Die bildreiche Darstellung magischer Erlebnisse und grausamer Taten nur teilweise erfundener Figuren bilden den äußeren Rahmen des historischen Romans, der im Jahre 1583 bis zum Tag der Einführung des Gregorianischen Kalenders am 3. November 1583 spielt. In diese Rahmenhandlung passt auch der reißerisch anmutende Titel "Zeit der Wölfe", denn das Wölfische tritt in den Zeiten des Umbruchs, nicht ohne den Gegenpol einer zarten Liebe, in der Figur des Jacobus auf besondere Weise zu Tage.
Allerdings wird die für einen historischen Roman wohl typische, spannende äußere Erzählung in ihrem Verlauf allmählich stärker durchbrochen von der Einfühlung in die Psychologie einzelner Figuren, die sich aufgrund ihrer jeweiligen Lebenslage und Pläne auf ihre Weise mit der bevorstehenden Kalenderumstellung auseinandersetzen. Dabei wird auch der weit ausholende, teilweise barocke Sprachstil der ersten Kapitel zunehmend moderner, wenn es darum geht, das Rätsel der Zeit nicht nur in einem historischen Datum, sondern im Leben der einzelnen Figuren zu spiegeln, die wohl gleichsam für jeden Menschen stehen können, der gedanklich auf der Suche nach dem alles entscheidenden Augenblick seines Lebens ist.
Dieser deutliche Umschwung des Romans, bei dem der historische Kontext und der philosophische Gedanke ineinander fließen, ist Stärke und Schwäche des motivreichen Romans, denn er verleiht dem Erzählten eine auf den ersten Eindruck unerwartete, tiefere Dimension, befriedigt jedoch vielleicht gerade deshalb nicht alle Ansprüche, die gemeinhin an einen historischen Roman gestellt werden.
Ein spannender und anspruchsvoller Roman, der viel mehr einlöst als sein Titel vermuten lässt und zum Weiterdenken anregt.