"Es gibt runde Menschen und es gibt achteckige Menschen und es gibt Kinder in der Form sagen wir eines Dreiecks, warum auch nicht, und es gibt Zickzackkinder", weiß Gabi, die Freundin von Nonos Vater. Der fast 13-jährige Nono, in kein gängiges Schema passend, ist ein solches Zickzackkind. Eifriger Bewunderer seines Vaters, eines Kommissars, einerseits, hat Nono, der davon träumt, später einmal mit dem Vater - natürlich erfolgreich - Verbrecher zu jagen, schon als Junge allerhand Tricks und Kniffe aus der Polizistentrickkiste parat. Andererseits ist er das Kind, das man seinem eigenen Sohn wohl nicht als Freund wünscht, weil er so einiges anstellt. Beim ersten Stierkampf auf israelischem Boden verwandelt er zum Beispiel Nachbars zahme Kuh mittels Angriff mit einem Schraubenzieher in ein rasendes Vieh.
Dass Gesetzestreue auf der einen und die ständigen Grenzüberschreitungen auf der anderen Seite etwas sind, was ihm seine Eltern, der Vater und die ihm unbekannte Mutter, mitgegeben haben, erfährt Nono im Lauf einer Reise, auf die ihn Gabi und der Vater kurz vor seiner Bar-Mitzwa schicken. Im Zug trifft er nämlich seinen ihn unbekannten Großvater, den Ganoven Felix Glick, der ihn während einer zweitägigen Reise von Sohara, der bisher unbekannten Mutter und der unmöglichen Liebe zwischen den Eltern erzählt.
Zickzackkind ist eine rührende Geschichte, die davon handelt, wie wichtig es ist, die eigenen Wurzeln kennenlernen zu dürfen. Ich konnte das Buch zwischenzeitlich kaum aus der Hand legen, schließlich hing von meiner Lesegeschwindigkeit ab, wie schnell Felix und Nono ans Ziel ihrer Reise gelangten.
Statt fünf gibt es trotzdem nur vier Sterne. Streckenweise ist die Geschichte schon etwas langatmig. Lieg es daran, dass Grossman an einigen Stellen sehr dick aufgetragen hat? Schön zu lesen, wie Nono von Felix aus einem Zug entführt wird. Aber musste das Auto, in das er anschließend umstieg gleich ein Bugatti sein? Musste die schließlich auch noch auftauchende Großmutter wirklich eine bekannte Künstlerin sein? Bleibt noch Gabi: Sie hat Grossman liebevoll gezeichnet und ihr eine großartige und wichtige Rolle für Nono zugedacht, die sich erst nach und nach vor dem Leser entwickelt. Eine tolle Leistung, eine tolle Figur.