Dick und fett steht gleich zu Beginn des Vorworts, dass niemand über Zen reden sollte, der den Weg nicht selbst lange gegangen ist. Ob ein solches Redeverbot so sonnvoll ist, bezweifle ich allerdings. Vor allem dann, wenn es der Anspruch erhoben wird, den Lesern zu illustrieren, wie die Zen-Praxis ein besseres Zeitmanagement, ein ausgeglicheneres Leben und eine wirkungsvollere Kommunikation ermöglicht. 25 Jahre dauert der Erfahrungsweg der Autorin schon. 25 Jahre, die sich nicht einfach durch deren Beschreibung auf anderen übertragen lassen. Die Gefahr ist also beträchtlich, dass man zwar beim Lesen immer wieder nickt, aber am Schluss trotzdem der gleiche Mensch wie zu Beginn der Lektüre ist. Ausser dass man vielleicht intensiver darüber nachdenkt, endlich einen kleinen Schritt zu tun und zu handeln.
Brigitte van Baren hat von grossen Meistern gelernt, geübt, geübt und geübt. Und so konnte sie langsam andere Modelle der Lebensgestaltung verinnerlichen. Ob das letztlich dazu führte, dass die übliche Trennung zwischen einem selbst und der Aussenwelt verblasste und schliesslich verschwand, kann ich nicht beurteilen. Aber seit den neurowissenschaftlichen Experimenten mit Mönchen des Dalai Lama, kommen berechtige Zweifel an solchen Effekten auf. Denn obwohl das Gehirn plastisch und dynamisch ist, lassen sich nicht alle Grenzen zum Unbewussten überwinden. In den Passagen, die Zen-Übungen wissenschaftlich erklären wollen, wird vieles verschwommen und allzu mystisch dargestellt.
Wer das Buch als leicht verständlichen und persönlichen Erfahrungsbericht liest, wird Kauf und Lektüre sicher nicht bereuen. Aber wer glaubt, er finde leicht anwendbare Rezepte oder Regeln, wird schon bald feststellen müssen, wie begrenzt die Wirkungskraft von Bücherwissen ist. Schafft man es dennoch, sich von den erzählten Geschichten anstecken zu lassen, sind vielleicht kleine Retouchen an lange eingeübten Gewohnheiten noch möglich.
Mein Fazit: Kaum ein Leser wird daran zweifeln, dass Konzentration, Leistungsfähigkeit und innere Balance die Schlüssel zu einem kraftvollen Arbeits- und Privatleben sind. Und ebenso unbestritten ist, dass ein Achtsamkeitstraining persönliche Potenziale fördert. Brigitte van Baren zeigt die Möglichkeiten auf, die Zen bietet und kann so eine Neugier wecken, die vielleicht dazu motiviert, einen ersten Schritt zu machen. Ich habe allerdings Bedenken, dass die Kluft zwischen Anfängern und Meistern allzu gross ist.