Die Idee des Buches scheint gut, das bekannteste Terminplanungsprogramm und einer der bekanntesten Zeitgurus (oder sein Adlatus) erklärt es uns. Ist diese Mischung gut?
Meine Erfahrungen sagen: NEIN. Formal sieht das alles sehr schick aus und ich kann noch viel mehr in Klickibunti-Outlook planen als ich jemals gedacht hatte. Doch ich komme keinen Deut besser weg mit meinem Aufwand. Es wird zwar ständig was umgebaut, umgeplant, neu eingefärbt, und immer wieder die "25.000 Dollar-Methode" benutzt, doch immer noch hechele ich dem chaotischen Tag mit Outlook hinterher, ohne dass alles substanziell besser wird. Warum?
Outlook organisiert meinen Tag zwar bunter und automatisierter aber nicht besser als die meisten Papierplaner. Wenn ich Emails lese, versuche ich immer noch, diese möglichst schnell zu erledigen, da sie ja in 5 Minuten erledigt werden können, doch dann brauche ich doch viel länger, es kommt was dazwischen, etc. Wenn mein Tag blau ist (für den "Lebenshut" Vater) mache ich was mit meinen Kindern abends, sonst eben nicht, weil da habe ich ja den nächsten Lebenshut auf? Tja, da kennen Sie meine Kinder schlecht. Oder meine Frau. Oder meine Freunde. Oder meinen Boss.
Gegen dieses Dilemma kämpft Herr Seiwert in diesem Outlook-Gebetsbuch wie Don Quichote mit immer mehr Planung an. Doch statt zu fragen, ob man hier überhaupt in die richtige Richtung denkt, versucht er uns von 100km/h auf 110 km/h zu beschleunigen, indem wir immer mehr Planungs-Turnübungen absolvieren. Die heissen zwar schick Wochenplanung, Tagesplanung und Lebenshüte aber sind deswegen genauso wirkungslos wie noch mehr Aufgabenlisten auf Papier.
Viel besser wäre es, über unseren Kopf, unsere Arbeitsblockaden und den Umgang mit echtem, täglichen Chaos nachzudenken. Und genau das bietet dieses Buch nicht. Ich habe von einem anderen Buch viel mehr gehabt. Von "Wie ich die Dinge geregelt kriege" von Dave Allen. Denn der geht inhaltlich an das Problem heran, klärt sofort, dass Aufgaben und Termine nicht in das gleiche Werkzeug gehören (Sakrileg gegen Outlook), fragt sofort, wie man denn physikalisch existenten Papierkram jemals mit einem PC-Werkzeug sortieren will. Dann räumt er mit dem Dogma auf, dass der Tag als ganzes "geplant" werden kann und beschäftigt sich mit der einzig relevanten Planungsfrage: Was ist der nächste Schritt bei meinem jetzt konkreten Tun und wie bekomme ich die 120 anderen Aktivitäten des Tages sinnvoll geregelt (=aus dem Kopf!)
Auch noch sehr störend bei Herrn Seiwert waren die nervtötenden, super-"coolen" Anglizismen vom "European Leader in Zeitmanagement-Consulting" über die "Meeting-Organisation" und das "Eisenhower-Prinzip" bis hin zum "Zeit-Management-Tool" Das Buch ist voll von solch schicken Unverständlichkeiten.
Fazit: Tolle Verpackung, Inhalt ist gut gemeint aber weitgehend wirkungslos. "Outlook: The missing Manual" wäre vielleicht ein besserer Titel gewesen.