Japan-Kenner werden sich wohl schon im ersten Kapitel „Augen auf, Ohren zu – und durch!“ ein Lächeln des Widererkennens kaum verkneifen können. Hier wird beim Schnellgang durch Tokio die typische Geräuschkulisse der Millionenmetropole beschrieben: Presslufthammer, Durchsagen eines Fahrers, der seine Navigationsabsichten kundtut, Sirren der Zikaden und Rabenkrähen, Düsenjägermotor und die vielen, vielen, vielen Lautsprecherdurchsagen, die auf Sonderangebote aufmerksam machen sollen.
Anhalt beschreibt nicht nur die andere Lebensweise, sondern wertet auch aus der Perspektive des Nichtjapaners. Dabei wirken seine Urteile jedoch nie überheblich oder intolerant. Im Gegenteil: Sie wecken bei dem Leser Verständnis für die fremde Kultur und lassen immer wieder den tiefen Respekt erahnen, den der Autor dem Land entgegenbringt. Anhalt spricht sowohl positiv Konnotiertes der japanischen Kultur an, wie die kulinarischen Köstlichkeiten, die alte Badetradition oder die Verbundenheit von Tradition und Moderne; er scheut sich jedoch auch nicht, Negatives anzusprechen, zum Beispiel die mitunter durch Platzmangel und den Bau überirdischer Stromleitungen hässlichen Stadteile. Vor allem erwähnt er auch soziale Probleme wie die überproportional hohe Selbstmordrate der Japaner und der traurigen Realität, dass es sogar einen Lieblingswald für Selbstmörder in der Nähe von Tokio gibt.
Im Land der aufgehenden Sonne gibt es natürlich Mangas, Sushi und Geishas, aber es hat noch so viel mehr zu bieten. Anhalt wird den Leser mit seinem Buch überraschen, Dinge aus und über Japan erzählen, die er noch nicht gewusst hat und dazu Bilder zeigen, die er nicht oder noch nicht so oft gesehen hat. Yokoso – Willkommen in Japan!