Neue Zürcher Zeitung
Streitgeschichte
Dass die Geschichte der Wissenschaft keine geradlinige und kohärente Entwicklung, sondern ein Hindernislauf war, zeigt der amerikanische Wissenschaftsjournalist Hal Hellman in seinem soeben auf Deutsch erschienenen Buch über grosse Wissenschaftsdispute. In kurzweiligen Essays beschreibt Hellman die zehn berühmtesten Streitfälle der Wissenschaftsgeschichte: Vom Disput zwischen Galileo und dem Papst Urban VIII. über den Konkurrenzkampf zwischen Newton und Leibniz um die Entdeckung der Infinitesimalrechnung bis hin zum Fossilienstreit zwischen Edward Cope und Othniel Marsh und zur «Nature versus Nurture»-Kontroverse zwischen Derek Freeman und Margaret Mead erzählt Hellman Wissenschaftsgeschichte als Streitgeschichte. Zwar stellt er die wissenschaftlichen Prämissen der Konflikte und ihren Ausgang dar, aber er ist vor allem bemüht, die Streitparteien zu porträtieren und den soziokulturellen Kontext und die Folgen der Dispute zu zeigen. So erfährt man auch von verschiedenen Nebenerscheinungen, die der Kampf um die Wahrheit mit sich brachte: Die Auseinandersetzung zwischen Newton und Leibniz trug wesentlich zur Entwicklung des modernen wissenschaftlichen Aufsatzes bei; durch den Fossilienstreit ging das Wort «Dinosaurier» in die Alltagssprache ein; der Streit um die Herkunft des Menschen schliesslich wurde politisch ausgenutzt. So ist das Buch eine amüsante Lektüre, die sich an ein breites wissenschaftlich interessiertes Publikum richtet, demjenigen, der mehr wissen will, aber weiterführende Literaturhinweise gibt.
Stefana Sabin
Kurzbeschreibung
Wenn durch neue wissenschaftliche Theorien das Weltbild komplett auf den Kopf gestellt wird, kann das weder im 17. noch im 20. Jahrhundert leise vonstatten gehen. Wortgewaltig und zum Teil auch emotionsgeladen verteidigen Forscher wie Galilei, Darwin, Wegener oder Mead ihre Vorstellungen, und dass diese "Kämpfe" unheimlich spannend und amüsant sein können, davon überzeugt Sie dieses Buch. Versprochen!
Wenn durch neue wissenschaftliche Erkenntnisse das Weltbild komplett auf den Kopf gestellt wird, kann das nicht leise vonstatten gehen. Bei der Frage, was die Welt im Innersten zusammenhält, prallen Ideen und Persönlichkeiten aufeinander, und das so manches Mal nicht intellektuell und kühl, sondern wortgewaltig und emotionsgeladen.
Hal Hellman hat zehn der wichtigsten und heftigsten Wissenschaftsdispute - vom 17. Jahrhundert bis heute - lebendig werden lassen. Diese faszinierenden Geschichten bieten nicht nur Informationen über die unterschiedlichsten Wissenschaften und den Zeitgeist der jeweiligen Epochen, sondern verweben auch die Motive von spannenden Krimis: Ehrgeiz, Eifersucht, Missgunst und Intrigen. Glücklicherweise ging es nicht bei allen wie bei Galilei um den Kopf, doch auch Newton, Darwin und Wegener befanden sich im Auge eines Sturms, den ihre Ideen ausgelöst haben. Trotz allem würden sie sicherlich zustimmen, dass Auseinandersetzungen das Salz in der Suppe des wissenschaftliches Fortschrittes sind.
1. Urban VIII. gegen Galilei - Zwei ungleiche Gegner
2. Wallis gegen Hobbes - Die Quadratur des Kreises
3. Newton gegen Leibniz - Kampf der Titanen
4. Voltaire gegen Needham - Die Entstehung des Lebens
5. Darwins Anwalt gegen Sam, den Salbungsvollen - Die Evolutionskriege
6. Lord Kelvin gegen Biologen und Geologen - Das Alter der Erde
7. Cope gegen Marsh - Der Fossilienstreit
8. Wegener gegen alle - Die Kontinentaldrift
9. Johanson gegen die Leakeys - Das fehlende Kettenglied
10. Derek Freeman gegen Margaret Mead - Gene oder Umwelt?