Zentangle wurde von Maria Thomas und Rick Roberts in den USA als meditative Zeichenmethode entwickelt. Kleine (9x9cm) Karten werden durch Linien in Flächen unterteilt und dann mit einem feinen Pigment Stift mit Mustern gefüllt.
Die grundlegende Philosophie orientiert sich an der japanischen Meditationsform Zen, bei der der Weg das Ziel ist; übertragen: es kommt immer nur auf die Linie an die ich gerade mache - das Ergebnis am Ende wird überraschend sein. Die Unterteilung der Karten wird mit Bleistift gemacht, aber sonst wird mit einem Pigmentstift gezeichnet, also mit schnell trocknender schwarzer Farbe. Grundsätzlich wird eigentlich nicht radiert, denn auch im wirklichen Leben kann man nicht radieren. Das zwingt dazu, sorgfältig und konzentriert zu Werke zu gehen, aber auch dazu, aus den Möglichkeiten die man selbst schafft - und seien es scheinbare Fehler - etwas zu machen, was dann wieder kreativ sein kann. Entspannend ist die Versenkung ins Zeichnen und das Zeichnen immer wiederkehrender Formen.
Für mich war Zentangle auf den ersten Blick rein optisch faszinierend durch die Fülle von Motiven, die scheinbar planlos zusammengesetzt sind und dennoch ein sehr attraktives Bild geben. Eigentlich bin ich niemand, der beim Telefonieren oder Nachdenken einen Stift in die Hand nimmt und herumkritzelt, aber das kleine Format, die Fülle von Mustern und die Herangehensweise haben mich gleich gereizt. An ein A-4-Blatt hätte ich mich nie heran getraut, aber die kleine Karte macht es leicht und auch wenn man sich ungelenk und nicht gerade als Künstler fühlt, hat man am Ende ein überraschend ansprechendes Ergebnis.
Zentangle Basics zeigen Schritt für Schritt in klaren Zeichnungen, wie ein solcher sog. Tangle entsteht. Man braucht nicht mehr als Zeichenkarton, den man auf 9x9 cm zuschneidet, einem Bleistift für die Unterteilung und einem möglichst feinen, schnell trocknenden Filzstift (die von Tanglern benutzten japanischen Micron Pigma Stifte sind bei uns kaum zu bekommen, aber es gibt Pigmentstifte von Rotring). Das Heft zeigt eine ganze Reihe von Mustern, mit denen die geschaffenen Flächen gefüllt werden können, man muß nicht gleich selbst etwas erfinden. Ein paar Englischkenntnisse schaden nicht, aber ich denke, auch einfach mit Hilfe der Zeichnungen kann man sich schon einarbeiten und eine neue Welt für sich entdecken. Auf jeden Fall ist dies auch eine Anregung für das zeichnen mit Kindern.
In den letzten Jahren hat sich eine Szene entwickelt, die am Konzept weiterarbeitet. Zentrum sind die USA. In Europa und speziell in Deutschland ist Zentangle offenbar kaum bekannt. Wenn man Zentangle googelt trifft man auf eine Fülle von Blogs und Flickr streams mit Informationen, ein Kompendium mit ständig ergänzten Mustern und Anregungen, einer wöchentlichen Challenge, Workshops (in den USA - die offenbar einzige zertifizierte Zentangle-Lehrerin in Europa gibt es in den Niederlanden) und am Ende auch der Umsetzung in T-Shirts, Tassen und Schuhen.