'Zeitspuren', erschienen in der vom Heyne-Verlag herausgegebenen Reihe Meisterwerke der Science-Fiction, versammelt die zwei Romane "Von Zeit zu Zeit" aus dem Jahre 1970 und die Fortsetzung "Im Strom der Zeit", die der Autor Jack Finney 1995 kurz vor seinem Tod noch fertig stellte.
(Das bekannteste Buch des Autors ist übrigens "Die Körperfresser kommen", das bereits mehrmals verfilmt wurde, zuletzt unter dem Titel "Invasion" mit Daniel Craig und Nicole Kidman.)
Der erste Roman ist mit etwas mehr als 500 Seiten der umfangreichere gegenüber den ca. 350 Seiten des Fortsetzungsromans.
Um es vorweg zu nehmen: Eigentlich hätte nur der erste Teil es verdient, in die Liste der "Meisterwerke der Science-Fiction" aufgenommen zu werden; die Fortsetzung fällt leider deutlich ab (trotz sehr spannendem Beginn und interessanter Ausgangslage). Was den ersten Teil angeht, so muss man aber sagen, dass er in einer Liste der besten Zeitreise-Romane einen Platz weit vorne verdient hätte.
Protagonist beider Romane ist Simon Morley, der von einer im Geheimen operierenden (aber von der Regierung und der akademischen Wissenschaft unterstützen) Organisation angeworben wird, die das Zeitreisen ermöglichen will. Morley erweist sich schnell als ausgesprochen talentiert und es gelingt ihm, Reisen in die Vergangenheit durchzuführen.
Die Zeitreise-Methode, die der Roman vorstellt, ist ausgesprochen simpel und originell zugleich. (Da dies einen wesentlichen Reiz des Romans ausmacht, soll an dieser Stelle nicht verraten werden, wie es funktioniert. Erfreulicherweise kommt der Autor gänzlich ohne pseudo-physikalische Erklärungen oder Zeitreise-Maschinen aus.)
Morley reist im ersten Roman in das New York Ende des 19. Jahrhunderts, im zweiten Roman in das New York im Jahre 1912. Das Besondere an beiden Romanen ist sicherlich auch, dass der Autor zahlreiche historische Photographien von Gebäuden und Menschen in den Text einfügt und es geschickt so darstellt, als habe die Hauptfigur die Fotos selbst gemacht.
Überhaupt macht es den Reiz des ersten Buches aus, dass die Begeisterung, die der Zeitreisende emfindet, als er das New York der Vergangenheit durchstreift, deutlich wird. Ausführlich werden die Gebäude und Straßen, die Gesichter der Menschen und ihre Kleidung geschildert, und aus allem spricht das Gefühl des Überwältigtseins von der Erfahrung dieses Erlebnisses. In diesem Punkt ist Jack Finneys Zeitreise-Roman vielleicht unerreicht.
Mancher Leser wird womöglich finden, dass die Beschreibungen zu ausführlich sind und die Handlung dadurch zu langsam voranschreitet. Aber es lohnt sich, weiterzulesen, das letzte Drittel des ersten Teiles ist sehr spannend und der Schluss wartet mit einer sehr gelungenen Pointe auf.
Wie bereits erwähnt, reicht die Fortsetzung leider nicht an das Original heran. Der zweite Roman beginnt zwar sehr gut, lässt im weiteren Verlauf aber immer mehr nach und kann mit der an sich sehr guten Ausgangsidee nichts anfangen. Obwohl er weitaus intensiver als der erste Teil die entscheidende Frage nach der Beeinflussung der Vergangenheit zur Veränderung der Zukunft thematisiert, vermag der zweite Teil nicht zu fesseln, die Handlung tritt hier tatsächlich auf der Stelle. Auch der Schluss des Romans ist unbefriedigend. Wichtige Fragen scheinen zudem nicht mitbedacht und bleiben demzufolge auch ungeklärt.
Fazit: Für alle Fans von Zeitreise-Romanen lohnt sich der Kauf aufgrund des hervorragenden ersten Teils auf jeden Fall.