Zimmer 1408 - die Quersumme ergibt, wie auch die so mancher anderer in diesem Film genannten Zahl, 13. Und 13 ist gar nicht gut ...
Schriftsteller Mike Enslin (John Cusack) ist nach dem Tod seiner kleinen Tochter Katie ein verbitterter Mann geworden, der sich von seiner Frau getrennt hat und nun darauf spezialisiert ist, 08/15-Reiseführer über Orte zu schreiben, an denen es angeblich spukt. Er selbst allerdings glaubt kein bißchen an das Übernatürliche, zumal er mit dem Tode seiner Tochter auch den Glauben an Gott und den Sinn des Lebens verloren hat. Bei der Recherche zu einem neuen Buch checkt sich Enslin im New Yorker Dolphin-Hotel ein, in dessen Zimmer 1408 es seit Bestehen des Etablissements zu mehr als fünfzig mysteriösen Todesfällen gekommen ist. Trotz aller Bemühungen des Hotelmanagers (Samuel L. Jackson) besteht der Schriftsteller hartnäckig darauf, eine Nacht in dem Zimmer zu verbringen, in dem kein Gast länger als eine Stunde überlebt hat. Anfangs noch ganz in seinem zynischen Skeptizismus geborgen, muß Enslin jedoch schon nach wenigen Minuten in dem Hotelzimmer feststellen, daß dieser Raum wirklich von Mächten des Bösen heimgesucht wird - und daß er ihn nicht mehr einfach so verlassen kann.
Der 2007 erschienene Gruselfilm des schwedischen Regisseurs Mikael Hafström basiert auf einer Kurzgeschichte Stephen Kings, der ja schon einmal ein Hotel zum Schauplatz eines Alptraums werden ließ. An Kubricks "The Shining" reicht dieser Film zwar in keiner Weise heran, doch insgesamt kann ich sagen, daß ich "Zimmer 1408" durchaus beklemmend fand.
Es sind die vielen Kleinigkeiten, die - ganz im alten Stile handwerklich solider Gruselklassiker dargestellt - sich nach und nach zu einer Atmosphäre des Schreckens verdichten, wie z.B. Visionen von früheren Gästen, das Auftauchen von Geistern aus Enslins Vergangenheit oder das Zufallen einer Tür und merkwürdige, sich verändernde Bilder an der Wand. Besonders die Verschmelzung verschiedener Realitäten, die zur Unmöglichkeit, den Raum zu verlassen, führt, erschafft ein Gefühl der alptraumhaften Hilflosigkeit im Zuschauer. Allerdings - und damit möchte ich den abgezogenen Stern rechtfertigen - passiert nach den ersten Andeutungen zu rasch zu viel, so daß eher sich ein Gefühl des Stresses denn des wahren Grusels beim Zuschauer einstellt. Grusel aus der Stille, der Bewegungslosigkeit heraus, wie er etwa in den besten Geschichten Maupassants spürbar wird, gibt es in diesem Film nicht, bzw. nur ganz kurz zu Anfang. Oder, um im Filmressort zu bleiben: Das Hotel in "Barton Fink" mit den engen, dunklen Gängen, dem unterirdisch lebenden Pagen und den abblätternden Tapeten fand ich wesentlich gruseliger.
Die bizarre Achterbahnfahrt, auf die uns Hafström schickt, ist indes auch nicht zu verachten, zumal er ohne billige Splattereffekte auskommt, die wir aus "The Hills Have Eyes" kennen und die eher Ekel als Grusel hervorrufen. Auch finde ich es gut, daß wir eigentlich an keiner Stelle des Films erfahren, warum das Zimmer so mies ist, d.h. das Unheimliche wird nicht durch Pseudo-Erklärungen in den Alltag zurückgeholt, sondern bleibt unaufgelöst und damit potentiell nicht verhinderbar im Raum stehen.
Zusammengefaßt: "Zimmer 1408" versucht, die gute alte Tradition des atmosphärischen Gruselfilms wiederaufleben zu lassen, kann aber nicht ganz an die Vorbilder des Genres (siehe etwa meinen Senf zu "Burnt Offerings") heranreichen.