Und wieder hat Gina Mayer ein Buch geschrieben, dessen Inhalt und zeitgeschichtlicher Hintergrund mir lange im Gedächtnis bleiben werden.Gina Mayers Bücher sind tiefgründig und doch mit leichter Feder geschrieben, sodass sie ein Genuss für ihre Leser darstellen.
Zitronen im Mondschein macht da keine Ausnahme. Eingebetet in die zeitgeschichtlichen Schilderungen der Anfänge des 20. Jahrhunderts in Berlin und Düsseldorf wird uns nicht nur ein schillerndes Bild der damaligen Kunstszene und ihres leichten Lebenswandels präsentiert, die Autorin nimmt diese Schilderung als Rahmenhandlung für eine Mutter-Tochtergeschichte, die immer wieder gestört wird durch falsche Entscheidungen zu falschen Zeit.
Maria verläßt ihr Elternhaus früh, da sie nicht das Schicksal ihrer Mutter erleiden will, die von ihrem Ehemann geprügelt wird.Sie schließt sich einem Wanderzirkus an und erlernt das Handwerk einer Wahrsagerin, das allerdings wenig mit Übersinnlichem zu tun hat, wie sie feststellen muss. Als sie Ludwig Wunder kennenlernt, der kurzzeitig zur Zirkusbesatzung gehört,verliebt sie sich in ihn,in die wahre Liebe ihres Lebens.Nach einer Weissagung, die ihr prophezeit Ludwig, den Tod zu bringen, verläßt sie ihn und stellt erst später fest, dass sie ein Kind von ihm erwartet.Ludwig zieht als Freiwilliger in den 1. Weltkrieg und Maria fällt es immer schwerer ihre Tochter durchzubringen. Um wenigstens ihr ein einigermaßen sicheres Leben zu bieten, gibt sie Mira in ein Waisenhaus, in dem sicheren Glauben, sie dort gut untergebracht zu haben. Doch diese Trennung , die nicht immer gewollt war, beeinflusst die Mutter-Tochterbeziehung nachhaltig. Nie wird über die Gründe gesprochen, warum Maria Mira weggab und wer ihr Vater ist und warum er ging. Als Mira erwachsen ist, ist eine Fremdheit zwischen den beiden Frauen gewachsen, die nicht zu überwinden ist.
Gina Mayers Roman läßt den Leser Einblick haben, in die Schwierigkeiten der damaligen Zeit,denn Miras Schicksal war sicher kein Einzelschicksal.Zerrissenheit und Orientierungslosigkeit und große Arbeitslosigkeit kennzeichnen diese Epoche, die nach einem verloren Krieg und den daraus resultierenden Konsequenzen entstanden.
Kunstrichtungen wie der Dadaismus oder Kubismus und die aufkommenden anarchischen Lebensformen sind sinnbildlich für die Anfänge des neuen Jahrhunderts, bzw. die 20iger Jahre.Bis hin zu den Anfängen der NSDAP spinnt die Autorin ihren zeitgeschichlichen Bogen,der mehr als lesenswert ist. Schade nur, dass diese Autorin sowenig Aufmerksamkeit erfährt, dabei sind ihre Bücher allesamt sehr empfehlenswert.