Ich muss sagen, es lag keine geringe Zeitspanne dazwischen, als ich das erste Buch des Autors Hardcore Zen erstmals in der Bücherei erblickte und es dann tatsächlich kaufte. Was war geschehen? Mein erster Gedanke war beim Titel, da habe sich wieder ein der Materie unkundiger Autor quasi von außen Informationen angeeignet und dann versucht, die Geschichte mit einem verkaufsträchtigen Titel zu verkaufen. In der Meinung bestärkte mich dann leider auch eine Rezension zu Hardcore Zen. Aus irgendeinem Grund ließ mir der Titel jedoch keine Ruhe und einige Monate später griff ich doch zum Buch, über dessen Autor ich vorher auch etwas recherchierte.
Ich finde es immer etwas langweilig und ermüdend, wenn jemand lediglich Informationen anderer nimmt und nicht selbst aktiv praktiziert / anwendet (Sorry Stefan Klein). Genau das trifft aber keinesfalls auf Brad Warner zu, der wirklich reflektiert ist, seit Jahren Zazen praktiziert und lehrt. Bei den Buchtiteln und den Nebenaktivitäten des Autors will man das nicht gleich meinen, deshalb finde ich es durchaus erwähnenswert.
In Hardcore Zen erzählt Brad Warner einiges aus seinem frühen Werdegang. Bis ca. Seite 80 oder 90 von Hardcore Zen ist es sehr seicht, dann kommt jedoch ein grober Knick in theoretische Hintergründe und ihre Interpretation. Das ist wohl der Grund dafür, dass ich anfangs noch sehr motiviert und schnell gelesen habe, dann aber auf Seite 150 vorerst resignierte. Am Ende sind dann noch einige Einführungen ins Zazen (Eine Art Sitz-Meditation). Dorthin kam ich allerdings noch nicht. Zwischen dem ersten Buch Hardcore Zen und dem vorliegenden Buch lag 'Sit Down and Shut Up', was leider nicht ins Deutsche übersetzt wurde. Dafür erscheint alsbald das vierte Buch des Autors auf deutsch: 'Sex, Sünde und Zen'
Im Gegensatz zu diesem ersten Buch gibt es im vorliegenden 'Zen wrapped'' eine sehr viel schönere Durchmischung von persönlichen Ansichten und Umsetzungen mit zen-buddhistischen Theorien (Mir fehlt gerade die konkrete Einordnung des Autors, aber sinngemäß liege ich wohl richtig). Ich bin von vorne bis hinten gut durchgekommen. Das liegt wohl auch daran, dass der Autor im Gegensatz zu Hardcore Zen weniger mit seiner ferneren Vergangenheit befasst ist. Es geht um kürzer zurückliegende Ereignisse und darum, wie er seine philosophischen Anschauungen mit seiner Lebenspraxis verbindet. Damit finde ich es nicht nur sehr viel lesbarer, sondern auch dem Alltag näher als manch anderes Werk, das völlig abgekoppelt von den persönlichen Erfahrungen ist.
Irgendwie habe ich das Gefühl, praktisch garnichts über das Buch gesagt zu haben. Aber ich will weder die im Buch erwähnten persönlichen Schicksalsschläge des Autors vorweg nehmen, noch kann ich seine Aussagen im philosophischen Bereich irgendwie zusammenfassen. Soviel sei gesagt: Es wird nicht trocken oder humorlos, aber der Autor hat einen Stil, der sehr speziell ist und den vermutlich nicht jeder mögen wird.