Nichts ist so sicher wie das Gegenteil und genau dieses ist eine Notwendigkeit des Ganzen. Wahr ist das Ganze, sagte Hegel und Menasse schließt damit die Negation des Wirklichen konsequent ein. Nein, eigentlich mehr, denn mit dem Gegenteil einer nur scheinbar demokratischen Gesellschaft sieht er diese erst möglich. Aus dem Schlaf einer sich selbst abschaffenden Demokratie will er nur erwecken und schreibt seine eigenen terroristischen Gedanken, die dem Terror huldigen als die einzige Maßnahme, die alte Dialektik der dualen Welt vor 1989 wieder herzustellen. Synthesen sind eben nur aus der Sicht Hegels aus den Thesen von Pro und dem Anti möglich und genau das versucht RM in brillanter, konsequenter Weise zu vermitteln. Überspritzung der Gedanken kann nicht, nein! muss sein, um mit Hilfe kognitiver Dissonanzen selbstkritische Fragen zu stellen, die das eigene Selbst in einen neuen Horizont bringt, der bekanntlich immer der selbe bleibt, wenn der Standpunkt sich nicht ändert.
Globalisierung ist dann nicht nur eine Frage des Kapitals, welches um die Erde zieht, um vermehrt zum Besitzer zurückzukommen, (Revenue heißt es bekanntlich im amerikanischen) sondern muss auch in einer sozialen Struktur möglich sein, ohne den nationalen Status, gemeint ist, sich selbst zu verlieren.
Menasse schreibt über Literatur, vorgeblich, und verschwendet im wahrsten und besten Sinne die Menge seiner Gedanken an die Welt, die nun in einem Meer (Mehr) unendlich neuer Ideen Wege finden müssen, Marx und Hegel als Romanciers des 19. JH zu begreifen, die Vernunft eines Spinozas, Descartes oder Kant neu zu begreifen. Seine Ideen reiben sich an der Moral, die in und als letzte(r) Instanz so wirklich wird, dass sie den Dualismus, etwas zu schaffen, was anschließend aus selbigen Gründen abzuschaffen gilt, als Credo der modernen Welt geltend macht. Einen Krieg aus moralischen Gründen gegen Atombomben anzudrohen, die gegen die zivile Bevölkerung gerichtet sind, kann nur dem einfallen, der bisher als einziger dieses Drama aus moralischen und kriegsbeendenden Gründen vollzogen hat.
Menasses Welt scheint beliebig, weil sie im Denken alles erschaffen kann. Es gibt keinen Halt vor Nichts und Niemand, ob nun Gott, Papst oder das Kapital. Im Grunde sind alle gleich, solange man sie in Kategorien der Kritik, der Vernunft oder Dialektik packt. Oder ins Bild, welches in der sequentiellen Wiederholung zur Bildung wird, aber nur dann, wenn die Wiederholungsfrequenz selbst bestimmt bleibt. Das Fernsehen entmündigt durch Wiederholung, die Bilder z.B. des 9.11. sind mittlerweile Kopfbilder, die weit weg von eigenen Gedanken in die Abhängigkeit falscher Wiederholungen gelaufen sind. Zurück zur Selbstbestimmung, zum eigenen Bilde und zur Bildung, die frei und dem Mut des eigenen Gedanken verbunden ist. Nichts anderes wäre dann die Folge, als dass "die Dingwelt wieder mit Menschen besiedelt wäre".
Das Schöne an Menasse ist, dass er - um zu erschrecken - selbst vor Gewalt nicht zurückschreckt, die sich letzten Endes als pure Fiktion entpuppt. Auch wenn Schopenhauer Pate seines Buchtitels ist und RM die Welt von der Fiktion der Vorstellung und der Kraft des Willens in eine Realität revolutionärer Gedanken zurückholen möchte, scheint mir, dass Spinoza sein Vorbild ist, denn dieser sagte, "Nur wenn ich nicht alles tun darf, kann ich alles denken."
Lob an die unvoreingenommene Denkkunst eines Robert Menasse.