Warum Zitatesammlungen im Internet und in Printform so beliebt sind, hat verschiedene Gründe. Einer davon ist, dass sich eigenes Verhalten auch vorzüglich mit Worten anderer legitimeren lässt. Und werden sie sogar von Prominenten unterschrieben, hängt ihnen schon beinahe das Etikett "Wahrheit" an. Kommt hinzu, dass es nicht jedermanns Sache ist, sich kurz zu fassen und dennoch Gehaltvolles zu sagen.
Um Strategie, Leadership, Veränderungsprozesse, Persönlichkeit und Charakter geht es auch bei der beruflichen Tätigkeit von Hans H. Hinterhuber, dessen Unternehmen weltweit Beratungsleistungen verkauft. Daher hat er seine Zitatensammlung nach Stichworten geordnet, die sich seinen Arbeitsfeldern zuordnen lassen. Und zu den übergeordneten Begriffen gibt er eingangs auch seine Glaubensbekenntnisse bekannt. Von den fünf Faktoren, die zu achtzig Prozent für den Unternehmenserfolg verantwortlich sind, hält er Leadership für die wichtigste. Doch exzellente Führung steht für Hinterhuber eben auch für Klarheit in der strategischen Ausrichtung, Vorwegnahme und Gestaltung von Veränderungen, Entwicklung der Mitarbeiter und Erzielung von überdurchschnittlichen, nachhaltigen Ergebnissen. Dieser Einschätzung werden wohl wenige widersprechen. Bleibt also nur noch die Frage, wie dies zu erreichen ist. Und um zu passenden Antworten zu gelangen, sollen eben auch seiner gesammelten Zitate dienen.
Der leitende Gedanke dieser Sammlung ist: Ausschließlich Zitate, Redensarten und Einsichten vorzustellen, die Anregungen geben, etwas zu bewirken, etwas zu unternehmen, etwas zum Besseren zu verändern. Doch den Schwachpunkt dieses Ansatzes fasst ein russisches Sprichwort zusammen, das an prominenter Stelle im Vorwort steht und lautet: "Ein Sprichwort hilft bei jedem Ding." Oder anders formuliert, für jedes Verhalten und jedes Glaubensmodell findet sich ein passendes Zitat.
So erstaunt es nicht, dass sich die minuziös Planenden in diesem Buch ebenso finden wie die kreativen Chaoten. Die Vernunft muss sich den Platz auf dem Siegerpodest mit den Emotionen teilen und der Charakter weiß nicht, ob er nun genetisch oder durch das soziale Umfeld bestimmt ist. Manchmal sind Visionen gut, dann wieder Hindernisse. Um das Glück soll man kämpfen, es aber auch mit Gelassenheit kommen lassen. Ziele müssen wir klar benennen, übertreffen, je nach Situation ändern oder vergessen, wenn es unwürdige Methoden rechtfertigt. Und wen das alles allzu sehr verwirrt, findet bei Plautus Hilfe, der schon vor Christi Geburt sagte: "Viel öfter kommt, was unverhofft, als was man hofft."
Da ein Quellenverzeichnis fehlt, weiß ich auch nicht, woher einzelne unbeholfene Übersetzungen stammen. Beispiel: "A banker is a fellow who lends you his umbrella when the sun is shining and wants it back the minute it begins to rain" klingt im Deutschen dann so: "Ein Banker ist der, der dir den Schirm leiht, wenn die Sonne scheint, und ihn zurückhaben will, wenn es zu regnen beginnt." Das Zitat ist übrigens mit grosser Wahrscheinlichkeit nicht von Mark Twain. Ob Hans H. Hinterhuber unterschwellig die Botschaft vermitteln wollte, prominente Zeitgenossen hätten zu seinen Themen wenig Geistreiches zu sagen, weiss ich nicht. Aber Faktum ist, dass die meisten der aufgenommenen Zitate von Personen stammen, die schon seit einiger Zeit verstorben sind. Sicher mit ein Grund, warum der Leser auf viele Sätze stösst, die ihm bereits bekannt sein dürften.
Mein Fazit: Der Beraterzunft wird oft vorgeworfen, sie würde sich um konkrete Aussagen drücken, um bei Misserfolg nicht haftbar zu sein. Und auch Lebensratgeber halten sich lieber in Zwischenreichen auf, als klar Stellung zu beziehen. Da Hans H. Hinterhuber bereits über 400 wissenschaftliche Arbeiten und über 40 Bücher in den Bereichen strategisches Management, Führungsverhalten und Innovationsmanagement verfasst und auf eine reiche Beratertätigkeit zurückblicken kann, hätte ich mir gerade von ihm eine Zitatensammlung gewünscht, die nicht jede Strategie und Lebenseinstellung legitimiert.