Das vorliegende Buch ist der tagespolitischen Berichterstattung weit voraus: interdisziplinär und sehr aktuell fasst es Beiträge einer im Juni 2000 in Wien abgehaltenen internationalen Konferenz zusammen. Denn langsam und fast immer nur als Zusatzinformation zum Blick auf Krisenregionen Afghanistan stellt die Öffentlichkeit fest, dass die historische Einflusszone des Islam nicht an der Südgrenze der ehemaligen Sowjetunion endet. Kasachstan, Usbekistan, Tadschikistan, Kirgistan und Turkmenistan sind Länder mit islamischer Bevölkerungsmehrheit, doch durchliefen sie in den letzten eineinhalb Jahrhunderten eine regional unterschiedlich starke Russifizierung und schließlich Sowjetisierungspolitik. Damit wurden sie für die westlichen Medien Teil des kommunistischen Blocks, und jede der ohnehin seltenen Meldungen aus dem 4,000.000 km2 großen Gebiet (fünfzig mal die Fläche Österreichs!) wurde unter dem Paradigma einer Nachricht aus dem „Ostblock" rezipiert.
Der aufmerksame Leser des Tagungsbandes wird rasch feststellen, dass einige dieser Gebiete in der Geschichte des Islam eine bedeutende Rolle spielten. Buchara (heute in Usbekistan) und das Gebiet von Chorasan in der Grenzregion zwischen Iran, Turkmenistan und Afghanistan und waren beispielsweise um das Jahr 1000 das Zentrum der islamischen Welt, von wo unter anderem der frühe Sufismus, aber auch die Verbreitung einiger wichtiger Konsumgüter wie Papier, Spinat, Seide oder Reis von Ostasien in den Mittelmeerraum und somit auch nach Europa den Ausgang nahmen. Doch die Vermittlerfunktion der entlang der Seidenstraße liegenden Städte und Reiche nahm mit dem Mongolensturm im 13. Jahrhundert ein jähes Ende
Die achtzehn Beiträge der Konferenz resümieren nicht nur die überraschend vielgestaltige, interessante, doch längst vergangene Geschichte; sie setzen sich vor allem auch mit den Problemen einer „Islamischen Wiedergeburt", dem Einfluss radikaler religiöser Strömungen unter den Muslimen im Länderbogen zwischen Kaukasus und Pamir sowie den zukünftigen Entwicklungstendenzen innerhalb der vielfältigen islamischen Gemeinschaften in Zentralasien auseinander.
Dass unter den Autoren dieses Sammelbandes sowohl westliche als auch aus den jeweiligen Staaten Zentralasiens stammende Wissenschaftler sind, trägt sehr zur inhaltlichen Vertiefung und thematischen Ausweitung der vorliegenden Publikation bei.