Den Buchtitel seiner eigenen Autobiographie „Zeitverschwendung" zu nennen, hat schon was. Der Philosoph Paul Feyerabend schriebt dieses Buch gegen Ende seines Lebens, ein Jahr vor seinem Tod. Er zeigt viel Sinn fürs Detail, ist unterhaltsam und amüsant. Aber was den Leser fesselt ist die fast berührbare Nähe, die er in diesem Buch zulässt.
Der Autor unterteilt sein Leben in fünfzehn gut gewählte Kapitel und beginnt, wie sollte es anders ein, mit seiner Familie. Kindheit und Schulzeit wird genügend Raum gewidmet. Zu diesem Zeitpunkt des Lesens fühlt man sich schon fast wie ein Schulkamerad von Paul. Es folgt der Krieg mit einer sicher prägenden Verletzung seines Körpers und auch seiner Seele. Trübsal gehörte sicher nicht zu den Fächern, die der Theaterwissenschaft, Geschichte, Mathematik, Astronomie und Philosophie studierende Feyerabend mit Begeisterung in sich aufnahm. Das Philosophie am Ende steht und zu dem wird, was er zukünftig unterrichtet ist sicher kein Zufall.
Ruhelos oder neugierig durchstreift er die westliche Welt und ist gern gesehener Dozent an Universitäten in Bristol, Berkeley, London, Berlin und Neuseeland (die Liste ist damit nicht vollständig). Ein mit Arbeit und Liebe erfülltes Leben endet für Paul Feyerabend mit dem Wunsch, das nicht sein Geist sondern allein die Liebe weiterlebe.
Das Buch enthält leider nur wenige, aber gut gewählte schwarzweiß Fotos aus Feyerabends Leben. Für den, der mehr über den Autor und sein Leben wissen möchte ist dieses Buch ein Leseschmaus. Ebenso werden es interessierte Leser von Biographien zu schätzen wissen.