Wer wissen will, wie Drewermann auf seine übermenschlich zahlreichen Veröffentlichungen kommt, der findet hier eine Antwort. Viele seiner Bücher sind nämlich unter anderem Titel erscheinende Neuauflagen oder Kompilationen. Letzteres liegt mit "Zeiten der Liebe" vor, einer Zusammenstellung von halb- bis zweiseitigen Zitaten zum Thema Liebe - der elterlichen, der zwischenmenschlichen, der geschlechtlichen und der Gottesliebe -, Tod, Angst und Glaube, also sämtliche Grundthemen seines Schaffens. Zusammengestellt wurde die Auswahl von Karin Walter, die sich vor allem auf die Märcheninterpretationen, die Interpretation der Kindheitsgeschichte, das Büchlein über den "Kleinen Prinzen" und "Psychoanalyse und Moraltheologie" u. a. bezieht, also eine recht begrenzte und mitunter willkürlich erscheinende Auswahl trifft (es fehlen z.B. die Hauptwerke "Tiefenpsychologie und Exegese" oder "Strukturen des Bösen" etc.). Es ersetzt die Lektüre der Werke Drewermanns nicht, gibt auch keinen adäquaten Einblick, denn es mangelt vollständig der eigentliche theologisch-psychoanalytisch-philosophische Ansatz, stattdessen werden in erster Linie "emotionale" und poetische Textpassagen präsentiert. Das hindert selbstverständlich nicht, den einen oder anderen wesentlichen Gedanken serviert zu bekommen. So ist das Büchlein wohl eher zur Erbauung geeignet, und ideal für die tägliche Straßenbahn.