Bei dem "Roten Zimmer" handelt es sich um Strindbergs ersten nennenswerten literarischen Erfolg. Der junge Autor lebte zu dieser Zeit (1879) noch in seinem Heimatland Schweden und hatte selbst unter der engstirnigen und dekadenten, im künstlerischen wie geschäftlichen rücksichtslosen Gesellschaft zu leiden. So verwundert es nicht, daß er ihren Vertretern mit aller Bitterkeit den satirischen Zerrspiegel vorhält. Dabei entfaltet sich bereits sein bis zur Grausamkeit eindringliches Talent in der Darstellung von menschlichen Charakteren, daß ihn später zu einem der größten Dramatiker des Naturalismus avancieren lassen wird. Seine glänzende Satire wirkt ebenso erheiternd wie erschreckend. Inhaltlich erzählt das Buch die Geschichte des jungen Assessors Arvid Falck, der voller Idealismus seine sinnlose Beamtenlaufbahn aufgibt, um sein Glück als Journalist und Schriftsteller zu versuchen. In der Folge erlebt er einen Rundgang durch diverse gesellschaftliche und künstlerische Kreise, die ihn Schritt für Schritt desillusionieren, bis er schließlich resigniert. In der gängigen Sekundärliteratur wird das "Rote Zimmer" gerne als "Totalkritik" bezeichnet, was meiner Meinung nach nur bedingt zutrifft. Richtig ist in der Tat, daß in diesem Buch keine positiven Heldenfiguren auftauchen, denen der kritische Erzähler volles Wohlwollen entgegenbringen würde. Trotzdem gibt es für den gründlichen Leser auch Lichtblicke in dem deprimierenden Grau aus Korruption, Heuchelei und gegenseitigem Betrug, das die Kulisse der Handlung bildet.