Anita Natmeßnig legt mit "Zeit zu gehen" einen nachdenklich machenden Dokumentarfilm zu einem Thema vor, das sensibler kaum sein könnte: Sie porträtierte über Monate das Leben und Sterben von sechs Menschen am Ende ihres Lebens. Sie zeigt das Leben und das Sterben sechs todkranker Krebspatienten im CZ Hospiz Wien. Kurze Einblicke in den zugehörigen mobilen Hospizdienst runden die Bandbreite des rund 100-minütigen Streifens ab.
Es ist ein Film, der einen berühren muss. Er vermittelt in bemerkenswerter Weise und überaus eindringlich, wie das Leben an dessen Ende dennoch lebenswert gehalten werden kann. Er zeigt den Alltag der Menschen, das Sterben, die Totenwache und auch die Toten, wie sie in Frieden ruhen.
Es ist ein Zeugnis für die herausragende Arbeit des Regisseurin, die Menschen in einer ebenso intensiven wie intimen Weise eingefangen zu haben. Der Zuschauer gewinnt in vielen Stellen den Eindruck, dass die beobachteten Menschen das Gefühl haben mussten, gar nicht beobachtet zu werden. Es ist ein Film, der den Zuschauer mitnimmt in eine Welt, die viele von uns so lange wie möglich zu verdrängen zu suchen. Ein Film, der mit ganz wenig Worten und kaum Musik sich darauf konzentriert, die Menschen zu beleuchten und vielleicht gerade deshalb tief berührt.
Die DVD enthält neben dem Hauptfilm noch sechs Hintergrundfilme mit einer Gesamtlänge von insgesamt mehr als einer Stunde. Während im Hauptfilm die Sterbenden im absoluten Zentrum der Betrachtung stehen, beleuchten fünf dieser Streifen in Interviews die Mitarbeiter (samt ihrer Erfahrungen, Erlebnisse und Einstellungen) näher, der sechste ist ein (erhellendes!) Interview mit der Autorin.
Sehenswert!