Schon im Vorwort dieses Buches bin ich mit einigen Gegebenheiten sehr unzufrieden.
Es werden Zitate bzw. Bibelstellen aus dem Zusammenhang gerissen und für die jeweiligen Aussagen instrumentalisiert.
Z.B. zeichnet der Autor ein düsteres Bild der "Gemeinde". Nämlich als eine düstere Manege des "Machtstrebens und der Selbstbehauptung" (s.S. 10).
Beleg dafür sei Mk 10 (Die Bitte der Zebedäus-Söhne zur Rechten und zur Linken Jesu im Reich Gottes zu sitzen). Diese Stelle eignet sich aus meiner Sicht aber wenig, um daraus ekklesiologische Rückschlüsse auf vereinzelt vorkommende Gemeindebegebenheiten wie z.B. "Machtmissbrauch oder Selbstbehauptung" zu ziehen. Diese Begebenheit zeigt schlicht und einfach, dass zwei der Jünger in der Umsetzung der Lehre Jesu über "Demut" versagten.
Das Vorwort spricht auch in einer Stelle von Mt 8. Die Aussage Jesu: "Die Füchse haben Gruben, und die Vögel des Himmels haben Nester; aber des Menschen Sohn hat nicht, wo er sein Haupt hinlegen kann" bezieht sich auf die Überlegungen, die ein Mensch machen sollte, bevor er Jesus nachfolgen möchte (was der Schriftgelehrte in diesem Kapitel grob vernachlässigte). Diese Aussagen vom Preis der Nachfolge heissen also, dass man die Kosten und Mühen und evtl. sogar die dazugehörenden Leiden mit überschlagen muss, bevor man Jesu Jünger wird, und kann im Sinne des Autors nicht negativ und allgemein auf eine sesshaft gewordene Ortsgemeinde angewandt, oder als ekklesiologisches Merkmale einer Gemeinde verwendet, oder gar als Rezept verstanden werden, "wie" Gemeinde zu sein hat.
Dieses theologische Vorgehen ist das Gegenteil von Exegese, nämlich Eisegese (griechisch für "Fehlinterpretation"), denn man liest etwas in den Text hinein, was dieser gar nicht sagen wollte.
Im Beitrag von Frau Brudereck (s.S. 172), der eher einem Plädoyer für den Buddhismus gleich kommt, hört man dann die Worte Hans Küngs verhallen: "Ohne Religionsfrieden kein Weltfrieden", wobei Frau Brudereck mehr Wert auf die humanistische Gesinnung legt, als auf die Errettung Jesu vom Bösen und die Erneuerung durch seinen Geist. Sie vertritt in diesem synkretistischen, telegrammartigen, und m.E. hohlen Beitrag die These, der Mensch könne sich aus seiner eignen Kraft ändern und die Welt durch eigene Anstregungen (durch gut sein) ändern. Wer sich diese kaugummilange Endlosschleife von eigenwillig-aneinandergereihten Worten durchliest wird zum gleichen Ergebnis gelangen wie ich.
Noch etwas zu dem ökumenischen Hintergrund dieser Beiträge in diesem Buch. An vielen Stellen, wie auch schon im ersten Band, sprechen sie offen und sehr positiv von der Ökumene, wobei auffallend ist, dass einerseits immer wieder polemisch über Gegner der Ökumene geredet wird, andererseits Ökumene aber nie richtig in ihrer wesentlichen Bedeutung erklärt wird.
Dieses Buch möchte sich mit Heimatkunde befassen, so kann man dem Untertitel entnehmen. Mir kommt es aber so vor, als würde der Ort der Gemeinde als "Heimat" von diesen Theologen verneint. Auch tun manche so, als seien sie über alles bisher dagewesene erhaben. Als ein Beispiel sei nur mal die oft eigenwillige Sprache (viele Fachtermini, langer Satzbau) genannt.
Abschliessend mein Urteil: ein sehr überflüssiges Buch, höchstens ein Stern