Olaf Georg Klein Zeit als Lebenskunst Wagenbach
ISBN 3803136245
Der Autor beginnt seinen Essay über die Zeit als Lebenskunst mit einer Definition des Begriffs Zeit.
Zeit hat keine materielle Substanz, sondern bedeutet im weitesten Sinn Leben.
Zeit kann man nicht sparen, anreichern oder dehnen. Unser Leben beginnt und endet nach den Gesetzen der Natur.
Der Autor ist Theologe und Psychologe und befasst sich mit den religiösen Begriffen für die Endlichkeit. Er kommt sehr schnell zu dem Ergebnis, dass uns unsere Endlichkeit nicht vorstellbar ist, und wir daher mit dem Begriff der Zeit jonglieren, als gäbe es da etwas zu verhandeln.
O. G.Klein vermittelt einen Eindruck davon, wie wir mit unserer Lebenszeit umgehen. Zur gleichen Zeit vieles tun, ist heute im Zeitalter der Telekommunikation kein Kunststück mehr. In der Gegenwart zu leben und sich mit dem Tun des Augenblicks zu begnügen, gelingt nicht mehr vielen Menschen und ist doch nach Klein erstrebenswert.
In einem seiner Kapitel geht es um Aktivität, Inaktivität, Muße und Beschleunigung.
Natürlich erinnert uns Klein an die Fabel vom Hasen und vom Igel: der Igel, der den einfachen Weg findet, und der Hase, der sich tot läuft. Es ist gut vorstellbar, dass die Angst vor der Leere und dem Stillstand und der angeblich unnütz vergeudeten Zeit Menschen in die Hektik und in den Überdruß treibt, wie es Klein beschreibt. Hat doch Zeit und Beschäftigung etwas mit der Sinngebung des Lebens zu tun.
Hier wird ein philosophisches Denken sichtbar, dass diejenigen ansprechen wird, die sich mit den Gedanken über den Sinn ihres Lebens nachdrücklich befassen.
O.G. Klein verbindet mit seiner Streitschrift für mehr Muße und Besinnung eine eingängige Kulturkritik. Ausführlich zitiert er bekannte Philosophen und handelt sein Thema gründlich in alle Richtungen ab.
Vielleicht fehlt ein Kapitel, in dem den verschiedenen Lebensphasen Rechnung getragen wird. Ein kleines Kind und ein alter Mensch können sich Muße und Nichtstun gönnen.
Eine berufstätige Mutter, die Haushalt, Beruf und das Familienleben organisieren muß, wird sich schwer tun, mit Augenmaß das eigene Tun von Zwängen und Stress freizuhalten. Und wer sich mit Schulpolitik befasst, der wird feststellen, dass schon Schulkinder von den gestellten Anforderungen erdrückt werden, so dass nicht einmal altersgerechte Freizeit mehr zur Verfügung steht.
Unser Zeitalter verleitet zu überbordenden Aktivitäten. Nur wenigen ist es gegönnt, sich zurückzulehnen und über Zeit und Muße nachzudenken, geschweige denn sie auch zu leben.
O.G.Klein gibt Anstöße zum Nachdenken!