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Zunächst zum Buch "Zettels Traum": Der Roman erschien erstmals 1970 als Faksimile des Originaltyposkripts im DIN A3-Format. Die Seiten des Buches sind durchgängig dreispaltig angelegt. Die Romanhandlung der Mittelspalte erzählt den eintägigen Besuch eines Übersetzerehepaares mit Tochter beim Ich-Erzähler, Daniel Pagenstecher. Im Zentrum ihrer Unterhaltung steht das Werk Edgar Allen Poes. Die linke Spalte befasst sich mit Poe und seinem Werk; sie enthält englische Poe-Zitate, Deutungen u.ä. Die rechte Spalte beschäftigt sich mit Ideen, Träumen und Gedankenspielen der unterschiedlichen Personen. Der Text ist insgesamt gespickt mit mal mehr, mal weniger versteckten Zitaten von unterschiedlichen Autoren, deren Entschlüsselung seit Jahren akribisch von der Fan-Gemeinde betrieben wird.
Nun zum Hörbuch selber: Die Herausgeber und Sprecher haben für die Lesung Textpassagen ausgewählt, die auch unabhängig vom Gesamtkontext verständlich sind und insofern nicht die Lektüre der 1330 Seiten voraussetzen. Joachim Kersten, Bernd Rauschenbach und Jan Philipp Reemtsma sind allesamt Schmidt-Experten und überzeugen in ihrer Rolle als Sprecher vollkommen. Mit Hilfe einer behutsamen Mischtechnik schaffen sie es, das Nebeneinander und Übereinander der drei Textspalten für den Hörer verständlich zu machen. Dem Hörer erschließt sich so die Polyphonie des Textes, die dem Leser verschlossen bleiben muss. In seiner akustischen Anlage erinnert die Lesung stark an die drei als Radiodokumentationen konzipierten "oral tone poems" der "Solitude Triology" von Glenn Gould, in der ebenfalls mehrere Sprecher polyphon angeordnet sind. Die Lesung von "Zettels Traum" ist ein subtiles verbales Terzett, das den Hörbuch-Fan wie den Schmidt-Enthusiasten gleichermaßen begeistern wird. Es ist geeignet, sowohl den in Bezug auf Schmidts Literatur unbedarften Hörspiel-Fan für das Werk Arno Schmidts zu interessieren, als auch beim Schmidt-Leser weitergehende Hörbuch-Lust zu erwecken.
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