Vor nun mehr 38 Jahren erschien das erste Album der Fischer. Damals noch als Sängerin von Panta Rhei, gemeinsam mit u.a. Herbert Dreilich. Schon die zweite LP trug dann auch Ihren Namen und es folgten viele wundervolle Alben, die leider nicht immer die Beachtung bekamen, die sie verdient hätten.
Vor 38 Jahren? Irgendwie seltsam ist das schon, denn hört mann das neue Werk "Zeitreise" und durchblättert das Booklet, dann hört und sieht man eine Frau, der man die 38 abnimmt - als Lebensjahr!
Nun, sie ist 60 geworden im Juli und so unglaublich das auch ist, so legitim und Grund genug ist es auch an einer solchen Lebensstation einen Blick zurück zu wagen. Doch "Zeitreise" ist nicht einfach ein Best-of-Album das mit einem neuen Cover-Foto dekoriert die großen Hits aufreiht. "Zeitreise" ist kein Durchblättern alter Fotos, sondern ein Neumalen aus der Erinnerung an Vergangenes. Alle 13 Stücke auf dem neuen Album sind vollkommen neu entstanden, wenn auch zum Teil vor Jahrzehnten geschrieben.
Ob das von Herbert Dreilich geschriebene "Nachts" vom Panta Rhei Album 1973, oder der Kult-Hit "Auf der Wiese" (1975), das ewig schöne "Was ist dabei" vom gleichnamigen Album des Jahres 1993, über neuere Klassiker wie "Lied vom Schnee" (2004) und "Sommerbild" vom letzten Album "Unterwegs zu mir" (2008), bis hin zu den beiden ganz neuen Stücken "Mein seltsames Leben" und "Ein Blick, ein Kuß, mehr nicht", die notabene beide das Potential zu künftigen Fischer-Klassikern haben, alle 13 Lieder des Albums eint der feine Pop-Chanson-Stil, den die Fischer seit Jahren von Album zu Album perfektioniert.
Kein Lied ein Füllsong, jedes Lied liebevoll neu erdacht und angenehm abweichend vom Original arrangiert. Kein pseudo-moderner und computer-gesteuerter Wummer-Sound, sondern durchweg im warmen, satten Klang analoger Instrumente. Und genau da liegt das große Versäumnis des Albums, die verpaßte Chance. In den achtziger Jahren hatte Veronika Fischer eine Reihe großer Hits ("Westendpark", "Sehnsaucht nach Wärme", "Ein Gefühl wie das Leben", "Hey Du", "Ich will den Sommer" etc.), die allesamt zurecht erfolgreich waren und heute Klassiker sind, aber im damals typischen Keyboard-Sound beiweitem nicht ihr volles Potential ausschöpften, denen eine Restauration in Form einer kompletten Neuaufnahme gut getan hätte. Sie alle fehlen. Schade, denn mit 50 Minuten Spielzeit hätte der Datenträger CD noch Platz genug geboten das Album umfangreicher geraten zu lassen.
Dennoch ist "Zeitreise" ein Juwel, denn die 13 enthaltenen Stücke sind ausnahmslos großartig, es hätte nur gerne etwas mehr sein dürfen...