Die hilfreichsten Kundenrezensionen
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12 von 12 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Poesie und Betrachtung hinter den Dingen, 1. August 2009
Wenn die Erde sich des Menschen als ihres klügsten Sohnes bedient, so mutmaßt Ernst Jünger (1895-1998), ist die Gefahr prometheischer Bildungen und ihrer Schicksale groß. Unter diesen Voraussetzungen wächst sie im "götterleeren Raum" weiter. Jünger: nicht der Verstand, sondern der Geist als kosmische Macht ist Partner der Erde. Von der Biosphäre zur Noosphäre war das Ansinnen bei Teilhard de Chardin und seine prägnante Vision von der Einheit von Geist und Materie findet Widerhall bei Jünger. Höhere Geisteskräfte bemächtigen sich wohltätig aller zukünftigen evolutionären Bewegungen. Jünger betrachtet diese Grenze von Physik und Metaphysik auch unter dem Aspekt der Zeit, die es am Anfang nicht gab und am Ende zum Augenblick oder zur Ewigkeit wird. Damit sind alle seine mutigen Gedanken auf dem Grat der Zeitmauer, auf dem sich die Zeiten treffen und gar überlagern.
Unter dieser Maxime werden historische und tradierte Zeiten bedacht, als messbare Zeit oder als Schicksalszeit. Es ist die Zeit der Geschichte oder die Zeit der kosmischen Wiederkehr (vgl. Mircea Eliade). Er differenziert zwischen der menschlichen Betrachtung und den siderischen Einteilungen, versucht aus dem Horoskop, der Astrologie die Mythen in den Zusammenhang der Astronomie zu setzten, spricht von den religiösen Instinkten und der klaren Unterscheidung von Wissen und Glauben, was auch bei Schopenhauer (P&P II, §175) zu lesen ist und in der Rezension über "Die Entstehung des Menschen" Beachtung findet.
Jünger spürt dem Geschichtsbild Spenglers nach, zieht den Prediger Ben Akiba zu Rate und beobachtet die Aussagen des Goldenen Zeitalters zur Zeit Hesiods in den Ausprägungen von heute oder der Zukunft. Ihm gelingt es, den Blick zu schärfen und durch die Dinge zu sehen, um "zurück zu den Dingen" zu kommen, dem Wesen der Dinge sich zu nähern.
Seine Art der Betrachtung überrascht, verändert den Blickwinkel und lässt größere Offenheit zu. Schöpfungsplan und Menschenplan zu vergleichen, ist eine Sicht an der Zeitmauer, die den Tod transzendiert und an eine Harmonie glaubt, weil eben alles, ob Untergang oder Aufbau, sich auf einem begrenzten Spielfeld abspielt und in Summe sich als unerschöpfliche Harmonie, Pythagoras würde von der Sphärenharmonie sprechen, offenbart.
Wenn Jünger vom "gemeinsamen Sitz des Wissens" spricht, springt die Gleichheit mit der Noosphäre Teilhards ins Auge, man könnte die Sicht von Capurro, McLuhan nehmen, und die technische Welt des Internets als Übergangsphase zu einer Ein-Geist-Struktur deuten.
Fest steht, dass man auf der Welt sich bewegt, irgendwo ankommt und sich heimisch fühlt. Fest steht auch, dass die Bewegungen und Ereignisse des Universums Riten bildend waren und sind und dass der Mensch sich unterordnend einbettet in ein Ganzes. Auch wenn die Richtungslosigkeit Kolumbus' eine Entdeckung war, ist der Kompass nicht mehr, als eine Nutzung der Erd(Universums)-Gegebenheiten, die freiwillig übernommen werden. So wie Hesiod versprach, dass neue Fruchtbarkeit im Chaos Götter versinken lässt (Theogonie), so wird die technische Entwicklung die alten technischen Götter ins Jenseits schicken.
Zu guter Letzt sei an Sindbads Erste Reise als Seefahrer erinnert. Sein Schiff legte vor einer Insel an, er und die Besatzung gingen an Land. Sie ahnten jedoch nicht, dass diese Insel ein ungeheurer Fisch war, der erst durch das Feuer beunruhigt, in den Abgrund fährt. Welch ein Bild! Es zeigt, was Jünger meint, wenn er menschliches Handeln und kosmische Bewegung ursächlich verknüpft.
Mit diesem Blick ist das Denken entlang der Zeitmauer mit Jünger aus dem Jahr 1957 ein Vergnügen und nicht ohne beseelten Optimismus. Denn auf ein Gemeinsames gerichtet wird der Mensch, wenn er sich selbst nicht verlässt, von der Mutter Erde nicht verlassen, so das finale Versprechen Jüngers.
Es ist ein anderer Jünger als derjenige der Stahlgewitter oder der an den Marmorklippen.
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19 von 20 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Eine poetische Betrachtung zur Menschheitsgeschichte, 13. Juni 2001
Von Ein Kunde
In diesem Buch versucht Ernst Juenger dem Leser die Augen dafuer zu oeffnen, das Poesie sich nicht nur in Gedichten ausdrueckt, sondern dass sie vielmehr eine Form der Betrachtung darstellt. Er versucht daher in "An Der Zeitmauer" im Lesenden ein Bewusstsein dafuer zu erwecken, dass hinter all den heutigen, oft so trivial erscheinenden Vorgaengen ein tiefer Sinn verborgen liegt, welchem zu naehern der Mensch nur in seiner Ursprache, der Poesie befaehigt ist. Er behandelt hierbei die verschiedensten Arten von Weltgeschichtseinteilungen, nach menschlicher, historischer, und erdgeschichtlicher Sicht. Dabei wirft er ein interessantes Licht auf den eigentlichen Sinn der Astrologie. Ernst Juenger gleicht einem Fischer, der staendig sein poetisches Netz auswirft, um die grossen Fische der Realitaet darin zu fangen. Und tatsaechlich zieht er in diesem Essay ein paar der herrlichsten Tiere aus dem trueben Wasser. Dieses Buch ist fuer jeden nicht nur lesenswert, sondern ein Muss, der hinter allen Erscheinungen mehr vermutet als nur Zufaelligkeit, dem jedoch der Faden fehlt, um die Dinge festzumachen. Der Autor bietet ihm hier eine ganze Rolle an, und verweist ausserdem staendig auf andere Faecher, in denen weitere Unzaehlige davon zu finden sind.
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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Alles Vergängliche ist nur ein Gleichnis, 27. April 2009
Schon seit vielen Generationen gehört der Eindruck, die Weltgeschichte schreite in immer schnelleren Schritten voran, zum Lebensgefühl des modernen Menschen. Im 20. Jahrhundert hat sich diese Empfindung der Beschleunigung im allgemeinen Bewusstsein weiter gesteigert, und auch am Beginn des 21. Jahrhunderts scheint das Schnellerwerden des Wandels im technischen und ökonomischen Geschehen unvermindert anzuhalten. Ernst Jünger fragt in seinem Text "An der Zeitmauer" nicht nach den Ursachen dieses Phänomens, sondern nach seinem gleichnishaften Gehalt: Was drückt sich im Beschleunigungsphänomen symbolhaft aus? Was bedeutet es, wenn unter den Paradigmen des Rationalismus, des Materialismus, der Technokratie und ihrer Wissenschaft ethisch-moralische Grenzen verwischen, die Nationalstaaten durch globalisierte Gebilde abgelöst werden und sich der klassische zwischenstaatliche Krieg in neue, eher bürgerkriegsähnliche Formen der Konfliktaustragung transformiert? Jüngers Befund: Wir stehen an einer Zeitenwende, und was da endet bzw. neu beginnt, ist ein Zyklus von so großem Umfang, dass er mit den Kategorien des historischen Menschen nicht zu fassen ist, sondern in erdgeschichtlichen Dimensionen verstanden werden muss.
Wenn man diesen mittlerweile fünfzig Jahre alten Text liest, stellt man verblüfft fest, wie viele unserer heutigen Probleme und Gedanken einem unabhängigen Geist bereits vor einem halben Jahrhundert klar waren. Wer Jünger auf seiner Suche nach dem Sinn der Zeit begleiten möchte, muss bereit sein, einige überkommene Denkgewohnheiten des aufgeklärten Abendländers zu relativieren. Kausalität, Statistik, Linearität sind Brillen, die uns bei der Interpretation der Welt behilflich sind, die aber zugleich auch Scheuklappen bedeuten, welche in mancher Hinsicht den Blick auf eine umfassendere Wirklichkeit verstellen.
Ökonomen sprechen vom Bevorstehen der größten Wirtschaftskrise aller Zeiten, Astronomen von außergewöhnlicher Sonnenfleckenaktivität um das Jahr 2012, Astrologen vom Beginn des Wassermannzeitalters, und Kulturhistoriker verweisen auf das Ende des Maya-Kalenders im Jahre 2012 - die Stimmen, die auf eine Zeitenwende hinweisen, mehren sich aus unterschiedlichen Richtungen. Wer wissen möchte, was sich da wirklich vollzieht und was das für die Menschheit bedeutet, sollte "An der Zeitmauer" lesen.
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