Das Buch"Zeugnis vom Untergang Königsbergs" erschüttert wie kein anderer Bericht zum gleichen Thema.Man muß vielleicht wie Michael Musiker sein, um so feinfühlend über so schauerliche Ereignisse der Zeit vor, während und nach dem 2. Weltkrieg in Ostpreußens Hauptstadt Königsberg schreiben zu können. Michael Wieck erlebte seine Kindheit und Jugendzeit unter Hitler, gezeichnet mit dem gelben Judenstern auf der Kleidung, entging knapp der "Ausmerzung", um dann 1945 unter Stalins Roter Armee bis 1948 die gleiche Not und großen Entbehrungen durchmachen zu müssen wie der Rest der Königsberger, denen es nicht gelungen war, vorher zu entkommen. Welch ein wahnsinniges Schicksal! Wir restlichen 130 000 Könisberger hatten es vielleicht verdient, durch Mord, Hunger und Krankheit innerhalb von drei Jahren auf etwa 20% dieser Zahl reduziert zu werden, wir hatten es ja nicht geschafft Hitler loszuwerden(obwohl meiner Meinung nach niemand so ein grausames Leben und Sterben "verdient").Aber dieser Junge mußte nach allen Drangsalen der Hitlerzeit nach der "Befreiung" auch wieder täglich um das nackte Überleben kämpfen! Wieck schildert diese 15 harten Lebensjahre in vielen Einzelheiten mit erstaunlicher Einsicht in die Psychen seiner Zeitgenossen. Es ist nicht nur ein Wunder, daß er überlebte, sondern auch noch sah, wie um ihn herum z.B. Frauen und Mädchen gequält und gepeinigt wurden, wie sein geliebtes Königsberg zerstört wurde. Er berichtet mit großem Einfühlungsvermögen und vergißt auch nicht, das Gute im Menschen zu sehen. Ein überaus lesenswertes Buch, das wahre Ereignisse auf spannende Weise erzählt. Selbst hartgesottene Leser werden einige Tränen über soviel erlebtes Leid vergießen müssen.
Hannelore Moeller (eine Leserin, die bis 1948 in Königsberg lebte)