Eduardo Galeano hat sich viel Zeit gelassen mit seinem neuesten Buch, einer Sammlung aus 333 kurzen Geschichten, bei denen er seinem Motto "in der Kürze liegt die Würze" wieder gerecht wird. Auch diesmal bemüht er sich um einen progressiven und kritischen Blick "von unten", erzählt von Folteropfern lateinamerikanischer Militärdiktatoren, Bombenopfern im Irak und in Nahost und dem generellen Irrsinn amerikanischer Außenpolitik. Diese Geschichten sind in ihrer Dichte und Aussagekraft hervorragend gelungen.
Das ist aber nur eine Seite des Buches. Neben den Schicksalen seiner menschlichen Protagonisten versucht sich Galeano diesmal auch an Geschichten aus dem Tier- und Pflanzenreich. Die Lebenserfahrungen von Hunden, Papageien und Fröschen finden dabei ebenso Raum wie jene der Bäume, und gar der Erde selbst. Stellenweise versucht sich der Autor als Prosapoet, was sich an etwas sperrigen Texten zwischen den politischen und biologischen "Hardfacts" manifestiert.
Fazit: Nettes Buch mit vielen spannenden und kritischen Geschichten, das aber an Galeanos Meisterwerke wie "Die offenen Adern Lateinamerikas" oder "Die Füße nach oben" nicht heranreicht. Trotzdem vier Sterne, es ist eben Galeano ...