Dieses Buch ist anders als die meisten andern Bücher über Zen. Es hat einen beinahe wissenschaftlichen Anstrich und ist überaus präzise in der Schilderung der Praxis des Zazen (Zen-Meditation). Vor allem der erste Teil des Buches nimmt sich den wesentlichen Grundelementen des Zazen an: der Körperhaltung, dem Atem und, was wirklich selten ist in Zen-Büchern: der Bedeutung des Tanden, also des Punktes im Unterbauch, der für die Entwicklung der Körperenergie wie auch der spirituellen Energie von zentraler Bedeutung ist. Katsuki Sekida tut uns einen grossen Gefallen, wenn er auf die grosse Bedeutung des Tanden explizit hinweist, denn das ist etwas, was meiner Meinung nach oft allzu vernachlässigt wird und den Weg der Praxis oft unnötig erschwert.
Katsuki Sekida macht uns auch auf so subtile Unterschiede wie denjenigen zwischen Zazen und Shikantaza aufmerksam. Zazen wird das anfängliche Zen-Training genannt. Dabei achtet man in der Regel noch auf den Atem oder zählt ihn, um die Konzentrationsfähigkeit des Geistes zu erhöhen. Streng genommen ist dies jedoch noch keine Zen-Meditation, denn bei dieser "tut man absolut nichts mehr". Man ruht einfach in seiner Mitte, eben dem Tanden, ohne jegliche Aktivität. Man nimmt einfach wahr, ohne dass Gedanken oder Emotionen noch einen störenden Einfluss auf die zunehmende Vertiefung unserer Wahrnehmung hätten. Von grosser Bedeutung ist für Katsuki Sekida auch Kensho, die Erleuchtungserfahrung, und entsprechend gibt er diesem Thema ebenfalls Raum. In diesem Buch wird auf all die subtilen Unterschiede auf selten präzise Weise eingegangen.
Im zweiten Teil des Buches wird es dann ein wenig philosophischer und wir können auch mehr grundlegende Gedanken lesen, wie z.B.: " Ihre wahre Freiheit haben Sie dann erlangt, wenn Sie von sich selbst frei geworden sind."
Alles in allem ist "Zen-Training" für mich zweifellos ein Buch, das jede "Zen-Bibliothek" gehört.
Peter Steiner, Autor von "Das Wesentliche so nah", "Weisheit für Minimalisten" u.a.