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Die hilfreichsten Kundenrezensionen
8 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Gegensätze ziehen mich an,
Von
Rezension bezieht sich auf: Zeit zu leben und Zeit zu sterben (DVD)
Deutschland 1944: Ein Soldat mit dem sprechenden Namen Ernst Gräber (John Gavin) ist auf Fronturlaub in seiner weitgehend zerbombten Heimatstadt. Auf der Suche nach seinen Eltern trifft er die nunmehr vom Kind zur Frau gewordene Elisabeth; die beiden verlieben sich ineinander und heiraten. Doch ihnen bleiben nur drei Wochen Zeit zu l(i)eben und Zeit ... ja, das soll nicht verraten werden, so wie dieser reichhaltige Film überhaupt nur höchst unvollständig in eine Inhaltsangabe zu pressen ist.Der hauptsächlich für seine US-Melodramen bekannte Regisseur Douglas Sirk ist dänischer Abstammung und hatte bis 1938 in Deutschland gelebt und gearbeitet, zunächst als Theater-, dann als Filmregisseur. Ein Versuch, 1950 wieder nach Deutschland zurückzukehren, endete damit, dass er das Gefühl hatte, als "Fahnenflüchtiger" nicht erwünscht zu sein. Nach beachtlichen Film-Erfolgen in den USA arbeitete er nun, 1958, doch mit Deutschen zusammen, drehte seinen Film mit teils deutscher Besetzung in Berliner Studios und adaptierte einen Roman Erich Maria Remarques, wie Sirk ein Emigrant (der sogar eine kleine, aber wichtige Rolle in dem Film bekam). Während 1950 die Chemie nicht zu stimmen schien, an "Zeit zu leben und Zeit zu sterben" stimmt alles. Es war immer schon Sirks Geschick, schwache triviale Stoffe zurechtzubiegen, und mit besseren Vorlagen wurde er noch stärker, so auch hier. Sein Film ist eine Verknüpfung des Melodrams mit dem Kriegsfilm, der zwar urwüchsig Sirk ist mit markanten Farben und Symbolismen, der aber dennoch wie eine Einheit wirkt. Und das Einheitliche, das diesen Film genauso klug wie absurd wie ergreifend macht, das ist hier stärker als jemals eine Häufung von Gegensätzen. Das hatte bereits in seinem Melodram "Es gibt immer ein Morgen" funktioniert (Regen im sonnigen Kalifornien, Tristesse in einer Spielzeugfabrik und vieles mehr). Es wird hier auf die Spitze getrieben und zum durchgängigen Prinzip. Da kann Sirk ganz Sirk sein, und er wird dennoch oder gerade deswegen dem anspruchsvollen Thema gerecht, dem er sich eher emotional als intellektuell und vielleicht gerade deswegen besonders klug nähert. Denn gerade dadurch erschafft er ein Panorama voller absurder Tragik, in dem Dinge zusammen sind, die nicht zusammengehören, in dem Ordnungen völlig aufgehoben sind - es scheint, nichts passt besser für eine Gesellschaft, ein Land, ja eine Welt im barbarischen Ausnahmezustand. Es gibt das Aufeinanderprallen von Sirk'schen großen Gefühlen (mit vielen Farbakzenten) und einer kalten Kriegs- und zerbombten (gelegentlich fast monochromen) Welt. Es gibt bereits im Titel das Lieben und das Sterben (US-Titel) bzw. das Leben und das Sterben (deutscher Titel). Es gibt am Ende ein Zusammenprallen von werdendem und ausgelöschtem Leben. Es gibt Grausamkeit und (ein im Halse steckenbleibendes) Lachen, z.B. wenn ein KZ-Kommandant lachend mit einer Nutte unterm Arm seine "Methoden" erläutert. Es gibt die zerstörerische Kraft des Feuers und das Wasser, welches das Feuer löscht. Es gibt aber auch einmal Wasser in Verbindung mit dem Tod. Ein anderes Mal ist die Rede vom Feuer, dessen Hitze den Flieder eines fast schon toten Baumes für die Jahreszeit zu früh erblühen lässt, so als hofft man, dass sich Elisabeth und Ernst dereinst wie ein Phönix aus der Asche des Landes erheben können (bezeichnenderweise findet unter den Blüten ihr erster Kuss statt). Es gibt den Schlamm an der Front und ein übriggebliebenes Nobelrestaurant, dessen Kapelle noch im Luftschutzbunker Musik spielt, dass man sich zu Tode amüsieren kann. Die vielleicht perverseste Gemeinheit und der beste Beleg, wie Sirk das Schöne mit dem Schrecklichen verbinden kann, ist der "russische Frühling" gleich am Anfang. Hier bahnen sich nicht zarte Krokusse den Weg durch den Schnee, sondern Sirk filmt ganz wie eine Frühlingsblume... eine tote Hand. Ein bißchen Schnee ist getaut und gibt den Blick auf die Überreste der Wintertoten frei, und die Soldaten haben nichts besseres zu tun, als sich zu streiten, ob das wohl die Januar- oder die Novembertoten gewesen seien. Der ganze Film ist voller solcher Szenen skurriler Bitternis, und bei jeder Freude ist der nächste Nackenschlag nicht weit. Hierzu passt die Besetzung mit Lilo Pulver als Elisabeth sehr gut, die mir von den Hauptdarstellern am eindringlichsten erschien. Wir kennen die junge Lilo Pulver mit ihrem mädchenhaften, giggelnden, unverkrampften, ansteckenden Lachen, und sie hat es auch hier ab und an, aber Sirk lässt es uns nur mit Vorsicht genießen. Zunächst ist Elisabeth selbst misstrauisch, zumal Ernst ausgerechnet mit einem gefährlichen und einflussreichen Nazi von alten Zeiten her befreundet ist und gelegentlich nur von diesem Hilfe erhofft. Und wenn dieses Misstrauen verschwunden ist, so wird Elisabeths Lachen sogleich von absurder Tragik überschattet. Ihre Vorladung zur Gestapo? Erst eine Erleichterung, dass sie nicht in Gefahr ist und es nur um eine Formalität ging, dann aber das Erschrecken, um welche Formalität es sich handelt: Ihr Mann quittiert den Erhalt der Asche von Elisabeths Vater - ausgerechnet in einem Gegenstand, dessen üblicher Inhalt bei bestimmungsgemäßem Gebrauch ebenfalls zu Asche wird, einer Zigarrenkiste. In einem kurzen Auftritt erledigt Klaus Kinski mit kalter Geschäftigkeit die Übergabe, bei der man unterschwellig aber auch ahnt, dass er es ein bißchen genießt - ein wunderbares Einsprengsel, um die Barbarei scheinbar beiläufig zu demonstrieren. Und dann muss Ernst seiner Frau die schreckliche Nachricht überbringen, gerade als sie besonders fröhlich ist, wider allen Erwartens noch eine intakte Wohnung gefunden zu haben... Ja, hier geht es immer Knall auf Fall, hier folgt Regen auf Sonnenschein, Tod auf (Auf-)Leben, und am Ende sind nicht einmal mehr die Kriegsfronten in der gewohnten Ordnung. Der Film fängt diese Unordnung einer völlig aus den Fugen geratenen Welt ein und ist selbst "unordentlich". Darin ist er ein Meisterwerk. Leider wird Douglas Sirk in Deutschland immer noch mit spartanisch ausgestatteten DVDs bedacht, insbesondere Frankreich hat es besser. So müssen wir bei guter Qualität und der Auswahl zwischen Deutsch und Englisch (mit jeweils optionalen Untertiteln) leider auf Zusatzinformationen zu dem Film verzichten. Ließen sich nicht Darsteller wie Liselotte Pulver finden, um uns etwas über den Film mitzuteilen? Gibt es nicht neben dem früh verstorbenen Rainer Werner Fassbinder Weggefährten und/oder Verehrer von Sirk, der in den Siebzigern mit jungen deutschen Filmemachern wie Hajo Gies zusammengearbeitet hat? Hätten nicht die Autoren von Sirk-Büchern, deren es auch in Deutschland gute gibt, sich mit Hintergrundinformationen um eine dem Meister würdige DVD-Edition verdient machen können? Dies wünscht man sich, aber der unglaublich starke Film rechtfertigt schon für sich keine andere Wertung als die höchste. Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
9 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Die erste amerikanische Produktion mit Liselotte Pulver!,
Rezension bezieht sich auf: Zeit zu leben und Zeit zu sterben (DVD)
Dies ist Douglas Sirks vorletzter amerikanischer Film und Liselotte Pulvers erster! Das bewegende Melodram zeigt die Schrecken des zweiten Weltkriegs (vor allem die Leiden der Zivilbevölkerung), eingerahmt in eine alles andere als kitschige Lovestory. Dass es kein Happyend gibt, ist nur konsequent und wird dem Vorbild des Romanautors Erich Maria Remarque gerecht. Es ist sehr erfreulich, dass Carol Media nun schon fünf Filme von Sirk veröffentlicht hat. Die Extras sind jedoch gewohnt dürftig, nur einige Trailer und eine Bildergalerie. Trotzdem, ein fantastischer Film mit einer fantastischen Liselotte Pulver in einer ungewohnt ernsten und anrührenden Rolle.
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6 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen
Antikriegsfilm,
Von
Rezension bezieht sich auf: Zeit zu leben und Zeit zu sterben (DVD)
Diesen Film kenne ich seit 1995. Er erzählt die Geschichte dieses jungen Soldaten so echt und spannend, dass einem die Spucke wegbleibt.Am Anfang und am Ende des Films wird kurz über die Erlebnisse an der Front berichtet (Hinrichtung von Zivilisten/ tragisches Ende des Soldaten). Schwerpunkt ist jedoch der Urlaub in der Heimat, wo er in 3 Wochen ein Wechselbad der Gefühle erlebt mit der Suche nach seinen Eltern, der Liebe zur 2. Hauptdarstellerin des Films L. Pulver. Man lernt aber auch hier einiges über das wahnsinnige Nazi-System, weil einige der Darsteller hier z.T. verfolgt werden. Alles in allem einer meiner Lieblingsfilme, obwohl er sehr traurig endet. Er ist jetzt auch in Farbe auf DVD, der Ton ist für einen 50 Jahre alten Film gut, es gibt auch eine englische Tonspur und natürlich Untertitel in Dt. und engl.). Helfen Sie anderen Kunden bei der Suche nach den hilfreichsten Rezensionen
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