Zeit und Wissen, ein Teilresumé eines 80jährigen Philosophen.
Das Buch ist keine leichte Feierabendskost, ich kann es nur abschnittweise lesen, um das gelesene zu "verdauen". Das Lesen wird aber vereinfacht durch die Gliederung in relativ kurze Abschnitte, die wohl einzelnen Vorlesungen entsprachen. Langjähriges Philosophieren und Gedanken über die Hintergründe des Vorausgesetzten bzw. "Gegebenen" sowie eine Systematik des "Zweifels" an den oft unbedachten Voraussetzungen unseres sogenannten "Wissens" ziehen die Wissenschaft vom oftmals hochgejubelten Himmel des scheinbar "absoluten Wissens" auf den Boden der Folgerungen aus "geglaubten Voraussetzungen". Ich bin noch nicht weit über die Grundvoraussetzungen und den Exkurs über Erkenntnistheorie hinausgekommen, bis aber schon sehr gespannt auf seine weiterführenden Gedanken. Er hatte den Mut, drei wesentliche und verbreitete Gebiete unserer Gesellschaft und unseres Denkens in seinem Philosophieren zu verbinden, die Physik, die Philosophie und den religiösen Glauben. Vielleicht wegen des letzten Anteils ist er im Moment nicht sehr beliebt, entspricht nicht dem Zeitgeit der Gesellschaft und wird selten zitiert. Aber der Versuch, diese drei Gebiete im Zusammenhang kritisch, analytisch und philosophisch zu durchleuchten ist allemal wertvoll und überfällig.
Dr. med. Gerhard Riehl