Ich muss meinen "Vorredenern" leider zustimmen: um diese Chansons einigermaßen glaubwürdig interpretieren zu können, muss man ein bestimmtes Gefühl vermitteln. Das aber befindet sich nicht im Repertoire von Frau Leandros. Sicher, alles ist annehmbar gesungen, aber die Produktion klingt (Rauschen im Hintergrund) sehr billig und dann diese Texte: am allerschlimmsten das Remake von "Non, je ne regrette rien". Warum glaubt eigentlich eine äußerst begabte Schlagersängern ständig, dass sie zu Höherem berufen ist ??? NEIN, Frau Leandros kann es nicht so gut wie die Piaf und wenn man an den Originalen nichts verbessern kann oder den Songs neue Aspekte abgewinnen kann, was soll das Ganze dann ? Ich bin es als langjähriger Fan auch leid, dass kein Interview mehr vergeht, ohne dass Frau Leandros auf ihre "Weltkarriere" hinweist, dass sie ja schon eigentlich immer anspruchsvolle Chansons gesungen hat usw. Der Gipfel ist ihre 35jährige Jubiläumstour. Ihre erste Single erschien 1965, also vor 45 Jahren. Da kann man noch so viel Zeit für Kinder und das Private abziehen- dieses ewige "Wie mach ich mich jünger" is extrem lächerlich. Und genau das ist der Punkt, der mich an diesen Interpretationen so stört: wirklich große Künstlerinnen, die ein gewisses Alter erreicht haben, dürfen sich durchaus mal ein paar melancholische Emotionen erlauben, ein bisschen Wehmut, eine altersgemäße Glaubwürdigkeit (auch stimmlich). Aber Frau Leandros bleibt mit ihrem Gesang so dermaßen an der Oberfläche, dass sie nicht im Entferntesten an Dalida und Co heran kommt. Wenn sie sich mal zu richtigen, emotionsgeladenen Interpretationen hinreißen ließe, sähe die ganze Sache sicherlich anders aus- aber so ? Ein schreckliches Produkt und ich kann auch diese ganze Getue á la "Ich bin ja eigentlich Chansonsängerin und mache nur zwangsweise Schlager" nicht mehr ertragen. Wen dem wirklich so wäre und Frau Leandros wirklich eine Chansonsängerin wäre, dann würden sich ihre Interpretation nicht so lieblos herunter geleiert anhören. Sorry, ich war lange Fan, aber mit diesem (einem weiteren) schreklichen Album wurde ich endgültig vergrault. In einer der vor mir erstellten Rezensionen fiel das Wort "aristokratisch". Ja, das ist sie, aber aristokratisch heißt auch, stets Haltung zu bewahren- und dass passt furchtbar schlecht zu diesen gefühlsbetonten Chansons. Wenn Vicky mal ihre echten, wahren Gefühle zeigen würde in ihrem Gesang, wäre alles gut. Aber das hier ist French Soul ohne Seele.