Zeit ist ein grundlegendes Element des Films. Darin liegt die maßgebliche Differenzqualität zur Fotografie: Film kann Zeit einfangen und sie bewegt/bewegend wiedergeben. Doch Zeit ist nicht gleich Zeit: Eine 12minütige Einstellung bei Tarkowskij zehrt an der Geduld so mancher Zuschauer, wohingegen 12 rasant geschnittene Minuten im Actionfilm wie im Fluge vergehen. Zeit-Managment ist das Stichwort: Wie geht Film mit Zeit um? Das Bremer Symposium zum Film hat sich diese Frage gestellt und seine alljährliche Veranstaltung entsprechend ausgerichtet. Die Vorträge liegen nun in diesem Band gesammelt vor.
Dieser versammelt eine gute Spannbreite gegenwärtiger Prominenz aus Filmpublizistik und -wissenschaft, entsprechend breitgefächert die Fragestellungen, die Ansätze und die Themenfelder. Lesenswert ist erfreulicherweise nahezu jeder Aufsatz, erschwert wird die Lektüre allenfalls durch etwaige Nicht-Kenntnis des behandelten Films. Manche Texte sind dann sogar nicht nur lesenswert, sondern auch inspirierend: So ist etwa Georg Seeßlens Lynch-Interpretation beinahe schon spannender als sein (ohnehin sehr nebulöses) Lynch-Buch. Auch Thomas Elsaessers von MEMENTO ausgehender Gedankenanstoss zu einem post-mortem-Kino ist nicht ohne Reiz. Erfreulich zudem die ausgewogene Balance zwischen aktuellem und klassischem Kino, zwischen Fragen der Filmwissenschaft und der generellen Wahrnehmung von Film. Auch die Illustration ist wie stets hervorragend.
Nach dem eher durchschnittlichen, weil thematisch bedingt allenfalls vorhersehbarem, Vortragsband des letzten Jahres (wo/man - Kino und Identität.) hat das Bremer Symposium zum Film hier sin schönes Buch für Cinephile herausgebracht, die sich gerne mit den grundlegenden Elementen von Filmen beschäftigen. Empfehlung für solche also!