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Die Zeit lief ab und sie träumte von Bonnie und Clyde. Gedichte
 
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Die Zeit lief ab und sie träumte von Bonnie und Clyde. Gedichte [Broschiert]

Andreas Schmitt


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Produktbeschreibungen

literature.de, 17. Oktober 2002

"Schwarz auf weiß liegen sie vor dir, die Wahrheiten. Aufs Papier gebannt und mit einer direkten Ansprache, die den Leser in den Bann zieht. Schmitts Lyrikband Die Zeit lief ab und sie träumte von Bonnie & Clyde bietet auf seinen 91 Seiten mehr als 50 Gedichte, die die Stimmung in klare, deutliche Worte fassen. Es hilft kein Verstecken oder verdrängen. Andreas Schmitt bringt die Inhalte mit seinen Formulierungen auf den Punkt. Flüssiger Aufbau und die melodische Sprache machen selbst inhaltlich schwierige Texte zu einem Lesespaß. Vor dem inneren Auge enstehen die Bilder, die der Autor entwirft. Klar, deutlich und ohne zu vertuschen: Klarheit, die man selten findet."

Raimund Samson, Hamburg, 06.11.2002

Der Autor ist ein Erzähler, der das Alltägliche, Unspektakuläre, Gewöhnliche liebt - zumindest zum Anlaß nimmt, um daraus klug und treffsicher pointierten Poeme zu verfassen. Aus jedem Tag, jedem Erlebnis, jedem Ding lassen sich Erfahrungen anreichern, Abenteuer - INSPIRATION. Diesen großen akademischen Begriff verwendet A. Schmitt nicht, der Rezensent erlaubt`s sich aber. Mit einer lockeren, selten heftig werdenden Schreibe erinnert sich der Autor an "Kindstage", an seinen Vater, an diverse Jobs, an seine Ex-Frau, an gewisse Situationen. Ich mag Gedichte wie "Daydreamer", "Der Priester" oder "Bedeutungslose Momente" ("... und unten auf den Straßen / die fremden Menschen mit ihren ausdruckslosen Gesichtern / die ich beobachtete und in der gleichen Sekunde wieder / vergessen hatte // und doch sammelten sich diese Blicke / zu einer Erinnerung, / die sich wie ein Stück Glut / in meinen Körper hineinbrannte"). Ich meine, daß bei S. aus manchem Nichts und Unscheinbarkeit Schönes, Heiteres aufscheint. Auch wenn "Father Death" präsent ist. Lest selber!

Robert Mayer-Scholz, Germering b. München, 01.12.02

Gedichte sind überholt. Gedichte kann man nicht verstehen. Gedichte sind überflüssig... Falsch! Zumindest wenn man die Gedichte von Andreas Schmitt`s "Die Zeit lief ab und sie träumte von Bonnie & Clyde" liest. Alleine schon deshalb, weil Andreas Schmitt`s Gedichte eigentlich keine Gedichte sind. Es sind Geschichten. Es sind Gedichte, die Geschichten werden, weil man sie vor sich SIEHT. Weil sie einem nicht fremd sind, sondern schildern, was WIR erleben und oftmals nicht sehen wollen. Dabei ist Andreas Schmitt gnadenlos ehrlich. Verschönt nicht. Und doch fühlt man sich nicht befremdet - wie bei manch anderen Autoren, die nach Bukowski`schem Vorbild schreiben wollen und doch nur billig sind. Gerade weil Andreas Schmitt vom Alltag erzählt, bekommt man das Gefühl, dass man nicht alleine mit dem Leben ist. Unbedingt lesenswert.

Thomas Stemmer, Nürnberg

Schmitt weiß Gedichte einzustreuen, die ermuntern und erfrischen, wie z.B. gleich auf S.12 das Poem `Good old Germany`, indem uns Dürer, Winckelmann, Hesse, Mörike, Wagner, Benn oder die Holbeinbrüder begegnen. Solche Begegnungen heben das Buch über das bei anderen Dichtern leider oft verbreitete "Mich kotzt alles an"-Gefühl hinaus! Er versteht es, das Abgründige im Leben, das so manchen aus der Bahn wirft, gut auszuwiegen mit einem Funken Vertrauen auf das eigene Glück, daß man es "letztendlich" schaffen wird. Das hinterläßt einen guten Geschmack bei der Lektüre! Was mir jedoch am meisten an Schmitts Gedichtband gefällt, ist der starke erzählende Moment. Am hinteren Endes des Buchdeckels angekommen verbleibt der Eindruck einer stetig fortlaufenden Erzählung, ganz so, als handele es sich nicht um einzelne Gedichte, sondern um ein Stück aus einem Guß. Eine kompakte Stimmung wie ein indischer Raga. Man kan einen sehr guten Einblick in eine Gestimmtheit bekommen, jenseits der Worte. Und ist das nicht Literatur? Mittels der Worte hinter die Worte zu kommen? Ich vermute es doch sehr.

Kurzbeschreibung

Leseprobe: Outsiders Fremd, versteckt, gebeugt gegen den Alltag sitzen sie in abgedunkelten Zimmern unter kratzenden Wolldecken, lassen sich von Songs aus dem radio berieseln & manche von ihnen schreiben Gedichte. Den Absprung aus der Gesellschaft schaffen, darum geht es ihnen, doch manche bleiben auf der Strecke, in der Mitte & sterben ein langsames Leben. Sie sind auf der Suche nach Luft zum Atmen, nach anderen Wegen & manchmal triffst du sie in Parkanlagen, Hasch rauchend & Alkohol trinkend, der ihre verbrannten Seelen kühlen soll. Sie haben nichts Gänsehaut Du sitzt auf deinem Fußboden, die Lampe scheint bieder über dich hinweg, und sortierst die alten Platten. Hendrix schreit dir direkt vom Cover ins Gesicht, Cobain wälzt sich rücklings auf dem Podium, die Füße gen Himmel gestreckt und der gute alte Lennon klimpert ein letztes Mal für diese Nacht sein Imagine in die Dunkelheit. Aber du bist nur noch innerlich ein kleiner Rebell. Schlurfst zum Kühlschrank, das verdammte Licht rammt dir Schlitzaugen ins Gesicht. Und alles was dir bleibt ist ein Beutel der fettarmen und ultrahocherhitzten Milch, die du in kleinen Zügen langsam in dich hineinkippst. Diese Gänsehaut, wie damals, sie kommt nicht mehr. Damals, in den Diskos, als du dein Girl anschreien musstest um dich mit ihm zu verständigen ... Zu Hause habt ihr dann die Anlage aufgedreht, die ganze verdammte Nacht lang, und eure Körper zitterten im Bass der Boxen. Heute ist fast nichts mehr geblieben, von damals, sie haben dich mächtig an den Arsch gekriegt. Diese verfluchten arbeitsgeilen Motherfucker. Rezension: Vor mir liegt der Debüt-Band von Andreas G. Schmitt "Die Zeit lief ab und sie träumte von Bonnie & Clyde", und mir fällt schwer, große Worte zu finden, die dieses Buch verdient hat. Aber der Versuch soll hinhalten; vielleicht mit einem gezielten Aufwärtshaken mitten in die Fresse, vielleicht mit einer Arschbombe in den Unterleib. Hier wird viel geboten - schweres Kino, harte Romantik, gefühlschaotisches Desaster. Denn ja, genau so schmecken die Gedichte von Schmitt, die oft kurze Momentaufnahmen wiedergeben und direkt aus den Gassen des Lebens auf's Papier gezimmert wurden. Schmitt schreibt ohne Gnade, er kennt kein Morgen und kein Heute, denn er möchte überleben. Immer wieder malträtiert er mit dem Mittelfinger den Schnatterzapfen der alltäglichen Glorifizierung unserer Gesellschaft, und macht schnell klar, dass er den heuchlerischen Dreck schon vor langer Zeit von seinen Schuhen gekratzt hat. Oft klingen seine Texte ohne Hoffnung auf, ohne große Erwartung auf einen besseren Morgen, doch findet er gelegentlich Formen zum Ausdruck, dass er noch nicht ganz - mit all dem Scheiß da draußen - abgeschlossen hat. Ein Mittel dagegen ist seine Schreibmaschine, die (s)eine Sprache hervorbringt, die oft knapp, eingeschränkt, lakonisch wirkt; doch ist dies kein schlechtes Zeugnis, sondern genau hier treffen seine Worte den Punkt, den manch Bestseller-Autor nicht einmal in seinen Wälzern ins Ziel gefasst hat. Schmitt schafft es, und das zeichnet ihn aus, dass er mit wenigen Worten große Texte schreibt. Ohne Rumgesülze, einfach aus dem Bauch raus, schielen seine Gedichte nach ganz weit oben; auch wenn dies, die wenigsten wahrhaben wollen. Oft gab es Momente, an denen ich kurz schlucken musste. Grund dafür gab es zu genüge, wenn Schmitt Situationen seines Lebens schildert, in denen er erlebte, was andere Sittenmatrosen längst über Bord geworfen hätten, um der bürgerlichen Existenz durch Verdrängung standzuhalten . Er ist ehrlich zu sich selbst und macht keinen Hehl daraus, dass Gewinner vielleicht anders aussehen. Schmitt ist halt Schmitt. Unverwechselbar auf seinem Gebiet. Einzigartig im Poetrynebel. Ok, genug der Lobhudelei. Zum Schluss bleibt mir nur eins: Macht euch selbst ein Bild von der Sache. Raucht drei Packungen Kippen weniger und legt euch das Teil zu. Deshalb meine Empfehlung: Kaufen, überzeugen, Fresse halten! (Marcus Mohr, Hrsg. der Literaturzeitschrift „Der Straßenfeger“, Köln)

Auszug aus Die Zeit lief ab und sie träumte von Bonnie und Clyde. Gedichte von Andreas Schmitt. Copyright © 2002. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten.

Gänsehaut

Du sitzt auf deinem Fußboden,
die Lampe scheint bieder über dich hinweg,
und sortierst die alten Platten.
Hendrix schreit dir direkt vom Cover ins Gesicht,
Cobain wälzt sich rücklings auf einem Podium,
die Füße gen Himmel gestreckt
und der gute alte Lennon klimpert ein letztes Mal
für diese Nacht sein Imagine in die Dunkelheit.

Aber du bist nur noch innerlich ein kleiner Rebell.
Schlurfst zum Kühlschrank, das verdammte Licht
rammt dir Schlitzaugen ins Gesicht. Und alles was dir bleibt
ist ein Beutel der fettarmen und ultrahocherhitzten Milch,
die du in kleinen Zügen langsam in dich hineinkippst.

Diese Gänsehaut, wie damals, sie kommt nicht mehr.

Damals, in den Diskos, als du dein Girl anschreien musstest
um dich mit ihm zu verständigen...
Zu Hause habt ihr dann die Anlage aufgedreht,
die ganze verdammte Nacht lang, und eure Körper zitterten
im Bass der Boxen.

Heute ist dir fast nichts mehr geblieben, von damals,
sie haben dich mächtig an den Arsch gekriegt.
Diese verfluchten arbeitsgeilen Motherfucker.

Ein Erwachen

Manche von euch brauchen einen Terroranschlag
à la 11. September
als das World Trade Center in Schutt und Asche fiel.

Andere wiederum wurden für einen Moment wach,
als sich Hemingway '61 seinen leeren Schädel in Ketchum
wegschoss
oder ein wahnsinniger Kommunist Kennedy '63 umlegte
oder '80, als es John Lennon in New York erwischte.

In solchen Momenten reißt ihr die Augen auf.
In solchen Momenten haltet ihr euch die Hand vor den
Mund.
In solchen Momenten brennen eure Seelen, rasen eure
Herzen
und ihr fangt an zu heulen,
bis der stupide Alltag euch wieder hat,
mit euren ach so wichtigen Problemen.

Ich brauche das alles nicht!

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