35 - 40 Jahre ist es her, dass ein Serienkiller in Kalifornien sein Unwesen trieb: Er mordete scheinbar wahl- und motivlos (es sei denn, die "Lust am Töten hält man für eines) und brüstete sich damit in Briefen an die dortige Presse und die Polizei - der so genannte "Zodiac". Obwohl es also durchaus Spuren und Hinweise auf den Täter gibt wurde er nie gefasst. Der Journalist Robert Graysmith hat sich auf Spurensuche begeben und zahlreiche Fakten, Einschätzungen und auch Vermutungen von Polizisten, Augenzeugen, Opfern und sonstwie Beteiligten zusammengetragen. Das Ergebnis ist dieses Buch.
Nachdem ich mir die "Zodiac"-Verfilmung von David Fincher, die auf eben diesem Buch beruht, angesehen hatte blieben bei mir viele Fragen offen. Ich wollte deshalb nachlesen, ob es an meiner Unkonzentriertheit beim Ansehen des Filmes lag - oder eben an der Vorlage. Denn der Stoff ist faszinierend und verstörend. Es lohnt sich meines Erachtens, sich mit "Zodiac" zu beschäftigen.
Ich denke, es liegt am Buch. Graysmith trägt ohne erkennbare Kriterien alles zusammen, was auch nur im entferntesten mit dem Fall "Zodiac" zusammenhängen könnte, ob wichtig, unwichtig, egal. Er suggeriert - nach guter amerikanischer "Cliffhanger"-Art - einer heißen Spur zu folgen - und verwirft diese nach kurzer Zeit ohne große Erklärung wieder. Hunderte von Namen werden dem Leser hingeworfen, Fakten selten von Spekulationen unterschieden und auch jedes ach so (un-)bedeutende Detail ausgegraben. So kommt bei der Lektüre schon an der ein oder anderen Stelle Frust auf. Neben den schon von einem anderen Rezensenten angesprochenen zahlreichen Flüchtigkeitsfehlern (ein weiteres Beispiel vgl. etwa S.98: da fährt das Opfer erst einen weißen, auf S.99 einen schwarzen Karman Ghia) ist für mich das größte Ärgernis, dass nie klar herausgearbeitet wird, warum die Polizei so viele Ermittlungsfehler zu verantworten hat, warum die Hausdurchsuchung eines der Hauptverdächtigen so schwierig zu ermöglichen war oder warum seine Alibis nicht genauer überprüft wurden etc. Das Buch bleibt einfach trotz aller Ausführlichkeit an der Oberfläche. Wirklich schlauer bin ich nach der Lektüre nicht.
Trotzdem gibt's von mir drei Sterne. Warum? Erstens ist der Stoff allemal spannend genug, dass sich die Lektüre lohnt. Man darf nur nicht zu hohe Erwartungen an das Buch haben. Zweitens sind im Buch die Original-Briefe von "Zodiac" abgedruckt, man erhält einen wirklich guten und faszinierenden Eindruck, wiewiel Angst, Panik und auch Denunziantentum der Fall "Zodiac" bei der Bevölkerung ausgelöst hat. Und man bekommt Gänsehaut, die bei niemandem ausbleibt, wenn man sich die Gewalttätigkeit dieses Serienkillers vor Augen führt. Ein oder zwei gruselige Abende sind in der Tat garantiert...