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In Zeiten des abnehmenden Lichts: Roman einer Familie
 
 
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In Zeiten des abnehmenden Lichts: Roman einer Familie [Gebundene Ausgabe]

Eugen Ruge
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Produktinformation

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  • Gebundene Ausgabe: 432 Seiten
  • Verlag: Rowohlt; Auflage: 8 (1. September 2011)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3498057863
  • ISBN-13: 978-3498057862
  • Größe und/oder Gewicht: 21 x 13,6 x 3 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 3.8 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (64 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 177 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

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Eugen Ruge
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Produktbeschreibungen

Pressestimmen

«Überragend ... eine faszinierende Innensicht der DDR.» Felicitas von Lovenberg, FRANKFURTER ALLGEMEINE ZEITUNG

«Eugen Ruge ist ein Erzähler von einer Virtuosität, von einer sprachlichen Finesse, von einer erzähltechnischen Genauigkeit, wie man sie nicht alle Tage antrifft ... Meisterlich.» Andreas Isenschmid, 3SAT-KULTURZEIT

«Die Zeit ist reif für diesen unverstellten, humorvollen und einfühlsamen Blick.» Jörg Magenau, SÜDDEUTSCHE ZEITUNG

«Das eigentliche Wunder dieses Romans besteht aber darin, wie er jeder seiner Figuren Gerechtigkeit widerfahren lässt, in einer präzisen, unprätentiösen Sprache, die ganz auf Beobachtung setzt, die Bedeutung der Dinge, auf Gerüche, Gesten. … Es gibt nicht den geringsten Grund, der DDR als Staat hinterher zu trauern, aber es gibt eine Menge Gründe, das gelebte, das geglückte oder vergeudete Leben mit feinem schwarzen Humor zu erzählen.» Michael Kumpfmüller, DIE WELT

«Ein lebenskluger Roman.» Iris Radisch, DIE ZEIT

Kurzbeschreibung

Von den fünfziger Jahren über das Wendejahr 89 bis zum Beginn des neuen Jahrtausends reicht dieser Roman einer Familie. Im Mittelpunkt drei Generationen: Die Großeltern, noch überzeugte Kommunisten, kehren aus dem mexikanischen Exil in die junge DDR heim, um dort ihren Anteil am Aufbau der neuen Republik zu leisten. Ihr Sohn, als junger Mann nach Moskau emigriert und später in ein sibirisches Lager verschleppt, tritt die Reise vom anderen Ende der Welt, dem Ural, an. Er kehrt mit seiner russischen Frau zurück in eine Kleinbürgerrepublik, an deren Veränderbarkeit er weiterhin glauben will. Dem Enkel wird die Wahlheimat von Eltern und Großeltern indes zusehends zu eng - bis er, ausgerechnet am neunzigsten Geburtstag des Patriarchen, in den Westen geht. Die Strahlkraft der politischen Utopie scheint sich von Generation zu Generation zu verdunkeln: Es ist die Zeit des abnehmenden Lichts.

Ein halbes Jahrhundert gelebter Geschichte, ein Deutschlandroman voll überraschender Wendungen und Details: groß durch seine menschliche Reife, seine Genauigkeit, seinen Humor.


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61 von 67 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen Vorbestimmtes Versagen, 24. November 2011
Rezension bezieht sich auf: In Zeiten des abnehmenden Lichts: Roman einer Familie (Gebundene Ausgabe)
Man kann jedes Buch mit jedem vergleichen, so auch Ruges Roman mit den "Buddenbrooks". Doch "In Zeiten des abnehmenden Lichts" geht es nicht um Aufstieg und Fall einer Familie, sondern um Menschen, die Zeit ihres Lebens in Rollen gezwängt werden, denen sie nicht gerecht werden können. Es wird eine ständige Überforderung aufzeigt. Es ist die schonungslose Abrechnung mit Versagern - und dieses Versagen ist vorbestimmt, denn nicht sie beherrschen dieses Land, sondern ein PHANTHOM: Die Partei. Und die Partei hat immer Recht! Wir haben zu DDR-Zeiten das Lied von Louis Fürnberg 'im stillen Kämmerlein' abgewandelt: "Und wird dir auch hin und wieder schlecht, die Partei hat immer Recht." Um ein Land, das seine Führung nicht nach intellektuellen Fähigkeiten sondern nach langjähriger Parteizugehörigkeit, bei gleichzeitiger Bevorzugung von Kadern aus der Arbeiterklasse, auswählt, ist es schlecht bestellt. 2001 stellt Alexander fest, dass die gesamte wissenschaftliche Arbeit seines Vaters aus DDR-Zeiten (Im Umfang entspricht sie in etwa den Werken Lenins) inzwischen Makulatur ist, denn sie besteht aus HALBWAHRHEITEN, was ja letztendlich bedeutet, jede Wahrheit wird durch eine Lüge entstellt. In der DDR ist es so wie in dieser Familie: Alles ist in leerlaufenden Ritualen erstarrt. Es ist eine schonungslose Abrechnung mit einem glücklosen Leben. Selbst der so gepriesene Humor des Romans entspringt aus der Beschreibung der aussichtslosen Tristesse des Dasein, das selbst in Funktionärskreisen von Versagen statt Siegen, Mangel statt von Überfluss, von Krankheit und Tod statt von Gesundheit und Leben bestimmt wird. Auch Mexiko, wo andere touristische Hochgefühle entwickeln, erlebt der von Krankheit gezeichnete Hauptheld Alexander auf der Suche nach Spuren des Lebens seiner Großeltern im Exil, nur lärmend und beängstigend.
Das alles ist spannend und beeindruckend aufgeschrieben. Der Romans ist auf hohem literarischem Niveau strukturiert. Ruge springt nicht nur zwischen den Zeiten, sondern verändert auch ständig den Blickwinkel auf die Geschichte (Der Neunzigste Geburtstag des Altkommunisten Wilhelm 1989 wird nacheinander aus der Sicht seiner Lebensgefährtin, des Sohnes, dessen Ehefrau, der russischen Schwiegermutter sowie des Enkels beschrieben). So entsteht ein vielstimmiges Bild dieser Familie. Der heitere, gelassene Blick auf die Vergangenheit allerdings ist Ruges Sache nicht. Erfolgsgeschichten und glückliche Momente (die es in der DDR vielleicht ja auch hin und wieder gegeben haben könnte?) wird man in seinem Roman vermissen. Aber es ist seine Geschichte, die endlich erzählt werden musste, und es steht ihm zu, sie ins abnehmende Licht zu stellen. Fazit: Große Literatur!
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164 von 182 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen Nicht nur von Ochs und Esel aufgehalten, 6. September 2011
Rezension bezieht sich auf: In Zeiten des abnehmenden Lichts: Roman einer Familie (Gebundene Ausgabe)
Dieses Buch werden nur wenige Leser hierzulande emotionslos lesen. Zu oft hat sich durch den Beitritt der DDR zur Bundesrepublik Deutschland das wiederholt, was Eugen Ruge hier spannend und brillant als Familienchronik regelrecht inszeniert.
Die Handlung selbst ist schnell erzählt. Wilhelm gerät von der USPD in die KPD und betreibt eine Geheimdiensttätigkeit für die Sowjetunion in einer Hamburger Scheinfirma. Die "Machtergreifung" Hitlers zwingt ihn mit seiner Frau Charlotte ins russische Exil, wo ihre Söhne Werner und Kurt geboren werden. Die Söhne bleiben in der UdSSR, während die Eltern vom Geheimdienst mit schweizerischen Pässen versehen in Mexico neuen Aufgaben nachgehen. Dort warten sie auf den Untergang des Reiches und das neue Deutschland, das dann aber infolge der Teilung Deutschlands nur aus der sowjetischen Zone als DDR entsteht.
Ihre Söhne sind während des Krieges wegen ihrer Kritik am Hitler-Stalin-Pakt in Straflagern verschwunden. Nur Kurt taucht wieder auf und findet am Ural seine Frau Irina, mit der er den Sohn Alexander bekommt. Die drei ziehen in den 50ern nach (Ost-) Deutschland, wo sie in "Neuendorf" auf Wilhelm und Charlotte stoßen. (Neuendorf greift den slavischen Namen auf, den der Ort wegen der dort in Preußen angesiedelten Hussiten führte: Nova Ves, den meisten Lesern heute als ein Stadtteil Potsdams unter dem Namen Babelsberg bekannt. Der S-Bahnhof Großkrienitz ist entsprechend Griebnitzsee.) Bei der Rückkehr aus Mexico ist Charlotte für ihre Dienste zu einer Direktorin einer eigens gegründeten Akademie für die Literatur Lateinamerikas ernannt worden. Der zu nichts zu gebrauchende Wilhelm bringt es immerhin zum Vaterländischen Verdienstorden in Gold für seine Dienste in der Partei. Kurt avanciert zum führenden Geschichtsforscher an der (richtigen) Akademie. Alles bestens also?
Leider nicht. Irina leidet an der Unfähigkeit der Protagonisten, eine Familie zu bilden, besonders. Sie sucht periodisch Befreiung in der Betäubung durch Alkohol, der nach dem Scheitern der Ehe Alexanders mit Melitta, aus der inzwischen Wilhelms Urenkel Markus hervorgegangen war, ihrem Leben ein frühes Ende setzt.
Wilhelm, ohnehin ohne intellektuellen Tiefgang, verfängt sich im Altersschwachsinn, sodass sein kritikloses Parteigeplapper vollends zu Infantilismus verkommt. Charlotte möchte ihre letzten Jahre noch einmal leben und betreibt seine Einweisung in die Psychiatrie zwar ohne Erfolg, verwechselt dann aber versehentlich die als Beimischung zu Wilhelms Tee gedachten 2 Löffel Baldrian mit ihrer nur tröpfchenweise verträglichen eigenen Medizin. Vom Tod des 90jährigen hört man später nur beiläufig, wenn Kurts Welt zusammenbricht. Auf Alexanders Flucht in den Westen und Irinas Tod folgt mit der deutschen Einheit die "Abwicklung" seiner Wissenschaft und ein Abrutschen des Enkels in die Szene. Alles entschwindet, zuletzt er selbst in Alzheimers Nebel.
Das alles ist vielen vertraut und ein Roman, der es einfach erzählte, vielleicht kaum der Rede wert. Nicht, was Ruge erzählt, sondern wie er es erzählt, ist sensationell. Die Geschichte eines Jeden wird scheinbar ohne Rücksicht auf den Kalender durch Wilhelms Geburtstagsfeier geordnet und dies alles durch Alexanders Abschlusshandlungen geklammert. Entstanden ist damit wahrscheinlich der definitive Roman zur deutschen Einheit aus der ostdeutschen Perspektive. Dies, natürlich nur bisher und obwohl die Mauer darin kaum vorkommt. Sie ist dem Kurt nur ein Ärgernis, weil sie die S-Bahnlinie von Potsdam nach Berlin unterbricht und ihn zur stundenlangen Umfahrung der geteilten Stadt auf dem Weg zur Akademie zwingt. Ruge verherrlicht nichts, sucht für das Handeln der Personen des Romans keine Schuldigen, allerdings pustet er den - manchem lieb gewordenen - Puderzucker fort, der einige hässliche Stellen in den Geschichten über die Geschichte überlagert. Er wird damit in den "Lagern" links und rechts ein Ärgernis sein. Bei aller Achtung vor dem Turm: Dieses Buch ist wahrscheinlich die vorläufig endgültige literarische Behandlung des großen Themas. Eine komplementäre westdeutsche Erzählung steht freilich noch aus.
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11 von 12 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen Der Roman als literarische Zentrifuge, 26. Dezember 2011
Von 
ludwigwitzani (Köln) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REZENSENT)   
Rezension bezieht sich auf: In Zeiten des abnehmenden Lichts: Roman einer Familie (Gebundene Ausgabe)
Der vorliegende uniso hoch gelobte Roman erzählt die Geschichte einer kommunistisch geprägten Familie vor dem Hintergrund der DDR-Geschichte in der zweiten Hälfte des 20. Jhdts. Wenn man dem Klappentext glauben darf, handelt es sich um nicht weniger als eine Art DDR-Buddenbrock Roman, in dem über ein halbes Jahrhundert hinweg (1951-2001) Familiäres und Zeitgeschichtliches "überragend" (FAZ) und literarisch überzeugend verbunden wird. Der deutsche Buchpreis 2011 war die logische Folge dieser überschwänglichen Rezeption - auch die meisten amazon-Rezensenten überschlagen sich förmlich vor Begeisterung.

Ich kann diesem Urteil nur mit Einschränkungen zustimmen. Sicher, das Thema ist interessant, und die Abläufe des Buches werden im Detail anschaulich und einprägsam erzählt. Allerdings hat sich der Autor mit der formalen Konzeption seines Werkes selbst unnötig ein Bein gestellt. Denn Eugen Ruge präsentiert sein Buch als eine wahre literarische Zentrifuge, als ein Paket von zwanzig zeitversetzen Kapiteln, wobei die Erzählperspektiven von Kapitel zu Kapitel wechseln: mal erzählt Wilhelm der Altkommunist, dann seine genervte Frau Charlotte, schließlich deren Sohn Kurt und seine russische Frau Irina. Fünfmal sehen wir die Geschichte aus der Sicht Alexander Umnitzters, sogar der Urenkel Markus Umnitzer und die russische Schwiegermutter Nadescha Iwanowna kommen zu Wort.
Immerhin sind die zwanzig Kapitel in ihrer Gesamtheit so strukturiert, dass sie immer wieder auf zwei identische Zeitebenen verweisen: auf den 1.Oktober 1989, dem 90. Geburtstag des Altkommunisten Wilhelm Powileit, und das Jahr 2001, in dem der krebskranke Alexander Umnitzer auf den Spuren seiner Familie durch Mexiko reist. Die Schilderungen des Powileit-Geburtstages am 1. Oktober 1989 aus insgesamt sechs Perspektiven gehören für mich zu den stärksten Passagen des Buches. Der literarische Scharfblick und der feine Humor, mit der Ruge die private Wirklichkeit der kommunistischen Mentalität dekuvriert, zeigen den Autor als einen Erzähler von hohen Graden. Die fünf Kapitel über Alexander Umnitzer ( vier davon über seine Reise durch Mexiko ) sind als sentimentaler Reisebericht ganz gut zu lesen, sie tragen aber wenig zum eigentlichen DDR-Thema des Buches bei. In ihnen geht es um einen vereinsamten und kranken Erwachsenen, der sich aus reiner Perspektivlosigkeit in die Fremde flüchtet.
Neun Kapitel (1952,1959,1961, 1966, 1973,1976,1979,1991,1995) berichten an unterschiedlichen Stellen des Buches über die Entwicklung der Familie Powileit-Umnitzer - wieder aus verschiedenen Blickwinkeln, wobei die zeitgeschichtlichen Bezüge immer nur recht verhalten zu Wort kommen. Wirkliche Umbrüche werden in diesen Kapiteln nicht dargestellt, man erfährt immer nur retrospektiv, dass irgendetwas Neues geschehen ist, so dass man sich selbst nur mit einiger Mühe - immer unterbrochen durch die 1989er und 2001er Einschübe - beim Anlesen eines neuen Kapitels auf den letzten Stand bringen muss. Kein Wunder, dass bei diesem Verfahren die psychologischen Profile verschwimmen: Charlotte und Irina, obwohl sie sich gegenseitig keineswegs mögen, sind doch in ihrem Verhältnis zu Wilhelm und Kurt fast austauschbar, ebenso Kurt und Alexander in ihrer Beziehung zu ihren jeweiligen Vätern. Am Ende verfestigt sich der Eindruck, dass sich in diesem Roman neben einer DDR-Geschichte und einem melancholischen Reisefeuilleton auch eine Mann-Frau- und eine Vater-Sohn-Thematik befinden - aber wie alles nur beiläufig und verstreut dargeboten und darauf angewiesen, dass der Leser sich selbst aus dieser Ansammlung von Standbildern einen Film in seinem Kopf zurechtschneide. NUR wenn dieser hohe Anspruch an den Leser zugleich auch als Merkmal eines guten Buches gelten soll, handelt es sich bei dem vorliegenden Roman um ein gelungenes Werk.

Meiner Ansicht nach aber hat Ruge nicht nur mit dem Prinzip der Vor- und Rückblenden übertrieben, er hat seinem Roman neben der der Zeitebenenverschachtelung auch noch den permanenten Perspektivenwechsel hinzugefügt und damit einen wirklichen Spanungsbogen unmöglich gemacht.
Und das ist schade: denn die Figuren und die sich andeutende Handlung hätten mich, anders erzählt, extrem interessiert. Ruges humanistische Grundhaltung und sein erzählerischer Ton haben mich, unabhängig vom formalen Aufbau, beeindruckt - vielleicht lese ich den Roman deswegen noch einmal - diesmal aber so, dass ich nicht in der Zeit sondern im Inhaltsverzeichnis hüpfe und den Kapitel chronologisch folge.
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