"Sein Geraun das Meer nun runzelt.
Die Oliven werden fahl.
Und die Schattenflöten tönen
mit dem glatten Gong des Schnees."
Es gibt hier bereits eine sehr gute Rezension von Marc Puszicha, die viel von dem vereint (und an historischem Hintergrund noch mehr), was ich zu diesem Buch zu sagen hätte. Ich möchte daher nur noch ein-zwei Sachen ergänzend sagen, ein paar Textbeispiele bieten und bekräftigen, dass auch mich die Schönheit dieser an Metamorphosen erinnernden Dichtungen gebannt hat. Es sind einzigartige Gemälde und Geschichten, voller Furcht, Sehnsucht und Hufgetrappel.
"Grün wie ich dich liebe, grün.
Grüner Wind. Und grüne Zweige.
Barke auf des Meeres Wasser
und das Pferd in hohen Bergen,
An der Balustrade träumt sie,
Schatten gürtet ihre Lende,
grüne Haut und grünes Haar,
Augen ganz aus kaltem Silber.
Grün wie ich dich liebe, grün.
Unter dem Zigeunermonde
sehen sie die Dinge an,
welches sie nicht ansehn kann."
Wider möglichen Irrtümern: Wer erwartet in diesem Band auf klare Balladen zu treffen - nein, klare Balladen sind diese "Romanzen" nicht und sie sind auch keineswegs universell verständlich (oder eindimensional). Sie sind Gemische aus geschilderten Handlungen & Geschichten und aus, diese Realität vergrabenden, Metaphern und Impressionen. Sie haben sozusagen zwei Ebenen und es ist schwer beim Lesen auf einer Ebene zu bleiben, weil einen gerade die zweite, rein sprachliche Ebene einen oft ungeheuer in seinen Bann schlägt. Oft vergisst man dann in der Schönheit der Impression den inhaltlichen Kontext zu lesen, den Hinweis, die Andeutung, den auch in diesen sprachlichen Nuancen treibt Lorca die Erzählung voran. Metapher und Impression, oft sind diese kunstvollen Momente beides in einem.
"Stehen blieben da die Uhren,
und, um nicht verdacht zu wecken,
hat der Cognac in den Flaschen
rasch maskiert sich als November.
Lang gezogne Schreie flogen
auf von allen Wetterfahnen.
Hufe stampfen Brisen nieder,
die von Säbeln sind durchschnitten."
In einer kleinen Sache muss ich auch noch eine Korrektur im Bezug auf meinen Vorrezensenten anbringen: Garcia Lorca wandte sich zwar mit diesen "Romanzen" vom Surrealismus ab und suchte das wirkliche, das eigene Neue zu erreichen, in dem er Tradition und Innovation verband, allerdings hat er schon 1928, in seinen Gedichten aus
Dichter in New York/Poeta en Nueva York wieder surrealistisch geschrieben. Dies nur als Anmerkung.
"Um die neunte Abendstunde
schließt man ein ihn ins Verlies,
währenddes der Himmel glänzt
wie die Kruppe eines Fohlens."
Noch einmal: Es lohnt sich diese Dichtungen zu lesen; ich bin allerdings der Meinung man sollte dies in der (oft beschimpften und, zu unrecht, als Lorca nicht würdig bezeichneten, Fassung von Enrique Beck lesen, so zu finden in der Werkausgabe
Werke in drei Bänden (wo sie vollständig enthalten sind), in
Gedichte und, meiner Ansicht nach, auch in der alten Version
Zigeuner-Romanzen. Ich kann überhaupt Lorcas lyrisches Gesamtwerk sehr empfehlen - von den frühen, sehr schlichten Melancholien und Parzen aus
Dichtung vom Cante Jondo bis zu den New Yorker Gedichten.
"Über den verbrannten Himmeln
zwischen engen Wildbachschluchten
und Gezweig voll Nachtigallen
strahlt ein Ostensorium.
Fenster voller Farbe tanzen!"