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Zivilgesellschaftliche Einflüsse auf die Orange Revolution: Die gewaltlose Massenbewegung und die ukrainische Wahlkrise 2004
 
 
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Zivilgesellschaftliche Einflüsse auf die Orange Revolution: Die gewaltlose Massenbewegung und die ukrainische Wahlkrise 2004 [Taschenbuch]

Florian Strasser , Egbert Jahn , Andreas Umland
5.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (3 Kundenrezensionen)
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Pressestimmen

Diese umsichtige und materialreiche Arbeit, geschrieben im Jahr 2005, kommt zu dem Schluss, die Orange Revolution habe noch keinen Regimewechsel erreicht, es handele sich im Wesentlichen um einen Machtwechsel, der allerdings einen Wechsel des Regimes verspreche und zum Ziel habe (S. 156–162). Aus dem Abstand von fünf Jahren lässt sich diese Einschätzung in vielem bestätigen, wenn auch schärfer fassen.

Diese knappe Arbeit bietet mehr, als der Titel erwarten lässt. Neben der Zivilgesellschaft, die eine ganz unerwartete Massenmobilisierung zustande brachte, die zu Recht mit der Mobilisierung in der DDR 1989 verglichen wird, stehen Probleme der politischen Institutionen, der bewaffneten Kräfte und der Eliten im Mittelpunkt.

Im Zentrum des Buches steht die Untersuchung des Zusammenspiels von „spontaner Assoziierung und systematischer Organisierung“ (S. 94) der Demonstrationen auf dem Majdan nezaleznosti in Kiew. Voraussetzung für den Erfolg war die Aufdeckung und rasche Veröffentlichung der systematischen Wahlfälschungen des zweiten Wahlganges der Präsidentenwahl vom 21. November 2004. NGOs hatten seit Jahren Wahlbeobachtung und Exit-Poll-Befragungen trainiert. Dabei spielten finanzielle und organisatorische Unterstützung aus dem Westen, aber auch die Vorbilder serbischer und georgischer NGOs eine Rolle. Dennoch – so argumentiert der Autor überzeugend – kann von einer Außensteuerung der Orangen Revolution keine Rede sein. „Die Realität war zu komplex, als dass sie beliebig geformt werden konnte“ (S. 167). Das gilt insbesondere für den überraschend schnellen Wechsel von Teilen des Staatsapparates und der verschiedenen bewaffneten Organe auf die Seite der Opposition.

Zu den Schwächen der Arbeit gehört, dass sie eine zu geringe zeitliche und räumliche Tiefenschärfe hat. Die postkommunistischen Prozesse – und dazu gehört auch die Orange Revolution – erschließen sich erst vor dem sowjetischen Hintergrund. Ebenso fehlen vergleichende Perspektiven mit Ostmitteleuropa oder Russland, durch die spezifische Entwicklungen in der Ukraine erst ihre Relevanz gewinnen.

Dennoch ist eine vielseitige Arbeit entstanden, die zentrale Voraussetzungen der Orangen Revolution erörtert, obwohl der Autor im Wesentlichen nur deutsche und englischsprachige Quellen und Literatur ausgewertet hat. Diese Arbeit wurde möglich auf der Basis des vielleicht größten Erfolgs der Orangen Revolution: Nie zuvor waren auf dem Territorium der ehemaligen Sowjetunion politische und gesellschaftliche Vorgänge in einer solchen Weise öffentlich und den Zeitgenossen allgemein zugänglich wie in der Ukraine seit 2004. --Jahrbücher für Geschichte Osteuropas 58 (2010)

Zeitschrift für Politikwissenschaft, Heft 4/2006

Das Phänomen des erfolgreichen ukrainischen Massenprotests gegen Wahlfälschung und für einen Machtwechsel steht im Vordergrund dieser aktuellen politischen Analyse. Auf der Basis von qualifizierten Interviews mit Akteuren der Proteste und ukrainischen Experten versucht Strasser ein differenziertes Bild der Ereignisse, die zum Machtwechsel im Winter 2004 führten, zu zeichnen. Dabei zeigt er die demokratisch defizitären Strukturen des Ancien Regime auf und setzt diese in Bezug zur postkommunistischen Vorgeschichte. Die detaillierte Schilderung der Ereignisse erfolgt vor allem unter der Fragestellung nach dem Verhältnis von Spontaneität und Organisation der Massenbewegung sowie nach den Bedingungen für das Vermeiden von Gewalt. In diesem Zusammenhang wird aber auch relativiert, dass genaue Kenntnisse über die inneren Vorgänge des Regierungs- und Gewaltapparates gerade in Bezug auf den Gewaltverzicht bis heute beschränkt sind. Des Weiteren wird in dem Beitrag deutlich, dass die gewaltlose Massenbewegung nicht direkt den Machtwechsel erzwang, sondern die letztendliche institutionelle Form des Machtwechsels förderte, die in zähen Verhandlungen gefunden wurde. Die Orangene Revolution könne nicht nur im Kontext der Massenbewegung auf den Straßen von Kiew analysiert werden, sondern müsse im Zusammenhang mit der seit 2000 andauernden Legitimationskrise gedeutet werden. Im letzten Teil widmet sich Strasser vor allem den unterschiedlichen Theorien über die Finanzierungsquellen und die Rolle der internationalen Akteure, die in der Vergangenheit immer wieder im Fokus populistischer ukrainischer Politik standen. Dabei resümiert er, dass die westliche Demokratieförderung im Wesentlichen die technischen und personellen Strukturen schaffte, um die Bedingungen für faire und freie Wahlen herzustellen, eine direkte Einflussnahme aber unrealistisch erscheine.

Anja Franke, M.A. (Christian-Albrechts-Universität zu Kiel)


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Die hilfreichsten Kundenrezensionen
6 von 15 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Sachliche Kritik 30. Oktober 2007
Von Pjotr
Format:Taschenbuch
Schade, dass dieses Buch so unsachlich rezensiert wird. Es ist einfach falsch, zu behaupten, es sei eines der am schwierigsten zu lesenden Bücher für Studenten. Davon kann sich jeder selbst überzeugen: oben auf Search Inside ("Hier reinlesen und suchen") gehen. Sich zu beschweren, unwichtige Namen würden genannt ist auch unzutreffend. Der Autor hat aufgrund der vielen Akteure ein ausführliches Personenregister ans Ende des Buches gestellt! Das sollte man eigentlich wissen, wenn man das Buch gelesen hat. Wie von anderen bereits vorgeschlagen: Bitte die Inhalte des Buches bewerten und nicht den Autor oder die politische Meinung anderer Leser.
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14 von 40 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Exzellente Analyse 4. September 2007
Format:Taschenbuch
Bei dem Werk handelt es sich um eine ausgewogene Untersuchung der Motive und Kräfte auf beiden Seiten der ukrainischen Präsidentschaftswahlen von 2004. Dieses Urteil gilt auch heute noch, da Strasser zutreffend die Verwerfungen im Oppositionslager und die autoritären Tendenzen der neuen Machthaber um Präsident Wiktor Juschtschenko skizziert.
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13 von 39 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Format:Taschenbuch
Ich habe das Buch gekauft, da ich jetzt vor den Parlamentswahlen Hintergrundwissen zu den Politikern und Parteien gesucht habe. Kurz gesagt: Ich habe es mit großem Gewinn gelesen! Anfangs war ich skeptisch, weil es vor über einem Jahr veröffentlicht wurde. Es wurde aber für mich durch die sehr informative Schilderung der ja bis heute gleich gebliebenen Akteure sehr verständlich, wie verworren die politische Szene in der Ukraine ist. Das umfassende Personenregister war herfür auch sehr nützlich.
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