Polizist Jeffrey Tolliver hat es nicht leicht. Seine Frau Sara, mit der er bereits zum 2. Mal verheiratet ist, steht bei einem Kunstfehlerprozess vor Gericht und wird nur schwer mit der nervlichen Belastung fertig. Da bekommt er auch noch einen Anruf, dass seine langjährige Kollegin Lena Adams verhaftet wurde und jetzt im Krankenhaus liegt. Sie wurde neben einem ausgebrannten Auto mit einer Leiche darin gefunden. Vor Ort weigert sich Lena irgendetwas zu sagen und bricht dann aus dem Krankenhaus aus. Das bringt Jeffrey Schwierigkeiten mit dem örtlichen Sheriff.
Doch das sollen nicht die einzigen Probleme bleiben. Es wird auf sie geschossen, eine Leiche fliegt durch ihr Hotelzimmerfenster und die Spur führt immer wieder in eine Richtung...
Die Geschichte ist in mehrere zeitliche Ebenen unterteilt, was aber nicht zu irgendwelcher Verwirrung führt, da es schon von Anfang ganz gut ersichtlich ist.
Die Story ist recht flüssig erzählt, dümpelt aber eine Weile vor sich hin, wird aber vor allem zu Ende hin echt spannend.
Zugegeben die Story hat mich am Anfang eigentlich nicht interessiert und die Storyline mit den Neonazis ist auch nicht so der Brüller, aber das Ganze ist relativ spannend gemacht und bietet viele falsche Fährten und Storytwists. Manchmal ist die Spannung auch ein bisschen bemüht und manche Schilderung sind auch bemüht blutig (vor allem gegen Ende hin), aber immer noch im Rahmen ' z.B. im Vergleich mit Cody McFadyen.
Die Charaktere sind zwar nicht besonders tiefgründig, aber auch nicht so platt und eindimensional wie in vielen anderen Krimis, z.B. Cody McFadyen, Kathy Reichs oder auch Agatha Christie. Auffällig ist meinem Empfinden nach aber, dass die Figuren allesamt sehr weiblich geschrieben sind und auch bei den männlichen Figuren offensichtlich wird, dass sie von einer AutorIN geschaffen worden sind. Manche Empfindungen der Hauptfiguren werden unnötig breitgewalzt und immer wieder durchgekaut, das nervt schon ein bisschen.
Die Dialoge sprühen nicht gerade vor Wortwitz und Intelligenz, aber das kann teilweise auch der oben erwähnten, fürchterlichen Übersetzung geschuldet sein.
Allgemein finde ich das Buch ganz gut geschrieben und auch recht spannend gemacht. Die Grundstory ist zwar ein bisschen klischeehaft und vor allem das Ende fand ich ziemlich vorhersehbar ' spätestens seit Jeffreys Gefängnisbesuch hab ich das geahnt - und stellenweise ist das Geschilderte auch einfach nur übertrieben, aber ich fand das Buch unterhaltsam und das ist schließlich das Wichtigste.
Dann muss ich noch mal die schlechte Übersetzung hervorheben und den Übersetzer, Klaus Berr, mal besonders negativ erwähnen. Schon bei einigen Kathy Reichs-Romanen hat er mich mit seiner fürchterlichen Übersetzung gequält, aber dieses Buch schlägt dem Fass echt dem Boden aus und lässt mich wirklich überlegen, ob ich die andern Bücher von Karin Slaughter überhaupt lesen will, denn diese hat er auch "übersetzt".
Als jemand, der Englisch studiert hat und die Sprache generell ganz gut versteht, tut es mir im Herzen weh, wenn ich absolute Fehlübersetzungen sehe, wie "Rolemodel", das mit dem nicht passenden "Rollenmodell" übersetzt wurde, dabei heißt es eigentlich "Vorbild". Das ist ein eklatanter Unterschied.
Bei dem Wort "Frauenschlägershirt" musste ich wirklich einen Augenblick überlegen, was zur Hölle uns der Übersetzer damit sagen will, bis mir in den Sinn kam, dass er wohl ein "wifebeater shirt" meint, das man aber am ehesten mit "Muskelshirt" oder auch einfach "Unterhemd" übersetzen würde. Es mit "Frauenschlägershirt" einfach 1 zu 1 ins Deutsche zu übertragen ist genauso falsch wie dumm und regt mich einfach nur auf. Das hat der "Übersetzer" übrigens auch an vielen anderen Stellen getan und so zum Beispiel das grandios falsche "Sie probierte die Tür" erschaffen, was wohl ursprünglich "she tried the door" - "sie probierte, die Tür zu öffnen" hieß.
Auch schön sind so dämliche eingedeutsche Übersetzungen wie "kristallines Meth", das in Deutschland übrigens auch einfach "Crystal Meth" heißt. Oder einfach konsequent "meine/ihre Detective" zu sagen. Herzallerliebst sind auch Wortschöpfungen wie "Sweatheart", da musste ich echt ein bisschen lachen.
Auch nervig ist der dialektale Einschlag, der sich gern mal in "er war am Steuer gesessen" oder "sie hatte sich einen Schiefer eingezogen" äußert. Ich wusste nicht, was ein Schiefer ist, konnte es mir zwar denken, aber eine korrekte hochdeutsche Übersetzung sieht anders aus.
Nennt mich kleinlich, aber mir kann eine schlechte Übersetzung die ganze Freude an einem Buch verderben. Übersetzer ist sicherlich kein leichter Job, aber wenn man merkt, dass man etwas nicht weiß oder gewisse Ausdrücke einfach nicht kennt, dann sollte man sich Hilfe holen und nicht einfach mit der Holzhammermethode übersetzen. Klaus Berr, wenn du das liest: schreib dich nicht ab, lern übersetzen! So, ich habe fertig.