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Es ist sicher eine Menge Denkarbeit in die Erstellung der Scheibe eingeflossen, und die gröbste Beleidigung für die Band wäre wohl der Gebrauch der Random-Taste, die die Reihenfolge der Songs auseinandernimmt. Denn hier wird gereist, und zwar von ganz langsam, ganz leise, ganz lang, ganz schräg ("Moon, Stars And Planes", "Schwaches Gift") über die leicht an Tomte erinnernde Single "Zombi" bis zum relativ versöhnlichen und unanstrengenden "Warmer Abend", ein heißer Kandidat für eine zweite Single. Dazwischen gibt es aber viel zu verdauen, hier eine ungerade Metrik, dort eine Ansammlung besonders fieser Disharmonien, da einige Minuten Psycho-Horror-Klanggemälde. Mit den beiden Jazz-lastigen Instrumentals "Baron Samedi" auf halber Strecke und dem Rauswerfer "New Babylon" unterstreicht die Band ihren musikalischen Anspruch, und insgesamt handelt es sich hier vielleicht am ehesten um eine populärmusikalische Form von Programm-Musik. Das Zombi-Thema lebt in den Titeln, Texten und der Musik als Metapher für die Entseeltheit von Menschen, Landschaften und Situationen.
Auch wen Zombi vielleicht etwas gewollter und konstruierter klingt als der Vorgänger Zweilicht, so sind doch die Hauptmerkmale der Band um Sänger Peter Thiessen erhalten geblieben und kann in den besten Momenten immer noch "mehr als die Summe der einzelnen Teile" hervorbringen.
--Deborah Denzer
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Musikalisch ist die Platte für mich eher wenig überraschend, weil ich die letzte Kante CD "Zweilicht" kenne und "Zombi" ihr ähnelt. Das soll aber nicht heißen, dass "Zombi" einfallslos arrangiert wurde. Man kann auf der Platte viele Musikstile entdecken: Ein klassischer Midtemporocksong wie "Zombi", Instrumentals wie "Baron Samedi", das einige Jazzeinflüsse aufweist, und "New Babylon", das die Platte eher disharmonisch ausklingen lässt, findet man neben sehr lyrischen Liedern wie "Schwaches Gift", "Im Inneren der Stadt" und dem sehr ergreifenden "Wenn man im Atmen innehält" auf dem dritten Kantealbum. Der erste Track "Moon, Stars and Planes" erinnert mich aufgrund der hypnotischen Gitarrenläufe etwas an Yo La Tengo. Es werden wie auf "Zweilicht" viele rock-untypische Instrumente wie Saxophone, Posaunen und Klarinette eingesetzt. Häufig findet man auch elektronische Klangelemente wie Synthesizer in den Songs, die aber das warme Klangbild nicht stören. Insgesamt kann man sagen, das Kante sehr vielschichtige und komplexe Musik macht, die aufgrund der manchmal eingestreuten Dissonanz und der Mixtur von sehr vielen Musikrichtungen etwas Zeit braucht, um sich im Ohr festzusetzen.
Peter Thiessen singt wie gewohnt etwas schräg, aber ich finde nicht, dass sein Gesang nervig ist. Ich denke auch, dass seine Stimme besser als auf "Zweilicht" klingt. Peters Texte sind wieder einmal sehr metaphorisch, aber diesmal noch düsterer als auf der Vorgängerplatte. Durch die gesamte Platte zieht sich das Motto "Zombi": Gemeint sind die Entfremdungsgefühle, die ein Mensch bei dem genaueren Blick auf seine Umwelt, der häufig die Wärme und Menschlichkeit fehlt, empfindet. Perspektivlosigkeit und Traurigkeit werden vor allem im Song "Ich kann die Hand vor meinen Augen nicht mehr sehen dargestellt: "Ich kann keinen Schritt mehr weiter gehen /Ich kann in keinem Weg mehr einen Weg sehen/Mir scheinen alle Möglichkeiten tote Alternativen/ich seh in Nichts noch eine Perspektive". Der Mangel an Menschlichkeit und die Tristesse in der modernen, seelenlosen, rein von Profitgier geprägten "Zombistadt" kommt zum Beispiel in "Wo die Flüsse singen" zum Ausdruck: "Da wo die Flüsse singen/ Da wo das Grau an Blau verliert/Wo Flugzeuge im Nebel kreisen/Im Blutgeruch der Schlachterei/ Da wo die Kinos Filme zeigen/Da wo die Wege sich verzweigen/In den Kreisen einer Schattenwirtschaft/Wo die Gerüchte zirkulieren/wo Schuldenberge Plätze tauschen" Mir gefallen die Texte sehr gut und ich mag es, wenn ich über einen Text etwas länger nachdenken muss, um ihn in meiner eigenen Weise zu interpretieren.
Wem "Zweilicht" gefallen hat, der dürfte auch an Zombi gefallen finden. Die unheimlich dichte und düstere Atmosphäre zieht sich durch die gesamte Platte. "Zombi" ist alles andere als gute Laune Musik und auch die verschlüsselten Texte und die eigenwillige Rhythmik sorgen dafür, dass "Zombi" keine Platte ist, die man als Hintergrundgedudel hören kann. Wer sich aber auf die Platte einlässt wird auf keinen Fall enttäuscht werden, denn auf dieser Platte lässt sich einiges entdecken - sowohl in textlicher als auch in musikalischer Hinsicht.
Vielleicht ist das auch die Moral des ALbums, wieviel wir übersehen in der Eile, im Eifer. Ganz abgesehen von der interessanten Idee der "Zombis", der "reichlich schlechten Scherze", dieses Generationenentwurfs(?), die der Titeltrack eröffnet hat. Auch eines der interessantesten "Wir" des Jahres.
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