11 von 12 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Wie korrumpierbar ist Religion?, 1. März 1999
Von Ein Kunde
Rezension bezieht sich auf: Zen, Nationalismus und Krieg (Gebundene Ausgabe)
Dies ist kein 'Aufklärungsbuch über die Schattenseiten des Zen', sondern ein grundlegender Versuch der Auseinandersetzung mit der Frage nach der Korrumpierbarkeit von Religion, geschrieben von einem engagierten Mönch der Soto-Schule. Zum Aufzeigen dieser Problematik hat er natürlich das ihm naheliegendste Problemfeld aufgegriffen.
Besonders durch die Übernahme der beiden Schlußkapitel, die in der englischen Ausgabe unter den Tisch gefallen waren, hat das Buch eine ganz neue Richtung erhalten. Konnte man 'Zen at War' noch evtl. als 'Auseinandersetzung' mit Zen mißverstehen, so zeigt die jetzt erstmals komplett vorliegende Fassung eine unmißverständlich positive Linie.
Der Hauptteil des Buches beschäftigt sich mit der Rolle des offiziellen Buddhismus im Umfeld von Nationalismus und Militarismus der Meiji-Zeit Japans, besonders mit der einiger auch im Westen bekannter Zen-Lehrer wie Soen Shaku, D.T. Suzuki, Sawaki Kodo und Harada Sogaku; es wird aber auch der Widerstand einiger Weniger gewürdigt und in je einem Kapitel auf die Entwicklungen der Nachkriegszeit ebenso eingegangen wie auf das 'Firmen-Zen' der Gegenwart.
Der letzte Teil erweitert diese Darstellung zu einer kurzen Betrachtung des Zusammenhangs zwischen Buddhismus und Staatsgewalt von den Wurzeln her, und versucht im letzten Kapitel einen Ausblick auf die Möglichkeit einer Rückkehr zu diesen, die ja eben nicht im Gehorsam einer absoluten Autorität gegenüber gründen, sondern in der Selbstverantwortung des Einzelnen.
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21 von 24 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen
Beginn einer Debatte!, 25. Juni 2000
Von Ein Kunde
Rezension bezieht sich auf: Zen, Nationalismus und Krieg (Gebundene Ausgabe)
Brian Victorias Geschichtskritik zeigt, dass nicht nur der Shintoismus sondern auch der japanische Buddhismus in der ersten Hälfte des vorigen Jahrhunderts durch eine militaristische und auf einem krassen Feindbilddenken aufbauende Weltanschauung gekennzeichnet war. Mit ganz wenigen Ausnahmen des buddhistischen Widerstandes (die Victoria hervorhebt) haben sich die japanischen Buddhisten zum faschistoiden System ihres Staates bekannt. Sogar eine im Westen so unangefochtene Autorität wie D. T. Suzuki rechnet dazu. Kaum eine buddhistische Persönlichkeit (der Soto-Schule, der Rinzai-Schule, der Shin-Schule, der Nichiren-Schule), welche nicht ihre religiösen Vorstellungen dem herrschenden System mit Begeisterung angeglichen hätte. "Krieger Zen" - "Die Einheit von Zen und Schwert" - "Buddhismus des kaiserlichen Weges" - "Reichs Zen" - "Soldaten Zen" - "Samurai-Zen" - waren die Schlagworte der damaligen Zeit. Nach dem Kriege wird die martialische Haltung der buddhistischen Schulen nur zögernd aufgearbeitet. Sie überlebt aber teilweise und geht in die in die Ideologie des japanischen "Unternehmens Zen" ein. Victoria behandelt das Thema ausschließlich historisch und nicht ideologiekritisch. So stellt er sich nicht die Frage, ob im Zen selber Affinitäten zu faschistischen Wertvorstellungen auftreten, die insbesondere ein betont männliches Kriegerethos stützen. Die Faschismus-Buddhismus-Debatte ist wiederum ein höchst aktuelles Thema, da sich der internationale Neofaschismus erneut auf buddhistische Wertvorstellungen beruft. Victorias Buch muß deswegen als ein wichtiger Beitrag hierzu angesehen werden, was den Zen anbelangt.
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5.0 von 5 Sternen
Ein Augenöffner, 2. November 2010
Rezension bezieht sich auf: Zen, Nationalismus und Krieg (Gebundene Ausgabe)
Dieses Buch ist ein Augenöffner. Brian A. Victoria, selbst gelehrter Buddhist, schaut sich genau an, welche kriegsbejahende Rolle der (Zen)-Buddhismus und seine prominentesten "Meister" im 2. Weltkrieg wirklich spielte und zeigt auf, dass diese Verstricktheit der Buddhisten mit der Macht tiefe Wurzeln in der japanischen Geschichte und der einseitigen Rezeption des Buddhismus hat. Daraus entwickelt Brian A. Victoria unter Rückbesinnung auf den Kern der ältesten Lehrreden Buddhas Perspektiven für eine vom Mitgefühl und der Lebendigkeit getragene Reform der erstarrten und veräußerlichten japanischen Traditionen.
Ich habe das Buch innerhalb von 2 Tagen mit großem Interesse und Gewinn gelesen.
Paul Aryamano S.
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