Selig sind die, die nie aufgeben. Selig ist Jan Plewka, der nach erfolgreichen Jahren mit seiner wunderbaren Band - eben "Selig" - im Jahr 2002 sein Solo-Album rausbrachte und trotz unverdienter Erfolglosigkeit des selben nun mit neuem Projekt zurück kommt. Und wie!
Zinobanennen sich Jan Plewka (Gesang), Stephan Eggert (Schlagzeug) und Marco Schmedtje (Gitarre). Zinoba nennen sie auch ihr Debüt-Album, das die drei Hamburger mit zusätzlichen Musikern an Bass, Percussion, Streicher und Keyboards eingespielt haben.
Am 1. März 2004 kam das Digipak mit schönem, schlichtem Booklet (Songtexte & Fotos) auf den Markt, die erste Single erschien "Hinterm Licht" und der Nachfolger ist "Im Grunde" ein Hit.
60 kurzweilige Minuten lang rocken 11 Tracks in handgemachter Perfektion und beweisen die Größe eines der besten Singer / Songwriter, den Deutschland hat. Plewka schreibt Texte, aus denen sich schier unerschöpflich und für alle Lebenslagen zitieren lässt. Texte, die nachdenklich, emotional und poetisch sind, aber nie betroffen, gekünstelt oder gar kitschig klingen. Und dann diese Stimme ... zum niederknien. Sein wohltemperiertes Timbre mit lässiger Sandigkeit und höchster Ausdruckskraft macht selbst schwächere Songs zu etwas ganz Besonderem.
Das Album beginnt gleich mit einem der stärksten Titel, denn "Seid Was Ihr Scheint" ist ein druckvoller, melodischer Rocker mit philosophischem Tiefgang. Während "Ein Tag" musikalisch an Chris Isaac erinnert, lauert "Am Rand Der Zeit" ein ohrwurmiger, lyrischer Hymnen-Refrain: "Hier am Rand der Zeit wünsch ich Dir, dass Du merkwürdig bleibst." Die Rockballade "Der Hype" ist schön, aber textlich etwas zu repetitiv, im Gegensatz zum Brüderchen "Wenn Liebe Käme", der auch musikalisch mit herrlich psychedelischem Gitarrenspiel überzeugt.
Die Berechtigung der beiden bisherigen Single-Auskopplungen bleibt im Kontext des Albums bestehen, da sie auch hier positiv rausleuchten: "Hinterm Licht" fragt - musikalisch rockend, gekonnt schleppend und von Streichern gestreichelt - "warum sagt Du ja, wenn Du nein meinst", während "Im Grunde" die Antwort suggeriert und nur mit Gitarre, Bass und Schlagzeug einen sublimen Sound zaubert, der im angenehmsten Sinne altmodisch ist.
Natürlich gehören auf ein Rock-Album auch richtige Kracher zum Mitgrölen, die man hier in "Du Kannst Tun Was Du Willst" und dem treibenden "Ausweg Ohne Ziel" findet.
Und wenn am Ende - "Schein Schein" - von fern ein ausrangierter Stern leuchtet, fällt einem möglicherweise auf, dass Plewka in seinen Songs an den seligen Rio Reiser erinnert. Ein würdiger Erbe, ein guter Mann.
Zinoba liefern mit ihrem Erstling ein großartiges, geschmeidiges Album ab, das mit jedem Hördurchgang wächst. Es tut einfach gut, lässt einen nicht mehr los, erweitert das Bewusstsein und - man müsste fast vor warnen - es macht süchtig. Ist es wichtig? JA!