Marion Gräfin Dönhof bringt es auf den Punkt: In unserer Zeit hat alles, aber auch alles seinen Preis und nichts mehr seinen Wert.
In knappen statements kritisiert síe die unmenschliche Gier eines ungezügelten Kapitalismus, der nur ein Kriterium kennt - das Geld, das viele Geld, die hypertrophe Maximierung von Geld ohne Rücksicht auf Verluste.
Sie hat ein gutes Gespür für die eindimensionale Entwickllung unserer Gesellschaft, die bald nicht mehr als solche bezeichnet werden kann. Denn der Grundkonsens, den Menschen innerhalb einer Gesellschaft brauchen, wird nicht durch Geld begründet, sondern durch Werte und Normen. Daran geht der Kapitalismus in seiner Oberflächlichkeit vorbei und hinterläßt an Werten verarmte Menschen.
Dabei ist Geld grundsätzlich nicht mehr als ein Hilfsmittel. Erst durch die Entartung des Kapitalismus hat das Geld einen alles überschattenden Stellenwert bekommen, der die sozio-emotionale Lebensqualität der meisten Menschen in unserer Gesellschaft mindert.
Die 12 Thesen sind eine sachliche und deutliche Mahnung. Sie sind ein Aufruf wieder Vernunft anzunehmen und sich daran zu erinnern, dass die Wirtschaft für die Menschen da ist und nicht umgekehrt.
Trotz der knappen Ausführungen ist das Buch sehr verständlich geschrieben. Marion Gräfin Dönhoff formuliert nicht nur das gegenwärtige Unbehagen im Kapitalismus, sondern spricht folgerichtig zukünftige Gefahren an - das Leben im Ultrakapitalismus wird noch kälter und erbarmungsloser. Und die Kurzformel für diesen Lebenstil heißt: Jeder gegen jeden!
Es ist ein "Büchlein", welches keine bestimmte Zielgruppe im Auge hat. Leser, die nicht blind durch das Leben gehen, werden hier sehr klare Aussagen finden, so dass sie ihre eigenen Empfindungen und Gedanken bestätigt finden.
Diese kleine Buch mit seinen grundlegenden Gedanken sollte zur Pflichtlektüre aller Manager gehören, die Gewinne nur dadurch schaffen, weil sie ohne jede soziale Verantwortung Arbeitsplätze vernichten und z.B. Familien an den Rand des Ruins bringen.
Urteil: Sehr lesenswert!