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15 von 16 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
sehenswertes Familiendrama, 25. Oktober 2004
Rezension bezieht sich auf: Das Zimmer meines Sohnes (DVD)
Giovanni (Nanni Moretti) ist als Psychoanalytiker zwar daran gewöhnt, mit Krisen anderer Menschen umzugehen, wird jedoch völlig aus der Bahn geworfen als es ihn selbst trifft - sein Sohn Andrea verunglückt bei einem Tauchunfall und stürzt die bis dato so harmonische Familie in tiefe Trauer. Wie paralysiert versucht jedes Familienmitglied auf eigene Weise mit dem schrecklichen Verlust umzugehen, und die Familie droht dabei zwischenzeitlich völlig den Halt zu verlieren: Der Vater fühlt sich unfähig weiter seiner Arbeit als Therapeut nachzukommen, da ihm die Probleme anderer Leute nichtig vorkommen, die Mutter flüchtet sich in die Vergangenheit, und die Schwester versucht ihre Trauer zu verdrängen. Der Lauf der Zeit beginnt jedoch die Wunden zu heilen und am Ende zeichnet sich ein vorsichtiger und hoffnungsvoller Neubeginn ab. Der Film arbeitet das ernste Thema um Schmerz und Verlust in der Familie mit größtmöglichem Respekt und taktvoller Distanz auf. Nanni Moretti seziert eine italienische Durschnittsfamilie und lässt uns an deren Dynamik teilhaben. Die Kamera fängt die Gefühle der Protagonisten direkt und sehr intim ein, bleibt aber nie länger als notwendig - die Schnittführung vermeidet bewußt übertriebene Dramatik oder Mitleid. Wir begegnen unterschiedlichen Formen der Trauer - von Schuldgefühlen über unerträglichen Schmerz bis hin zur Wut. Die Leistungen aller Darsteller sind hierbei besonders hervorzuheben, es muss ungemein schwierig sein diese Gefühle vor der Kamera so authentisch zu spielen. Das Zimmer meines Sohnes" ist mehrfach ausgezeichnet und sicherlich ein Highlight des italienischen Kinos der letzten Jahre. Er bildet auch im Werk von Nanni Moretti eine Ausnahme, der sonst eher für absurde Komödien und bissige Politsatiren (zuletzt "Il Caimano") bekannt war. Hier zeigt er sich jedoch als feinfühliger und präziser Beobachter des italienischen Familienlebens. Kleine Momente machen diesen Film groß, und wer anspruchsvolle Abwechslung von all dem Blockbuster-Wahnsinn sucht, wird hier nicht enttäuscht.
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8 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Das leichte schwere Leben, 5. August 2004
Rezension bezieht sich auf: Das Zimmer meines Sohnes (DVD)
Ein leiser Film, der unglaublich unter die Haut geht. Moretti ist ein Kunstwerk gelungen, das völlig ohne Effekthascherei auskommt. Leichtigkeit und Schwere, fröhliche Unbeschwertheit und tiefe Traurigkeit, Verlust und Hoffnung - das ist der italienische Streifen "Das Zimmer meines Sohnes". Schön, daß man in Europa immer noch in der Lage ist, derartige Kinofilme zu schaffen.
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Trügerische Sicherheiten, 31. Oktober 2010
Rezension bezieht sich auf: Das Zimmer meines Sohnes (DVD)
Mit Liebes Tagebuch bewies der Italiener Nanni Moretti Mitte der Neunziger bereits nachdrücklich, dass Hollywood-Ästhetik seine Sache nicht ist. Vor allem in Sachen Erzähltempo und Rhythmus weiß sich der Italiener eher dem französischen Kino eines Chabrol oder Truffaut verpflichtet. Auch "La stanza del figlio", der in Cannes 2001 als bester Film prämiert wurde, krankt ein bisschen an diesem fast schon narzisstisch zu nennenden Beharren auf Autorenfilm-Allüren. Die Exposition, in der wir die vorbildlich eingespielte Familie des Psychiaters Giovanni, seiner ebenfalls berufstätigen Frau Paola und der beiden fast erwachsenen Kinder Andrea und Irene kennen lernen, macht fast die Hälfte des Films aus. Zur Lappalie wird nachträglich der Konflikt, den Andrea in der Schule auszustehen hat, weil er mit einem Freund einen Gegenstand aus der Biologie-Sammlung entwendet und versehentlich zerstört hat. Denn wenig später ist Andrea tot - ein tragischer Tauchunfall. Es ist beklemmend zu sehen, wie daraufhin die Sicherheiten dieses trauten Familiendaseins verloren gehen wie ein Paddelboot auf hoher See: Sein Berufsalltag kommt Giovanni plötzlich absurd vor, die Ehe kriselt, die Tochter rastet beim Basketball aus. Minuziös beobachtet Produzent, Regisseur und Hauptdarsteller Nanni Moretti, ohne angesichts der Dreifachbelastung jemals überfordert zu wirken (allerdings wirkt die kurze Nacktszene mit Laura Morante deplatziert), diesen Zerfall, ausgelöst durch die Unbarmherzigkeit und Unkalkulierbarkeit des Todes. Erst als eine von ihm zu Lebzeiten verschwiegene Urlaubsliebe Andreas sich per Brief meldet, lockern sich die wie in Stein gehauenen Verzweiflungsmienen der gequälten Eltern wieder etwas und sie raffen sich auf zum sprichwörtlichen Blick nach vorn. Ein Film, der subtil und mit großer Eindringlichkeit vom Einbruch des Unfassbaren und doch gar nicht so Unwahrscheinlichen in eine ganz normale, gut situierte bürgerliche Familie handelt und auch deutlich macht, dass eine große Leere bleibt, wenn man sich über die Elementarfragen des Daseins nicht beizeiten die nötigen Gedanken gemacht hat. Denn der Schlag, mit dem das Schicksal diese zuvor so glückliche Familie heimsucht, kann seine gewaltige Wucht nur deshalb entfalten, weil alle auf Sicherheiten, auf Selbstverständlichkeiten gebaut und vertraut haben, die es so in keinem Menschenleben gibt. Es ist daher nur folgerichtig, dass Giovanni sich in seinem Beruf, der auf Freud'schem Determinismus und naturwissenschaftlichen Erklärungsmodellen basiert, plötzlich nicht mehr heimisch fühlt. Sie lassen das Individuum in der Zeitlichkeit der eigenen Existenz allein und spenden keinen Trost. Für Freunde von Keine Sorge, mir geht's gut und Zeit der Trauer.
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