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Dennoch: Als ich das Buch am Ende zuklappte, war ich nur noch enttäuscht und sogar wütend. Jedenfalls so durch den Wind, dass ich de Winter erstmal von meiner künftigen Leseliste streichen werde. Der Grund: das Buch hat einen zweiten Teil. Und dieser weicht - weniger in seiner Qualität, so aber von seiner Geschichte und der Personenentwicklung her - so unheimlich deutlich vom ersten Teil ab, dass selbst geübte, aufgeschlossene Leser sich nur wenig bis gar nicht damit identifizieren oder gar anfreunden können. "Zionoco" hätte dieses Ende nicht verdient.
Es gibt eine wunderbare Passage in diesem Roman, in dem der Protagonist - der New Yorker Rabbi Sol Mayer - endlich mit der jungen Frau zusammenkommt, die er zu Beginn des Romans kennenlernt und in die er sich leidenschaftlich, obschon etwas schuljungenhaft verliebt hat. Diese Passage markiert gleichsam ein Omega - um in der in diesem Buch oftmals bemühten religiösen Terminologie zu sprechen - des Romans, der auf der ersten Seite in der ersten Begegnung Sols mit dieser Frau sein Alpha hatte. Jemand sagte in diesem Forum, man solle den Roman nach dem ersten Teil weglegen. Jene Passage beendet das vorletzte Kapitel des ersten Teils, ziemlich genau nach drei Vierteln des Buches. Man sollte den Roman danach wirklich zur Seite legen, um sich den Zauber von "Zionoco" zu bewahren.
Sol Mayer, Rabbiner der größten Synagoge in New York besitzt ungefähr acht goldene Kreditkarten. Dieser Reichtum schenkt ihm aber keine Zufriedenheit. Anstatt sich seines privilegierten Lebens zu erfreuen, gerät der Rabbi von einer Schwierigkeit in die andere.
So versucht Sol die Ehe seines Schwagers zu retten, was gründlich daneben geht. Diese Episode gehört zu den komischen Passagen des Romans.
Wirklich traurig ist die Geschichte des kleinen Joel, der mit elf Jahren an Krebs stirbt. Anrührend ist auch teilweise die Vergangenheit des Rabbis, der fünfzehn war als seine Mutter starb. Seit diesem Zeitpunkt hatte Sol zu seinem Vater ein gestörtes Verhältnis. Er leidet darunter, daß sein Vater in Surinam in einem Fluß ertrank, bevor die beiden ihre Beziehung verbessern konnten.
Dazu kommt, daß Rabbi Sol Ärger mit der chassidischen Gemeinde hat und daß seine Ehe ebenfalls unglücklich ist. Er sucht Trost bei einer Aushilfssängerin, die ihren Lebensunterhalt als Kellnerin verdient, obwohl sie Astrophysikerin ist. Die Episode in der sich die beiden über Gott und das Weltall unterhalten hat mich ausgesprochen gelangweilt. Allen, denen es ebenso geht, sei gesagt, daß der Roman danach wieder unterhaltsamer wird. Pech für Rabbi Mayer, daß es zwischen ihm und der Kellnerin nicht bei weltanschaulichen Gesprächen bleibt. Diese Affäre ist der Auslöser dafür, daß sich der New Yorker Star-Rabbiner -wie einst sein Vater- in Surinam wiederfindet.
Mir gefällt das Buch, weil es eine unterhaltsame Mischung aus absurden, komischen, traurigen und ernsten Momenten bietet und es eine mit einem Augenzwinkern geschriebene Hommage an das Leben ist.
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