Über den Fotos auf der vorderen Umschlagklappe des Buches steht in roten Lettern "Zensiert, verschwiegen, vergessen", und so sind uns Leser diese Gesichter eigentlich weitgehend unbekannt und weshalb, das verrät der Klappentext:"Dieses Buch erzählt von einer unbekannten literarischen Welt. Von Dichterinnen deren Texte zur DDR-Zeit unveröffentlicht blieben. Ihre Gedichte galten als tendenziös, ihre Prosa als hetzerisch, ihre Lebenshaltung als systemzersetzend. Nicht wenige wurden verfolgt und verhaftet."
Es geht insgesamt um das Leben, Denken und Dichten von zwölf Frauen, auf neun trifft die Aussage des Klappentextes zu, in den drei anderen Fällen trifft das nicht ganz zu.
Die Schriftstellerin und Germanistin Ines Geipel beginnt ihre Darstellung mit der Person und dem schöpferischen Werk von Richarda Huch, die weder bei den braunen Machthabern, noch in der DDR auf das Abstellgleis des Vergessens geschoben werden konnte, das lies sie einfach nicht zu.
. Die zweite Literatin heißt Susanne Kerckhoff. Die Feuilletonchefin der Berliner Zeitung" im Osten der Stadt Berlin, schrieb Gedichte und einen Roman. Ihr Mädchenname lautete Harich und so blieb auch sie eigentlich nicht unbekannt, insbesondere deshalb weil ihr Halbbruder Wolfgang Harich 1977 als Staatsfeind von Ulbrichts Gerichten zu zehn Jahren Zuchthaus bestraft wurde. Susanne Kerckhoff hat das allerdings nicht mehr miterlebt, weil sie 1950 durch Suizid aus dem Leben schied.
Mit einem Selbstmord endete auch 1966 das Leben von Inge Müller. Ihre Namen findet man im Schriftstellerlexikon, jedoch keinen Hinweis darauf weshalb sie Suizid begangen hat. Ines Geipel recherchierte gründlich und bracht zahlreiche Beweisstücke ans Licht, vordergründig Ermittlungsberichte der Stasi.
Die übrigen neun Dichterfrauen haben die Spitzeleien und Anschuldigungen der Stasi überstanden. Sie wurden in finstere Ecken verdrängt, einige von ihren auch inhaftiert. Das ist der Grund dafür, das wir erst jetzt nach dem Ende der DDR von ihrem Leben und Leiden, ihren Gedichten und Geschichten hören. Nicht alle von ihnen haben nach 1989/90 ihr schriftstellerisches Wirken wieder aufgenommen und wäre nicht dieses Buch von Ines Geipel, das glasscherbenscharf und eingehend tief diesen Teil deutscher Vergangenheit spiegelt, dann hätte die gesamtdeutsche Öffentlichkeit auch heute noch nichts von Ursula Adam, Hannelore Becker, Edeltraut Eckert, Heidemarie Härtl, Sylvia Kabus, Eveline Kuffel, Raja Lubinetzki, Jutta Petzold und Gabrielle Stötzer gehört..
Wenn Ines Geipel auch einige sprachliche Ausrutscher und sachliche Fehler unterlaufen sind, die bei gewissenhafter Korrektur hätten leicht vermieden werden können, so ist ihr mit "Zensiert, verschwiegen, vergessen". Autorinnen in Ostdeutschland 1945 - 1989, mit ihrer einfühlsamen Sprache, mit großer Sachkenntnis und bemerkenswerten Einfühlungsvermögen eine beeindruckende Lektüre gelungen. Die bedauerlichen "Schönheitsfehler" können die angestrebte Rehabilitierung der Dichterfrauen nicht mindern.