltenen Zeichnungen hat man wirklich das Gefühl, ein fremdes Tagebuch (unerlaubt) zu lesen und dabei immer mehr sehen zu können, was der Ich-erzähler für ein berechnender, kalter Mensch ist.
Andererseits hat man aber gerade dadurch eine immer größer werdende Distanz, ein Grausen ohne sich von dem unvermeidlichen Zielpunkt der Handlung abwenden zu können. -Das offenen Ende macht vielelicht noch nachdenklicher, ist sicher auch realistisch- aber trotz aller schockierenden Geschehnisse und der Art, den Leser in höchst ambivalente Gefühle der Hauptfigur gegenüber zu bringen, fehlt auch irgendwas um dieses Buch zu einem außerordentlichen zu machen.