Dieser Klassiker von E. M. Forster fordert den Leser dazu auf, der Stimme des Herzens zu folgen und den Mut zu haben, sich über Konventionen hinwegzusetzen, die der Menschlichkeit und dem Gefühl widersprechen.
Im ersten Teil seines Romans fährt der Leser in Gedanken mit nach Florenz, ein beliebtes Ziel gebildeter oder neugieriger, englischer Touristen Anfang des 20. Jahrhunderts.
Lucy ist zunächst von der Pension, die sie mit ihrer Cousine Charlotte Bartlett gemietet hat, sehr enttäuscht. Wenn man das erste Mal in Florenz ist, sollte man doch eine gute Aussicht haben. Und ihr Zimmer entspricht so gar nicht ihren Vorstellungen. Dies diskutieren die Damen im Speisesaal und wecken damit das Interesse der Herren Emerson. Der alte Emerson ist mit seinem Sohn in Zimmern mit einer schönen Aussicht untergebracht. Spontan bietet der alte Herr den Damen an, die Zimmer zu tauschen (Frauen haben gerne eine schöne Aussicht, Männer nicht.). Die altjüngferliche Cousine hat zunächst Bedenken ein solches Angebot anzunehmen, aber wird zum Glück von dem ebenfalls anwesenden Mr. Beebe, der neue Vikar der Heimatgemeinde von Lucy überredet. So bleiben die Damen in der Pension Bertolini und unternehmen schließlich gemeinsam mit den anderen Pensionsgästen einen Ausflug ins Grüne. Hier kommt es zum ersten romantischen Zusammentreffen zwischen George und Lucy, aber sie werden je durch das Auftauchen von Charlotte gestört. Und die empörte Cousine ist auch sofort entschlossen, der aufkeimenden Romanze ein Ende zu machen und reist mit ihrer jungen Schutzbefohlenen ab.
Der zweite Teil des Romans spielt sich im idyllischen Süden Englands ab, wo Lucy zu Hause ist. Durch einen Zufall bekommt die Familie Honeychurch neue Nachbarn: Mr. Emerson und sein Sohn George! Der junge Mann ist noch immer fest entschlossen, Lucy zu überzeugen, dass sie füreinander geschaffen sind. Doch Lucy ist nun bereits mit einem anderen verlobt. Der Verlobte ist ein schrecklich verklemmter und versnobter Kerl. Soll der etwa die temperamentvolle Beethoven spielende Lucy für immer glücklich machen?
Forster lässt uns durch die Augen der jungen und unbedarften Lucy die damalige Gesellschaft in all ihrer Eigenartigkeit und den festgefahrenen Strukturen erkennen. Die junge Dame glaubt sich fast in ihrer Heimat zu befinden, als sie sich die ersten Stunden in der italienischen Pension befindet. Wie immer gibt es da "passende" und "unpassende" Leute. Die passenden Leute entsprechen dem gewünschten Status und geben durch ihr Verhalten zu erkennen, dass sie zu einem gewissen gesellschaftlichen Kreis gehören. Aber Lucy beschleicht immer öfter das Gefühl, dass dieses Gehabe überflüssig und ungesund ist. Dabei überschreitet sie unwissend eine unsichtbare Grenze, die Forster mit dem Begriff der Mittelalterlichkeit beschreibt. Gerade darin liegt nach Auffassung des Autors die Befreiung: die Reste der veralteten Normen abzustreifen und die Freiheit von Mann und Frau wieder zu entdecken. Auch wenn der alte Emerson ziemlich kauzig und ungeschickt erscheint, entspricht er damit dem Vorbereiter des neuen Denkens, der Lucy am Ende auch die richtigen Impulse gibt, damit sie ihr Glück finden kann.
Ein besonderes Augenmerk sollte der Leser auch auf die subtile Symbolik Forsters legen. Raum und Perspektive spielen darin eine große Rolle. Enge, dunkle Zimmer ohne Fenster und ein muffiger Speisesaal stehen im krassen Gegensatz zu der freien Natur mit seinem Veilchenteppich. Genau das gleiche Bild in England: Die Vorhänge bleiben zugezogen um die Möbel zu schonen und lassen den Besucher kaum atmen, draußen dagegen breitet sich die Rasenfläche zu einem weiten grünen, frischen Teppich aus.
Aber manchmal lässt sich auch von Innen ein Fenster öffnen. Das beschreibt dieser Roman sehr eindrucksvoll.