Wie soll man diese Scheibe nur bewerten? Dieser Frage sehen sich wohl viele eingefleischte Pumpkins-Fans unweigerlich ausgesetzt.....und zwar auch nach noch so häufigem Durchhören. Eins vorneweg - die Pumpkins legen hier eine mehr als ordentliche Rock-Scheibe vor. Konfrontiert man Zeitgeist" aber mit dem Gesamtwerk der Kürbisse, schneidet diese Scheibe sicherlich höchst bescheiden ab, nein schlimmer, ihr bleibt letztendlich nur die im Sport so viel zitierte Rote Laterne". Mal ehrlich, wäre Zeitgeist" direkt nach Mellon Collie...." veröffentlicht worden, Musikpresse und Fans hätten das Werk in seine Einzelteile zerrissen und Corgan vorsätzlichen Ausverkauf vorgeworfen. Man wird dem Album jedoch nur gerecht, wenn man Corgans höchstpersönliche Entwicklung berücksichtigt. Wandelte er doch die letzten Jahre ziemlich orientierungslos im undefinierbaren Stilbrei, findet er nun (endlich) zu seinen rockigeren Wurzeln zurück.
Völlig überraschend kommt aber, dass sich Corgan fast ausschließlich auf geradlinige und ruppige Stücke beschränkt, die ohne große Einfälle schlicht und einfach treibend voran stürmen. Insoweit hält sich die Musik brav an das, was das Album-Thema Zeitgeist" und die meisten Song-Titel (z.B. United States", For God and Country" etc.) versprechen: Nicht die gewohnt kryptischen und geheimnisvollen Lyrics, sondern schnörkelloses aber wenig originelles Politik- und USA-Bashing. Der Opener Doomsday Clock" und das folgende 7 Shades of Black" geben stellvertretend die Richtung vor: Die Gitarren dröhnen und grunzen, die Drums werden von Chamberlin fast zur Besinnungslosigkeit windelweich geprügelt - ja, der Hörer kriegt von den Kürbissen endlich wieder mal ordentlich auf die Fresse! Darin spiegelt sich aber auch das Problem der Scheibe. Wo sind die wahrlich magischen Momente, die in den 90ern keine andere Band so zauberhaft zelebrierte? Wo ist die Melancholie der Siamese Dream"? Wo strahlt Corgan die unendliche Sehnsucht von Mellon Collie...." aus, die dann in blitzartige Wutausbrüche oder Ekstase umschlagen konnte? Dies waren die Attribute, die den Kürbissen den verdienten Kultstatus einbrachten und die Band von beliebigen Grunge-Kombos ihrer Ära abhob.
Erst Song 4, nämlich That`s The Way (My Love Is)", kommt an das Niveau alter Werke heran. Hier kreiert Corgan die so typische Pumpkins-Atmosphäre zwischen Zuversicht und Verzweiflung und brilliert mit seiner einzigartig zerbrechlichen Stimme.
An der ersten Single Tarantula" werden sich wohl die meisten Geister scheiden. Oberflächlich gesehen scheint es ein eindimensionaler Abrocker mit spröden Proll-Gitarren zu sein. Mir jedenfalls gefällt die Nummer ausgesprochen gut, weil hier die fette Produktion und die Retro-Gitarren einfach perfekt zur Songstruktur passen und der Song obendrein einen mitreißenden Refrain hat.
Weitere Glanzpunkte der Scheibe sind das treibende Starz" und das gefühlvolle Neverlost".
Das fast 10minütige United States" mag musikalisch (auch live) ein spektakulärer Höhepunkt sein. Gefühlsmäßig zieht mich dieses Rock-Ungetüm jedoch nicht vollends in seinen Bann.
Nach dem sehr gefälligen Bring the Light" lassen es die Kürbisse dann unauffällig aber routiniert ausklingen.
Fazit:
Eine x-beliebige Band hätte vielleicht 5 Sterne verdient. Den Pumpkins im Speziellen dürfte man jedoch höchstens 3 Sterne zusprechen, wenn man den alten Meisterwerken, die allesamt 5 Sterne mit +Zeichen verdient haben, gerecht werden möchte. Also erscheinen mir (gerade noch so) 4 Sterne als angemessen.
Anspieltipps: Titel 4,5,6 und 8.