Sein erstes Solo-Debütalbum von 1997 höre ich noch heute gerne und dass seitdem erst zwei weitere Alben von NIELS FREVERT erschienen sind, spricht für die Ernsthaftigkeit seiner Arbeit. Er feilt an seinen Songs bis sie glänzen. Mit seinem letzten Album "Du kannst mich an der Ecke rauslassen" (2008) bewies er bereits, dass man ohne Betroffenheitslyrik und Pseudokritik über Freundschaften und Beziehungen singen kann, eingebettet in wohltemperierter Liedermacher-Musik.
Auch die Songs auf dem neuen Album "Zettel auf dem Boden" basieren auf akustischer Gitarre, leichtem Schlagzeug und Streichern. Hin und wieder gesellen sich hübsche Klavierlinien und dezente Bläser dazu. Stilistisch wird das Singer/Songwriter-Genre begleitet von Chanson und Jazz. "Die Lieder taugen wirklich nicht zur Untermalung" erkennt NIELS FREVERT als Selbstbeschreibung im Song "Zürich". Er zeigt eindrucksvoll wie subtil man mit der deutschen Sprache umgehen kann, was man aus ihr herauszuholen vermag. Dieser Mann "flüstert Wände mit geballten Fäusten an" und man wird den Eindruck nicht los, dass er auch geduldig wartet was die antworten.
NIELS FREVERT spannt in zehn Songs gekonnt einen Bogen von der Wichtigkeit vierer Eichhörnchen zur Flüchtigkeit eines Teekrümels, der auf den Boden der Tasse taumelt. Es sind die kleinen, leisen Momente, welche durch Freverts Sprache groß und bedeutend werden. Dabei ist nichts inszeniert oder aufgesetzt. "Blinken am Horizont" ist eine Art Abschiedslied ohne Traurigkeit, berührend und schön, aber nicht kitschig. Mit feiner Beobachtungsgabe, getupften Wortbildern und liebevoll sperrigem Gesang, der zum genaueren Hinhören zwingt, singt hier ein genialer Geschichtenerzähler. "Is'ne lange Geschichte, dauert ungefähr zwei Teelichter lang" heißt es im Stück "Küchensee" und man möchte Teelichter in Großpackungen kaufen gehen, nur um im Kerzenschein die zehn Zettel auf dem Boden des Herzens sehen zu können ...