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Zettels Traum
 
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Zettels Traum [Gebundene Ausgabe]

Arno Schmidt
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Produktinformation

  • Gebundene Ausgabe
  • Verlag: Fischer (S.), Frankfurt (1992)
  • ISBN-10: 3100706072
  • ISBN-13: 978-3100706072
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 4.8 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (4 Kundenrezensionen)
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Arno Schmidt
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Produktbeschreibungen

Buch der 1000 Bücher

Copyright: Aus Das Buch der 1000 Bücher (Harenberg Verlag)

Zettels Traum
OA 1970 Form Roman Epoche Moderne
Zettels Traum gilt als eins der schwierigsten literarischen Werke in deutscher Sprache. Arno Schmidt summiert darin seine Erfahrungen mit und in Literatur, seine Geschichtsphilosophie, Kulturkritik und Sprachtheorie.
Inhalt: An einem Sommertag des Jahres 1968 diskutiert Daniel (»Dän«) Pagenstecher, Schriftsteller, Übersetzer und Privatgelehrter, mit dem befreundeten Ehepaar Jacobi dessen Übersetzung von Edgar Allan R Poe. Die Jacobis sind dazu in Däns Haus in der Lüneburger Heide gekommen; ihre 16-jährige Tochter Franziska haben sie mitgebracht. Es entspinnen sich Gespräche über Poe, Sigmund R Freud, Däns Theorie der »Etyme« (sublimierte und sublimierende Wortmodel, die sexuelle Konnotationen gleichzeitig erzwingen und verdrängen, wie im Englischen etwa »pen«, Füller, für »Penis«), Psychoanalyse, Geschehnisse im nahen Dörfchen Ödingen etc. Eine Romanze mit Franziska, die um ihn wirbt, wird vom alternden Dän erwogen, dann aber entzieht er sich ihr; seine offen ausgesprochene Bedingung an ihre Eltern ist, Franziska Abitur und Studium zu ermöglichen.
Aufbau: Der komplexe Aufbau des Werks, der sich auch in seiner äußeren Form widerspiegelt, überforderte bei Erscheinen die zeitgenössische Setztechnik; nur eine fotomechanische Reproduktion des 1330 Seiten starken Typoskripts im Format DIN A3 war möglich.
Schmidt teilt die Seiten in drei Spalten auf, jeweils für Handlung, begleitende Zitate aus der Literatur und einen wortverspielten Kommentar, der dem Ich-Erzähler Pagenstecher zugeordnet werden kann. Die Verwobenheit dieser Stränge ist wesentlich für die Handlung, in der die gerade besprochene oder assoziierte Literatur die Personen steuert, ihnen Lebensentwürfe ebenso wie kleine Gesten vorschlägt oder aufzwingt, in der aber auch die Analyse von Poes Werk getragen und gelegentlich sabotiert wird von den eigenen Umständen.
Das Wortspiel, dessen ersatzbefriedigende Kraft durch eine von Dän postulierte »4. Instanz« des Geistes an die Stelle des verhinderten Sexualakts tritt, beherrscht dabei Bericht und Kommentar des Erzählers; die unvermittelte Assoziationskraft, deren Geistesbewegungen durch reiche Interpunktion ausgedrückt werden, macht einen Großteil der Schwierigkeiten der Lektüre aus.
Wirkung: Die Rezeption war zunächst bestimmt von einer statistisch-effekthascherischen Berichterstattung über das Großbuch. Die Thesen zu Sprache und Psychoanalyse wurden nicht weiter fortgeführt; die ästhetische Würdigung des Werks (wie des gesamten schmidtschen Œuvres) setzte erst nach der Wiedervereinigung ein, als neben moralisch getriebenen Autoren wie Heinrich R Böll, Günter R Grass und Martin R Walser persönlich-mythische Werke wie die von Schmidt und Uwe R Johnson als Gegenbilder wieder neu in den Blick gerieten. H. Z.

Pressestimmen

"Arno Schmidts in fast zehnjähriger Arbeit entstandener Riesenroman, mit dem Leitmotiv vom unsäglichen Traum des Webers Zettel, des großen Anzettlers im Sommernachtstraum, ist nach dem äußeren Aufbau das innerhalb 24 Stunden sich abspielende Streit-, Lehr- und Liebesgespräch, zwischen vier Personen an einem wunderträchtigen Hochsommertag in der Lüneburger Heide, - in ihrem Verständnis ihr schlechthinniger Lebenstag, in den sie einbringen, was sie haben und sind." (Ernst Krawehl).

"Zettels Traum" ist Fluchtpunkt und Summe des gesamten bis dahin entstandenen Werks des Autors; das monumental umfangreiche Buch ist Epos und Essay, Übersetzungstheorie und Dichterpsychographie zugleich, Fortführung und konsequente Zusammenfassung der erzähltechnischenund literaturtheoretischen Ansätze de r früheren Bücher Schmidts, die im Nachhinein wie Fingerübungen zu diesem Riesenbuch erscheinen." (Jörg Drews)

"Zettels Traum" mußte - allein schon ob der Etym-Basis - ein zu zwei Dritteln humoristisches Buch werden, das aber auch alles mögliche Andere natürlich zeigt: das Flickwerk unserer Eingeweide, und den Schmelz der Interpunktion." (Arno Schmidt)

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Kundenrezensionen

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Die hilfreichsten Kundenrezensionen
28 von 31 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Format:Gebundene Ausgabe
Wer "Zettel's Traum" lesen will, braucht Geduld!
Selbst im "Schnellverfahren" lassen sich die 1334 DIN-A3 Seiten (im Standarddruck ca. 5000 Seiten) nicht ohne Weiteres überfliegen. Doch wer den Schritt wagt und diesen "Riesenroman" zur Hand nimmt, wird unter anderem mit rund 200 Haupt- und Nebenfiguren belohnt, die der Autor Arno Schmidt in seinen Text eingewebt hat. Viele Assoziation, Zitate und Anspielungen aus der deutschen, englischen, französischen und aus weiteren entlegenen Literaturen finden sich in vielfältiger Form verarbeitet.
Verarbeitet wurden hier aber vor allem das (gesamte) Werk von Edgar Allan Poe sowie die Psychoanalyse von Sigmund Freud. Zwar wird der Leser in die verschiedenen Themen eingeführt, doch etwaige Vorkenntnisse werden sich in der Tat als nützlich erweisen. Neben den 3 Strähnen (wie sie Schmidt selbst genannt hat) finden sich auch viele Randnotizen, Zeichnungen und andere eigentümliche Gestaltungen. Der Leser hat das Gefühl, als würde er dem Autor über die Schulter schauen. Im Übrigen sollte man mehr oder weniger unvoreingenommen an das Werk herangehen. Die Inhaltsangaben verschiedener Bücher, Artikel oder Internetbeiträge täuschen über die unglaubliche Vielfalt hinweg, die oft erst auf den zweiten Blick sichtbar wird. Die Handlung beschränkt sich eben nicht nur auf die vier Hauptfiguren und deren Analyse der Werke Poes. Zwar steht diese im Vordergrund, doch lassen sich auch unzählige Nebenhandlungen entdecken.
"Zettel's Traum" scheint tatsächlich wie ein mächtiger Traum konzipiert zu sein. Für Vielleser, Literaturinteressierte und (freilich) Arno-Schmidt-Fans ist das Buch nur zu empfehlen. Wegen seines Umfangs, seiner Gestaltung, seiner Konzeption, seiner Umsetzung und nicht zuletzt wegen seines Inhalts kann dieser "Roman" als ein Meilenstein der Weltliteratur bezeichnet werden.
Übrigens: Wem es gelingt, das Buch vollständig zu lesen, wird sich zu einem ziemlich kleinen, erlesenen Kreis zählen dürfen; denn es ist kein Geheimnis, dass dieses Ungetüm wohl das ungelesenste Werk der Literaturgeschichte ist.
"Zettel's Traum" ist ein Buch für Leseratten! Mit diesem Buch kann der Leser zum Detektiv werden, indem er versucht, die vielen Anspielungen und Verweise zu entziffern. Er kann aber auch selbst zum "Psychoanalytiker" werden, indem er die von Schmidt angelegten Charaktere durchleuchtet. Denn neben der eigentlichen Handlungsebene wartet auf den Leser eine zweite, unterschwellige Textebene, die plausibel zeigt, wie die Figuren wirklich ticken.

Diese Rezension gibt meine eigene, persönliche Leseerfahrung und Forschung wider. Sie will nichts weiter als einige Appetizer geben, die zum Lesen anregen sollen. Wer den für ein Buch recht hohen Preis nicht scheut und ein wahres Kunstwerk in den Händen halten will, der sollte zugreifen.
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71 von 87 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von Ein Kunde
Format:Audio CD
Es ist ein ungewöhnliches, in seiner Ausführung jedoch unzweifelhaft erfolgreiches Unterfangen gewesen, Arno Schmidts "Zettels Traum", eines der kompliziertesten Bücher der deutschen Literatur, im Auszug als Hörbuch herauszubringen.

Zunächst zum Buch "Zettels Traum": Der Roman erschien erstmals 1970 als Faksimile des Originaltyposkripts im DIN A3-Format. Die Seiten des Buches sind durchgängig dreispaltig angelegt. Die Romanhandlung der Mittelspalte erzählt den eintägigen Besuch eines Übersetzerehepaares mit Tochter beim Ich-Erzähler, Daniel Pagenstecher. Im Zentrum ihrer Unterhaltung steht das Werk Edgar Allen Poes. Die linke Spalte befasst sich mit Poe und seinem Werk; sie enthält englische Poe-Zitate, Deutungen u.ä. Die rechte Spalte beschäftigt sich mit Ideen, Träumen und Gedankenspielen der unterschiedlichen Personen. Der Text ist insgesamt gespickt mit mal mehr, mal weniger versteckten Zitaten von unterschiedlichen Autoren, deren Entschlüsselung seit Jahren akribisch von der Fan-Gemeinde betrieben wird.

Nun zum Hörbuch selber: Die Herausgeber und Sprecher haben für die Lesung Textpassagen ausgewählt, die auch unabhängig vom Gesamtkontext verständlich sind und insofern nicht die Lektüre der 1330 Seiten voraussetzen. Joachim Kersten, Bernd Rauschenbach und Jan Philipp Reemtsma sind allesamt Schmidt-Experten und überzeugen in ihrer Rolle als Sprecher vollkommen. Mit Hilfe einer behutsamen Mischtechnik schaffen sie es, das Nebeneinander und Übereinander der drei Textspalten für den Hörer verständlich zu machen. Dem Hörer erschließt sich so die Polyphonie des Textes, die dem Leser verschlossen bleiben muss. In seiner akustischen Anlage erinnert die Lesung stark an die drei als Radiodokumentationen konzipierten "oral tone poems" der "Solitude Triology" von Glenn Gould, in der ebenfalls mehrere Sprecher polyphon angeordnet sind. Die Lesung von "Zettels Traum" ist ein subtiles verbales Terzett, das den Hörbuch-Fan wie den Schmidt-Enthusiasten gleichermaßen begeistern wird. Es ist geeignet, sowohl den in Bezug auf Schmidts Literatur unbedarften Hörspiel-Fan für das Werk Arno Schmidts zu interessieren, als auch beim Schmidt-Leser weitergehende Hörbuch-Lust zu erwecken.

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6 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Es geht über Menschenwitz ... 26. November 2010
Von Jan Jovic
Format:Gebundene Ausgabe
Zettels Traum zu ergründen. Nicht selten wird Arno Schmidts Opus Magnum mit Joycens letztem literarischen Rundumschlag Finnegans Wake - wenn nicht gar als deutsches Pendant dessen - in einem Atemzug genannt, wenn es um 'schwierige, unlesbare' Bücher geht. In all diesem Wust, diesem Dunstschleier aus Ruhm und Extravaganz, was kann da für den Leser herausspringen?
Klaus Reichert, seines Zeichens Joyce-Experte, sagte einmal, den Ulysses von James Joyce zu lesen (der ja schon vielen als ein unentziffertes Rätsel gilt) heißt, das Lesen zu lernen:
Ich denke, dieses Zitat sollte immer wieder ins Gedächtnis geraten, wenn es um die Monumente der modernen Literatur geht:

Zettels Traum ist ganz besonders eine gnadenlose Herausforderung an alle Lesegewohnheiten.

Das Monument in inhaltlichem wie drucktechnischen Sinne zeichnet sich durch seine eigenwillige Textgestaltung aus:
Der Haupthandlung, der Text der für gewöhnlich die Mitte einer Manuskriptseite einnimmt, der Poe-Anmerkungen links davon und den Gedankenfetzen und allgemeinen Anmerkungen rechts, wobei auch je nach Stelle Abbildungen von Kondomwerbungen oder anderen Bildern vorkommen können.
Denn Arno Schmidts Zettels Traum folgt einer Stringenz, die sich nicht in einer vordergründigen prosaischen Dramatik entfaltet, vielmehr ist es ein einziger Fluß, ein Strom des Bewußtseins, der sich manchmal teilt, dann wieder zusammenläuft und den Leser dazu bewegt, das Lesen dem Unbewußten selbst zu öffnen:
Da häufen sich die Sprachspiele, Metamorphen und Verschmelzungen von Worten, Assoziationsketten die sich ständig fortpflanzen.
Die vordergründige Handlung besteht darin, wie der Erzähler und ein befreundetes Ehepaar mit der jungen Tochter Franziska das Werk Edgar Allan Poes diskutieren, bei dem der Erzähler durchweg das Idealbild Poes der Gattin oft zu zerstören sucht und bei seinen 'Untersuchungen' von Poes Schriften letztlich ein überaus lasterhaftes Bild der Dichters zustandekommt.

Zettels Traum als ein deutscher Finnegans Wake? Vom Standpunkt der benutzten Technik, der ineinanderfließenden Gedanken, bei denen Tat und Gedanke gleichwertig sind und das Unterbewußte ganz zur Sprache kommt, gehen beide Werke in die selbe Richtung.
Schmidt aber setzt noch einen drauf: man mag Zettels Traum verstehen als das kühnste was an Prosa in Deutschland je geschrieben worden ist - gleichzeitig kann man es als einen einzigen großen Scherz lesen, wenngleich einen von gewissem Format.

Wie bekannt ist war Arno Schmidt mit Hans Wollschläger der Übersetzer des Gesamtwerks Edgar Allan Poes ins Deutsche. Schlägt man vor diesem Hintergrund Zettels Traum auf, entpuppt es sich als das Tagebuch eines Nachdichters. Notizen zu den verschiedensten Ecken von Poes Werken geben sich die Hand und - wenn man herablassend sein wollte - oft scheint die vordergründige Handlung nur als lose Fassung der überbordenden Fülle an Details und Einstreuungen zu Poes herhalten zu müssen. Freilich, Schmidt webt viel mehr als nur Poe ein, Zettels Traum strotzt nur so von Querverweisen und Anspielungen, Wortspielen und Bezügen zu seiner Zeit.

Als literarisches Werk dieses Formates steht Arno Schmidts Zettels Traum allein in der deutschen Literatur dar. Es verlangt vom Leser eine ganz andere Haltung zum Lesen, giert beinahe nach ständigem Ausloten seiner Doppelbödigkeiten. Dem Vorrezensenten kann ich mich nur anschließen in dem Punkte, daß man wirklich zu einem sehr erlesenen Kreis gehören würde, wenn man es tatsächlich durchgelesen haben sollte. Doch Zettels Traum ist auch da eine Ausnahme: es gilt nicht, alle Details zu erfassen, sondern das Format und die Tiefe des Werks zu erfassen. Das geht meiner Meinung nach auch - oder gerade mithilfe - durch ein nichtlineares Lesen.

Zu empfehlen ist es all denen, die ausloten wollen, wieweit sie sich auf experimentelle Literatur einlassen können. Denen, die mit der Stream-of-consciousness-Methode vertraut sind oder ins kalte Wasser springen wollen.
Besonders interessant ist es aber eben auch für Poe-Interessierte, und diese die schon einige seiner Erzählungen und Werke kennen und so das Grundgeflecht von Zettels Traum überschauen können. In dieser Hinsicht kann man es wie eine mächtige und kunstreiche Ansammlung von Künstler-Notizen zum Oevre des Wegbereiters der modernen Literatur E.A. Poes lesen.
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