Die Geschichte ist unkonventionell, schaurig - schön und auch herrlich "unkorrekt":
Ein einsamer Menschenfresser mit schlechter Laune und riesigem Appetit auf kleine Kinder treibt in mittelalterlichen Städtchen sein Unwesen. Ausgehungert lauert er eines Tages der nichtsahnenden sechsjährigen Zeralda auf, um sich auf sie zu stürzen.
Doch es kommt anders: das unerschrockene und patente Mädchen (es lebt autark mit dem Vater im Wald und kocht für sein Leben gern) kredenzt ihm so köstliche (elsässische) Gerichte, daß er die Lust an seiner Lieblingsspeise, kleinen Kindern, verliert. Zeralda wird als Köchin auf sein Schloß geladen. In der riesigen Schloßküche ersinnt sie die ausgefallensten Menues und köstlichsten Mitternachtsimbisse. Die begeisterten Menschenfressser und Menschenfresserinnen der Umgebung werden zu üppigen Tafel"runden" eingeladen und verlieren ihren Appetit auf Kinder. Von nun an ist die Gefahr gebannt und alle Kinder können wieder unbeschwert herumtoben.
Zeralda wächst zu einer schönen Jungfrau heran, heiratet den Menschenfresser und bekommt mit ihm viele Kinder.
Das Happy-End wird allerdings - typisch Ungerer - mit einem kleinen Augenzwinkern serviert...
Dies ist eines der eindrucksvollsten Bücher, die ich aus meiner eigenen Kinderzeit in Erinnerung habe.
Das liegt zum einem an dem einprägsamen, prägnanten Text, der manchmal lyrischen Charakter hat und zum Zitieren wie geschaffen ist:
"Schnupper, Schnüffel! Ich bin so hungrig heut!
Fünf, sechs Kinder, wär das 'ne feine Mahlzeit!
Schnupper, schnüffel, schnipp und schnapp-
wenn ich ein paar Kinder find,
schling ich sie hinab.!",
grummelt der griesgrämige Riese vor sich hin, als er unfreiwillig auf seine Lieblingsmahlzeit -kleine Kinder- verzichten und sich stattdessen mit lauwarmem Kohl und kalten Kartoffeln begnügen muß.
Die Zeichnungen sind eine Klasse für sich. Farbgewaltig, lebensfroh, oft frech und zuweilen deftig, haben sie auch nach 30 Jahren nichts von ihrer Frische eingebüßt. Jede ist für sich ein kleines Kunstwerk.