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Zeitenwende 1956: Entstalinisierung, Suez-Krise, Ungarn-Aufstand
 
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Zeitenwende 1956: Entstalinisierung, Suez-Krise, Ungarn-Aufstand [Broschiert]

Luciano Canfora , Christa Herterich
5.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (1 Kundenrezension)
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Produktinformation

  • Broschiert: 126 Seiten
  • Verlag: Papyrossa Verlagsges.; Auflage: 1 (März 2012)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3894384859
  • ISBN-13: 978-3894384852
  • Originaltitel: 1956. L'anno spartiacque
  • Größe und/oder Gewicht: 19,6 x 13 x 1,6 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 5.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (1 Kundenrezension)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 512.075 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

Produktbeschreibungen

Kurzbeschreibung

Gekennzeichnet von dramatischen Ereignissen markiert das Jahr 1956 eine historische Zäsur: Der XX. Parteitag der KPdSU und Chruschtschows Geheimrede samt ihren fragwürdigen Umständen läuten die Entstalinisierung ein; die Suez-Krise drängt die traditionellen Kolonialmächte Frankreich und England in die zweite Reihe hinter den USA; der Ungarn-Aufstand mit seiner Niederschlagung betont die Hegemonie der Sowjetunion gegenüber ihren "Bruderländern"; im Kalten Krieg zwischen West und Ost kommt es zu ersten Anzeichen einer Entspannung. Mit teilweise wenig bekannten Dokumenten stellt Luciano Canfora überraschende Bezüge her. Sie zeigen, wie die Sowjetunion und die Westmächte bei ihrer Unterstützung bzw. Unterdrückung widerstrebender Nationalismen gleichsam spiegelbildlich agierten. Damit wird auch deutlich, wie eng all diese Ereignisse miteinander verknüpft waren. Ihre Interpretation ist bis heute nicht abgeschlossen. Sie bleibt grundlegend für das Verständnis des 20. Jahrhunderts.

Über den Autor

Luciano Canfora, Prof. Dr. phil., wurde 1942 geboren. Er lehrt klassische Philologie an der Universität Bari und ist ein international renommierter Experte der antiken Geschichte und Literatur sowie der Ideen- und Wissenschaftsgeschichte. Zahlreiche international beachtete Bücher. Sein Buch »Eine kurze Geschichte der Demokratie«, ebenfalls bei PapyRossa erschienen, hat auch in der Bundesrepublik eine lebhafte und bis heute anhaltende Debatte ausgelöst. Seine Biographie »Caesar Der demokratische Diktator« gilt auch hierzulande als Klassiker.

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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von Dietrich Marquardt TOP 1000 REZENSENT
1956, ein Jahr, in dem Weichen gestellt werden. Gut 10 Jahre sind seit dem Ende des zweiten Weltkrieges vergangen, aus dem die USA und die Sowjetunion als die großen Sieger hervorgegangen sind. Die alten (kolonialen) Großmächte Frankreich und Großbritannien sind vor allem wirtschaftlich geschwächt bzw. von den USA abhängig. Deutschland ist geteilt und noch weitgehend entmilitarisiert.

Der italienische Philologe Canfora behandelt (aus einer durchaus spezifisch italienischen Sicht) vor allem drei große Handlungskomplexe, die allerdings untereinander verflochten sind. Da ist die sogenannte Entstalinisierung, die mit der Geheimrede Chruschtchows auf dem 20. Parteitag der KPdSU beginnt - und zwar mit einem Paukenschlag. Folgen treten vor allem in den osteuropäischen Staaten Polen und Ungarn ein. Die kommunistischen Parteien, die dort regieren, weil diese Länder anerkanntermaßen zum sowjetischen Einflussbereich gehören, müssen Korrekturen in ihrer politischen Linie (etwa hinsichtlich der Kollektivierung der Landwirtschaft) vornehmen und das politische Spitzenpersonal austauschen. Während das in Polen mit Umsicht und politischer Intelligenz geschieht, stürzt Ungarn ins Chaos mit unrealistischen Bestrebungen (Austritt aus dem Warschauer Vertrag). Der militärische Einmarsch der Sowjetunion ist damit fast unausweichlich. Fast 3000 Tote in einem kleinen Land stellen eine Hypothek für das sowjetische bzw. kommunistische Lager dar. Ungarn selbst geht einen fast unpolitischen Weg zum "Gulaschkommunismus". Der Westen hatte die antisowjetischen Emotionen aufgestachelt - in vollem Bewusstsein, dass die UdSSR einen Austritt Ungarns aus ihrem Lager nicht zulassen könnte und der Westen nicht eingreifen würde. All diese Zusammenhänge zeigt Canfora kurz und erstaunlich präzise auf. Seine Diagnosen decken sich weitgehend etwa mit denen von Tony Judt in seiner "Geschichte Europas. Von 1945 bis zur Gegenwart".

Die Entwicklung auf der "Gegenseite": In Ägypten war von der Militärregierung Nassers der Suezkanal verstaatlicht worden. Israel, Frankreich und Großbritannien ahneten das mit einer gemeinsamen militärischen Aktion - in bester kolonialer Manier. Die UdSSR protestierte, die USA forderten ihre Juniorpartner zum Abzug auf. Diese gehorchten. Auch das passiert genau im vierten Quartal des Jahres 1956, in dem die UdSSR ihren abtrünnigen Verbündeten Ungarn zur realpolitischen Räson rief.

Am originellsten erscheint mir Canforas Darstellung der Rolle der blockfreien Staaten. Dazu gehörte Jugoslawien, das unter Tito durchaus orthodox-kommunistisch war, zu dem die UdSSR erst nach dem Tod Stalins gute Beziehungen wiederherstellte.

Blockfreie Staaten wie Jugoslawien unter Tito, Ägypten unter Nasser, Indien unter Nehru. Diese bildeten offenbar einen Machtfaktor, der von beiden Supermächten umworben wurde. Dafür wollten sie einerseits Ruhe im jeweiligen Einflussbereich (hier UdSSR) und andererseits keine provokativen Vorstöße der alten Kolonialmächte (USA).
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